US Open

Juan Martin del Potro – Der Stehauf-Riese des Tennis

Neun Jahre und etliche Verletzungen nach seinem US-Open-Coup ist Juan Martin del Potro wieder der Hoffnungsträger einer ganzen Branche

Foto: Geoff Burke / USA TODAY Sports

New York.  Als Juan Martin del Potro vor neun Jahren in einer magischen Tennisnacht die lange Siegesserie von Roger Federer beendete, schien die Machtarchitektur des Tenniszirkus ins Wanken zu geraten. Del Potro, genannt „El Palito“ („Die Bohnenstange“), wirkte wie einer, der die Dominanz der Titanen brechen konnte. Mit seinen Hochgeschwindigkeits-Schlägen. Mit seiner Leidenschaft. Und mit guten Nerven, zumal die Karriere des Argentiniers bis zu jenem traumhaften Moment mehr als gradlinig verlief.

Sukzessive wurde del Potro der jüngste Profi in den Top 100, den Top 50, den Top Ten und schließlich auch in den Top Fünf. Doch ausgerechnet nach der geglückten Gipfelbesteigung im Big Apple begann das jahrelange Leiden des „Turm von Tandil“, des zerbrechlichen 1,98-Meter-Riesen mit dem großen Herz und dem verletzungsanfälligen Körper.

Knapp am vorzeitigen Karriereende vorbei

„Ich habe echte Horrorjahre hinter mir“, sagt del Potro (29), „ich war nicht weit davon entfernt, mit dem Tennis aufzuhören.“ Allein vier Handgelenksoperationen hatte er zu überstehen, dazu kamen depressive Verstimmungen und angebliche Alkoholprobleme. Immer wieder wurde er zurückgeworfen, immer wieder musste er mühselige Comeback-Angriff nehmen. Nun aber, eine kleine Ewigkeit nach seinem Grand-Slam-Coup, scheint der Hochbegabte mit dem harten Punch wieder in der Lage zu sein, das Establishment richtig aufmischen zu können.

Bei den US Open rauschte er mit nur einem Satzverlust durchs Turnier, trotz der enormen Hitze ohne großen Substanzverlust. „Ich habe noch genug Energie im Tank für das, was kommt“, ist sich del Potro sicher. Die wird er auch brauchen, denn im Halbfinale wartet nun der unverwüstliche mallorquinische Kämpfer Rafael Nadal, der sich in einem Fünf-Satz-Spektakel gegen den jungen Österreicher Dominic Thiem durchgesetzt hatte. Nicht die einzige Parallele zu den US Open 2017.

Halbfinal-Neuauflage gegen Nadal

Auch vor zwölf Monaten hatte del Potro in New York für Aufsehen gesorgt. In einem Meisterwerk an Beharrlichkeit und Willensstärke drehte er erst die Partie gegen Thiem, um dann auch noch Maestro Roger Federer zu entzaubern. Gegen Nadal jedoch war Schluss. Der Spanier gewann danach das Turnier – wieder einmal einer aus der schier unantastbaren Führungselite.

So sehr die Renaissance der alten Granden Federer (37), Nadal (32) und Novak Djokovic (31) zuletzt begeisterte, so sehr keimt auch eine Sehnsucht nach anderen Titel-Helden, nach Abwechslung. Keiner verkörpert diese Sehnsucht mehr als der so lange leidende del Potro. Schwedens Altmeister Mats Wilander spricht der Branche aus der Seele, wenn er fragt: „Wer würde ihm diesen Sieg hier nicht gönnen?“