Robert Harting

Ein Großer verlässt die Bühne

Der Diskusstar nimmt beim Istaf Abschied vom Sport und wird von 45.500 Fans gefeiert. NBA-Ikone LeBron James überreicht ein Trikot.

„Der letzte Schrei! Danke Berlin!“: Robert Harting bedankt sich nach dem letzten Wettkampf seiner Karriere bei den Zuschauern

„Der letzte Schrei! Danke Berlin!“: Robert Harting bedankt sich nach dem letzten Wettkampf seiner Karriere bei den Zuschauern

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Der große Sportler, einer der erfolgreichsten der vergangenen zehn Jahre, bekam den großen Abschied, den er sich gewünscht hatte. 45.500 Zuschauer im Olympiastadion feierten den in eine übergroße Deutschland-Fahne gehüllten Berliner Robert Harting, den dreimaligen Weltmeister im Diskuswurf, zweimaligen Europameister und Olympiasieger von 2012 nach seinem nun wirklich letzten Wettkampf auf seiner Ehrenrunde mit minutenlangen Ovationen. Der 33-Jährige war gerührt. „Es macht mich sehr stolz, dass so viele Menschen Anteil nehmen, wenn ich jetzt gehe. Das hätte ich am Anfang meiner Karriere nicht für möglich gehalten“, sagte er, war dann aber gleich wieder zu Scherzen aufgelegt. „Ich bin ja ein kleiner Heimscheißer. Deshalb bin ich froh, dass ich so nah bei meinem Zuhause aufhöre.“

Harting wirkte schon mächtig angefasst, noch bevor sein sportlicher Auftritt überhaupt beginnen konnte. LeBron James, der beste Basketballspieler der Welt und gerade auf PR-Tour in Europa unterwegs, war ins Stadion gekommen, um ihm ein Shirt seines NBA-Teams Los Angeles Lakers zu schenken und alles Gute für die Zukunft nach der großen Sportkarriere zu wünschen. Aus den Lautsprecherboxen dröhnte „Heroes“ von David Bowie, das Publikum erhob sich von den Sitzen und gab Harting einen donnernden Applaus mit auf seinem Weg zur Bühne, auf der seine acht Konkurrenten schon warteten. Man merkte es ihm förmlich an, er wollte dieser Präsentation so schnell wie möglich entfliehen und in den Diskusring entkommen. Also brüllte er ins Mikrofon des Stadionsprechers: „Lasst es uns noch einmal tun!“ Ein letztes Mal. Er erzielte 64,95 Meter, für ihn typisch im letzten Versuch, belegte den zweiten Platz hinter seinem Bruder Christoph (65,67). Aber das war an diesem Tag eigentlich eine Nebensache.

Weggefährten ehren den Berliner mit Plakat und Video

Der letzte Schrei – seit fast einem Jahr haben die Veranstalter des 77. Istaf der Leichtathleten unter diesem Slogan mit dem Abschied Hartings geworben. Es wurde wirklich ein großer, emotionaler, ein besonderer Moment. Freunde, Familie, Organisatoren hatten sich eine Menge ausgedacht, um den Tag unvergesslich zu gestalten. Wo auf der Tribüne sonst das Istaf-Plakat prangt, wurde zum Diskuswerfen nun ein großes Bildnis des Olympiasiegers von 2012 aufgezogen mit dem Schriftzug „Danke“. An einem Bus, von dem aus rund 50 Freunde, seine Eltern und andere Familienangehörige direkt neben dem Diskusring zuschauen konnten, hing ebenfalls ein Plakat mit seinem Bild und den Worten „Was für eine geile Zeit. Danke“. Auf einer Videoleinwand lief ein Film, in dem sich Weggefährten stilecht von Harting verabschiedeten. „Lass es krachen“, rief etwa der neue deutsche Sport-Liebling Gina Lückenkemper, nachdem sie sich so wie früher der beste deutsche Leichtathlet das Trikot zerrissen hatte. Speerwurf-Europameisterin Christin Hussong machte es ebenso und gab ihm mit auf dem Weg: „Du bleibst der Allergrößte.“

Robert Hartings Einstellung zu solchen Extras ist bekannt: „Ich mag eigentlich keine Überraschungen“, sagte der dreimalige Weltmeister noch zwei Tage vor dem Wettkampf. Und so wollte er auch jetzt endlich werfen – und einen guten sportlichen Auftritt liefern, nachdem der Perfektionist schon bei den Europameisterschaften an gleicher Stelle vor dreieinhalb Wochen als Sechster alle überzeugt hatte – nur sich selbst nicht. Er hatte sich dort eine Medaille gewünscht. Am Ende seiner Karriere behindert ihn neben kleinen Zipperleins vor allem eine angerissene Quadrizepssehne im Knie.

Richtig „krachen lassen“ – diese Zeiten sind nun für immer vorbei. Sein sehnlicher Wunsch, die 65 Meter noch einmal zu übertreffen, wurde Robert Harting nicht erfüllt, trotz der Unterstützung seiner acht Mitstreiter. Bei seinem letzten Versuch, beim letzten Schrei hielten sie gemeinsam ein Plakat mit den Worten „Ein großer Sportler verlässt den Ring. Alles Gute für die Zukunft, Robert Harting“.

Deutsche Siege durch die Staffel, Röhler und Schwanitz

Auch das Istaf verliert damit einen seiner größten Stars der vergangenen Jahre. Weitere deutsche Disziplinsiege gab es in der 4x100-Meter-Staffel der Frauen, im Kugelstoßen durch Christina Schwanitz und - natürlich - im Speerwurf durch Thomas Röhler, der als einziger deutscher Europameister seinen Erfolg von der EM wiederholte.

Und Robert Harting? „Ich werde versuchen, meine Energie jetzt anders einzusetzen, so dass die Gesellschaft davon profitiert“, versprach er unter dem Jubel der Zuschauer. Wenn auch vorerst nicht im Sport: Man wird sicher weiter von ihm hören.