Einzelkritik

Hummels schlägt den Franzosen die Tür vor der Nase zu

Der Abwehrchef stabilisiert die zuletzt so anfällige Defensive. Hilfe bekommt er durch die deutsche Version von Frankreich-Star Kanté

Mats Hummels (r.) stoppte nicht nur Benjamin Pavard

Mats Hummels (r.) stoppte nicht nur Benjamin Pavard

Foto: MICHAEL DALDER / REUTERS

Manuel Neuer: Machte sein 80. Länderspiel. Es war für den Bayern-Schlussmann zunächst ein gemütliches. Erst in der 36. Minute wurde seine Mitarbeit gefragt, dann aber vehement. Neuer parierte Girouds Kopfball prächtig. Auch Griezmann verzweifelte zweimal am deutschen Kapitän (49./64.). Note: 2


Matthias Ginter: Hatte die Weltsensation vollbracht, an zwei Weltmeisterschaften teilzunehmen, ohne eine Sekunde zu spielen. Mit dem Gladbacher kehrte der sogenannte „Ochsenspieß“ aus vier Innenverteidigern in der Viererkette zurück, mit dem Löw 2014 erfolgreich war. Zweikampfstärke war das Stichwort. Und Ginter lieferte. Gewann fast 80 Prozent seiner Duelle und hatte sogar vorn starke Szenen. Note: 2


Jerome Boateng: Zunächst irgendwie unangebracht lässig. Hätte fast Hernandez übersehen, klärte dann aber gerade noch rechtzeitig (41.). Kam im weiteren Spielverlauf öfter zu spät. Note: 4


Mats Hummels: Hat sich vorgenommen, den Weg heraus aus dem Schlamassel zu weisen. Tat das, als er Griezmanns Sturmlauf stoppte wie eine zugeschlagene Tür (45.). Die deutsche Abwehr soll kein Selbstbedienungsladen mehr sein wie noch bei der WM. Hummels sorgte dafür. Hatte vorn die beste deutsche Chance, als er erst einen Konter einleitete und dann selbst abschloss, aber an Areola scheiterte (72.). Note: 2


Antonio Rüdiger: Gab den „Ochsen“ links in der Viererkette. Verpasste dem Stuttgarter Benjamin Pavard gleich einen ochsenhaften Tritt, der fies aussah. Musste sich an die neue Rolle erst gewöhnen – und seine Mitspieler auch. Überraschte sie des Öfteren mit unkonventionellen Flanken und erfand den Flankentorschuss (45.). Wurde vom französischen Wunderkind Mbappé mehrfach frech ausgetanzt (60.). Und dennoch: Rüdiger bewies Mut zur Hässlichkeit, als er mehrfach in der Offensive Dinge tun musste, bei denen er nicht gut aussah. Die aber nun mal an diesem Tag seine Aufgabe waren. Note: 4


Joshua Kimmich: Löw flüsterte ihm vor Anpfiff noch etwas ins Ohr. Vielleicht ja: „Zeig der Welt, dass du besser bist als Kanté!“ Kimmich, sonst Rechtsverteidiger, gab das Pendant zu Frankreichs Aufpasser vor der Abwehr. War, wo die Action stattfand – und überall gut. Note: 2


Leon Goretzka (bis 64.): Konnte seine Dynamik nach vorn nicht so einbringen wie zuletzt bei den Bayern. Aber hier ging es ja auch nicht gegen Stuttgart, sondern gegen den Weltmeister. Note: 4


Toni Kroos: Hatte mit Kimmich einen Kehrbesen hinter sich wie bei Real Madrid. Nutzte die neue Leichtigkeit aber zu selten für stramme Pässe in die Gefahrenzone. Zeigte jedoch die Toni-Kroos-Weltsensation: Fouls. Note: 3

Thomas Müller: Gab mit Reus und Werner vorn einen ständig die Positionen tauschenden Angriffskreisel. Arbeitete unermüdlich. Hätte sich das Tor verdient, dass ihm Areola mit einer starken Parade verwehrte (74.). Note: 3

Timo Werner: Wenn es in der defensiv ausgerichteten deutschen Elf gefährlich wurde, dann meist über Werner. Zwang Areola zur zwei Paraden (18./57.). Note: 3


Marco Reus: Der Angreifer hatte die Zuschauer auf seiner Seite, als er einen französischen Konter kurz vor dem eigenen Strafraum stoppte (26.). Hatte vorn Pech, dass Areola einen herausragenden Tag erwischte (64.). Note: 3


Ilkay Gündogan (ab 64.): Musste erneut Pfiffe gegen sich ertragen, aber deutlich weniger als noch nach seinem Erdogan-Foto. Meisterte seine „Reifeprüfung“, wie er es selbst nannte, und hätte fast das Siegtor erzielt (77.).

Leroy Sané (ab 83.): Darf wieder mitmischen. ​