Istaf

Deutschlands Speerwerfer – Die drei Muskeltiere

Deutsche Speerwerfer Thomas Röhler, Andreas Hofmann und Julian Weber beweisen ihre Weltklasse und triumphieren beim Istaf im Dreierpack

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Thomas Röhler wusste noch ganz genau, wie das funktioniert. Gewinnen im Berliner Olympiastadion. Und sich danach noch auf der Ehrenrunde ausgiebig feiern lassen. Natürlich mit einer Deutschlandfahne um die Schultern. Und weil der Speerwerfer aus Jena das Ganze erst vor drei Wochen bei der EM erlebt hat, sah er schon recht routiniert aus, als er am Sonntag nach seinem Sieg beim 77. Istaf wieder auf der blauen Bahn unterwegs war.

„Das fühlte sich so an wie bei der Europameisterschaft“, sagte Röhler, der als einziger von elf Titelträgern beim Istaf siegte. Denn bei den Frauen hatte es zuvor bei Speerwurf-Europameisterin Christin Hussong nicht für den großen Goldwurf gereicht. Die 24-Jährige musste sich mit einer Weite von 61,51 Metern der Australierin Kelsey-Lee Roberts (62,70 Meter) geschlagen geben. „Der zweite Platz bedeutet mir sehr viel. Es war großartig, wieder hier zu sein“, sagte Hussong, die nach der EM sehr müde gewesen sei. „Es war schwierig, sich noch einmal zu fokussieren“, sagte sie und machte sich dann eben als Zweite auf die Ehrenrunde.

Weber schnuppert an der Sensation

Doch auch für Röhler war nicht alles genau so, wie vor drei Wochen, als der 26-Jährige an gleicher Stelle den Titel holte. Dieses Mal ging nicht nur Teamkollege und Vizeeuropameister Andreas Hofmann mit auf die Ehrenrunde, sondern auch Julian Weber. „Ein deutscher Dreifachsieg, das ist einfach super schön“, sagte Röhler.

Wohl auch für Weber, der als unglücklicher Vierter der nationalen Rangliste beim Saisonhöhepunkt nur zuschauen durfte. Weil aber Weltmeister Johannes Vetter nach einer etwas verkorksten Saison und einer leichten Verletzung schon im Urlaub weilt, durfte Weber beim Istaf ran. „Das hat mega Spaß gemacht. Das ist eine extrem tolle Erfahrung, wenn das ganze Stadion mitjubelt. Da kriegt man das Grinsen nicht mehr so schnell aus dem Gesicht“, sagte er.

Zwischendurch hatte es sogar so ausgesehen, als hätte der 24 Jahre alte Mainzer die Speerspitze vorn. Weber schockte seine zwei Teamkollegen direkt im zweiten Versuch mit einer Weite von 85,54 Meter – erst einmal die Führung. Aber Röhler wollte es sich eben nicht bieten lassen, dass ein anderer in seinem Wohnzimmer gewinnt. Also haute der Olympiasieger im fünften Versuch noch einen raus – 86,50 Meter.

Basketball-Star LeBron James verblasst neben dem Trio

Eine Weite, die überraschenderweise sogar für den Sieg reichte. Denn nicht einmal Hofmann (85,09) knackte die 90-Meter-Marke. Ungewohnt für den 26-Jährigen, der noch am Freitag beim Diamond-League-Finale in Zürich mit 91,44 Metern siegte und sich nun mit dem dritten Platz hinter Weber zufrieden geben musste. „Man merkt, dass die Muskulatur jetzt etwas müde wird. Aber das war trotzdem ein guter Abschluss mit 85 Metern“, sagte Hofmann, der in dieser Saison bei acht Wettkämpfen über 88 Metern warf.

Und weil es für den Sportstudenten jetzt in den „wohlverdienten Urlaub“ geht, nahm er sich nochmal viel Zeit für seine Fans, hier noch ein Autogramm, dort noch ein Selfie. Dabei verpasste Hofmann sogar, dass NBA-Superstar LeBron James nur einen Meter neben ihm her marschierte. Gibt ja auch Wichtigeres. „Ich habe mich so auf die Kids und die Fans konzentriert. Denen ist er ja auch nicht aufgefallen. Die Leichtathletik hatte eben Vorrang vor dem Basketballstar“, sagte Hofmann. Die Speerwerfer, sie waren mit ihrem Dreifachtriumph am Sonntag eben die etwas größeren Stars.