Radsport

Berlins Radsport tritt kräftig in die Pedalen

Die Szene will gemeinsam mehr Kinder auf das Fahrrad bringen. Politik und Sport haben großes Interesse, das Velodrom besser zu nutzen.

Jens Voigt hilft Kindern im Velodrom, sich auf dem Rad zu halten

Jens Voigt hilft Kindern im Velodrom, sich auf dem Rad zu halten

Foto: City-Press / City-Press GbR

Berlin.  Sebastian Schmiedel war der große Held, die Kinder umlagerten den kleinen Tisch, an den er sich setzte und wollten etliche Autogramme. Zwar ist Schmiedel mit seinen 21 Jahren nur ein talentierter Nachwuchsfahrer, aber wie er mit seinem schicken Rennrad über die Bahn im Berliner Velodrom schoss, das gefiel den jungen Schülern. Bekanntheitsgrad hin oder her, Schmiedel hinterließ Eindruck, wie er da so in die Pedalen trat und sich in die Kurven legte.

Ein Ziel haben die Veranstalter damit also erreicht, das Interesse am Radfahren wurde geweckt bei den Kindern. „Wir haben überlegt, wie wir Kinder zum Radsport kriegen, wie wir den Radsport vermitteln können. Wir wollen den Kindern so das Fahrradfahren nahebringen, was ja in Berlin sonst etwas schwierig ist“, sagt Dieter Stein, der Berliner Landestrainer. Um ihn herum wurden im Velodrom viele Stationen aufgebaut, der ADAC gibt Anleitung zum Thema Sicherheit, die Polizei erklärt am nächsten Stand, wie der Straßenverkehr so funktioniert. Daneben können die Kinder lernen, wie man kleine Reparaturen ausführt. Irgendwann dürfen alle auch mal eine Runde auf der Bahn drehen.

BRV stellt kostbare Trainingszeiten zur Verfügung

Fast 1200 Schüler der unteren Klassen schleusen Stein und seine Kollegen in diesen Tagen durch das Velodrom. Über die Senatsverwaltung bot der Berliner Radsportverband (BRV) den Schulen an, einen Projekttag in der Halle zu verbringen. Der Zuspruch war viel größer als erwartet. Für diese Aktion stellt der BRV seine sogar Trainingszeiten zur Verfügung. Die sind kostbar, weil begrenzt. Schließlich gibt es nur ein Velodrom in der Stadt. „Wir haben nur 100 Tage im Jahr, in denen wir in die Halle können. Unser Wunsch ist, dass wir diese Tage methodisch einsetzen können, was nicht der Fall ist“, so Stein. Die Vermarktung, also etwa Konzerte, steht dem Radsport oft im Weg. „Unser Ziel ist es, so eine Veranstaltung wie jetzt regelmäßig durchzuführen, dass wir Standardtermine haben und Sichtungen durchführen können.“ Das Schulprojekt soll ein Startschuss sein.

Im Berliner Radsport herrscht gerade eine Art Aufbruchsstimmung. Mit der neuen Bahn, die ins Velodrom vergangenes Jahr eingebaut worden ist, soll die Nutzung der Halle, in der Ende November ein Weltcup stattfindet, intensiviert werden. Politik, Landessportbund und Sponsoren unterstützen die Vorhaben, auch das Sechstagerennen, das die Organisation des Schulprojektes übernahm, engagiert sich sehr, will ganzjährig in er Stadt präsent sein, Radsportbegeisterung auf allen Ebenen schaffen und damit letztlich Fahrer- sowie Zuschauernachwuchs heranziehen. Alle Kinder etwa erhalten eine Eintrittskarte für das Sechstagerennen im Januar 2019. Auch Jens Voigt, der 17 Mal die Tour de France fuhr, steht gern als Pate der Veranstaltung zur Seite.

Vakante Trainerstelle wird in den nächsten Tagen besetzt

Wichtig ist für Stein ebenso, dass es personell wieder vorwärts geht. Fast drei Jahre war die Stelle des am Olympiastützung angesiedelten Radtrainers nach einer Suspendierung und bürokratischem Hin und Her unbesetzt. Am ersten Tag des Schulprojektes führte Stein ein Bewerbungsgespräch, in 14 Tagen soll der Posten wieder besetzt sein.

„Das hilft, um etwas aufzubauen“, sagt der Landestrainer, dem aber immer noch ein Lehrertrainer an der Sportschule fehlt. Auch der BRV sucht derzeit noch nach Orientierung, es gibt keinen Präsidenten, die Handlungsfähigkeit ist eingeschränkt. Davon will sich Stein aber nicht bremsen lassen. Die nächsten Projekttage für Schulklassen werden schon im November stattfinden.