Basketball-Länderspiele

Dennis Schröder und sein Weg aus Nowitzkis langem Schatten

Der NBA-Star soll das DBB-Team zur nächsten Medaille führen. Bundestrainer Henrik Rödl fordert mehr Anerkennung für den Ausnahmespieler

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  Henrik Rödl war selbst einmal Anführer der Basketball-Nationalmannschaft. Eher der ruhige, zurückhaltende Typ, der statt Worten Fleiß und Taten sprechen ließ. Heute ist der
49-Jährige, der 1993 Europameister wurde und 2002 WM-Dritter, Bundestrainer und hat ebenfalls einen starken Leader im Team. Der ist allerdings ganz anders als er, nicht gerade schüchtern, sondern schillernd, gern auch mal laut. Rödl stört das nicht. Wenn er über Dennis Schröder (24) spricht, ist er voll des Lobes: „Er ist immer da, wenn es geht, opfert sich auf, und ich hoffe, dass er dafür irgendwann auch flächendeckend die Anerkennung bekommt, die er verdient.“

Unfaire Vergleiche und viel Kritik

Von Beginn an hatte es der Braunschweiger schwer in der Öffentlichkeit. Schröder ist schon mit 20 Jahren in die NBA zu den Atlanta Hawks gewechselt und dort zum Multimillionär geworden. Aber mal waren es seine Goldkettchen, ein anderes Mal eine Schlägerei vor einem Club, deretwegen er schräg angeschaut wurde. Außerdem verglich man ihn, speziell nach der EM 2015 in Berlin, mit dem jungen Dirk Nowitzki. Wenige erkannten, dass er bessere Werte vorweisen konnte als der Würzburger bei seiner ersten EM, viele sahen ihn nur als aufmüpfigen, egoistischen Jung-Star, der entscheidende Würfe vergab.

Rödl dagegen, damals noch Assistent des Bundestrainers Chris Fleming, sah von Anfang an vor allem das Potenzial des jungen Mannes. Und welche Einstellung der Sohn einer gambischen Mutter und eines deutsches Vaters mitbringt. Er will immer gewinnen, unbedingt, was seinen anfänglichen Übereifer erklärt. Doch inzwischen, so der Bundestrainer, „hat Dennis sich in allen Bereichen weiterentwickelt“. Schröder ist ein Stachel in jeder Abwehr, wird wegen seiner Schnelligkeit häufig gefoult und schafft Räume für seine Mitspieler. Maxi Kleber, Albas Niels Giffey, Robin Benzing, Danilo Barthel und all die anderen werden an seiner Seite besser.

Am Freitag Kräftemessen mit der Türkei

Beim Supercup an diesem Wochenende in Hamburg, wo die Deutschen am Freitag (20 Uhr, Telekomsport) auf die Türkei und am Sonnabend auf Italien oder Tschechien treffen, soll sich das wieder zeigen. Das Turnier dient als Vorbereitung auf die WM-Qualifikationsspiele am Mittwoch (in Estland) und Sonntag (in Leipzig gegen Israel) der darauffolgenden Woche. Zwei Siege vorausgesetzt, haben sich Rödl und seine Mannschaft fast sicher für die Titelkämpfe 2019 in China qualifiziert.

Und dort könnte Deutschland dann mit allen NBA-Stars, neben Schröder sind es aktuell fünf weitere, wirklich im Medaillenkampf ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Wenn es gelingt, wird einmal von der „Generation Schröder“ gesprochen werden. Es wird keine Frage sein, wer deren Anführer war.

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