Istaf

Lückenkemper sprintet mit letzter Kraft aufs Podium

Die 21-Jährige wird immer mehr zum neuen Gesicht der deutschen Leichtathletik. In Berlin fehlt nur die Kraft für mehr als Platz drei.

Gina Lückenkemper (l.) wird Dritte über 100 Meter

Gina Lückenkemper (l.) wird Dritte über 100 Meter

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Erst vor ein paar Wochen hatte Sprinterin Gina Lückenkemper im EM-Trainingslager zum ersten Mal in ihrem Leben zum Diskus gegriffen. Einfach nur zum Spaß. Nach allem, was man hört, hat sich die 21-Jährige dabei auch gar nicht so schlecht angestellt. Zwar wird die Leistung nicht ausreichen, um Robert Harting in seiner Disziplin zu beerben, doch das macht nichts. Die Rolle als neues Gesicht der deutschen Leichtathletik erfüllt sie auch so.

Es war also durchaus symbolisch, dass genau in dem Moment, in dem Harting für seinen letzten Wettkampf vorgestellt wurde, Gina Lückenkemper auf der anderen Seite des Olympiastadions in den Startblöcken stand. Jung, sympathisch und schnell, zudem mit einem lockeren Mundwerk ausgestattet und nie um einen Spruch verlegen – mit diesen Attributen hat die Leverkusenerin das Zeug zum Star. Beim Istaf wurde sie vom Publikum gefeiert, obwohl andere schneller waren. Die Weltjahresbeste Marie-Josée Ta Lou (Elfenbeinküste) war auch in Berlin nicht zu schlagen, sie siegte mit 11,08 Sekunden vor Michelle-Lee Ahye (Trinidad und Tobago/11,13).

Doch die meisten Kameras waren auf Lückenkemper gerichtet, die in 11,18 Sekunden Dritte wurde. Eigentlich eine eher mäßige Zeit für sie – bei ihrer EM-Silbermedaille war sie 10,98 gelaufen, bei ihrer Bestzeit im vergangenen Jahr sogar noch einmal drei Hundertstel schneller. Dafür war der Start dieses Mal jedoch zu langsam. „Ich wäre gern schneller gelaufen, aber das war kein super sauberes Rennen“, sagte sie und lieferte die Erklärung gleich mit: „Mein Körper und mein Kopf sind einfach müde.“

Mit der Staffel holt sie sich den Sieg

Bereits bei der EM wirkte sie nach dem Interviewmarathon platt. Als sie sich mit ihrem Trainer Uli Kunst auf den Heimweg nach Soest machte, musste sie auf einem Rastplatz anhalten und ihm das Steuer überlassen. „Ich habe meine ganze Kraft in die EM-Woche gesteckt. Die hat verdammt viel Energie geraubt“, sagte sie. Den Auftritt mit der Staffel ließ sie sich beim Istaf allerdings nicht entgehen. Mit ihr als Schlussläuferin siegte Deutschland mit 42,98 Sekunden vor Großbritannien (43,19) und nahm damit Revanche für die EM, wo die Britinnen vor den Deutschen gelandet waren.

Es war fast ihr einziger Start nach der EM, ansonsten war Lückenkemper nur noch in Zürich gelaufen. Dort stellte sie fest, dass sie mit ihrer erfrischenden Art mittlerweile auch in der Schweiz viele Fans gewonnen hat. Mit einigen feierte sie später noch im Hotel. Es scheint, als wenn sie längst ein internationaler Star geworden ist. So wie Robert Harting einer war.