FC Bayern

Kovac punktet mit klarer Kante und Mitgefühl

Wie der neue Trainer den Konkurrenzkampf im „Weltklasse“-Kader des FC Bayern moderiert und damit einen perfekten Start hinlegt.

Franck Ribéry (l.) mag es gar nicht, ausgewechselt zu werden. Trainer Niko Kovac scheint aber in dem Fall die richtigen Worte gegenüber dem Franzosen zu finden

Franck Ribéry (l.) mag es gar nicht, ausgewechselt zu werden. Trainer Niko Kovac scheint aber in dem Fall die richtigen Worte gegenüber dem Franzosen zu finden

Foto: TEAM2 / imago/Team 2

München.  Das 3:0 in Stuttgart beim VfB war Bayerns Auswärtssieg Nummer 400 in der Bundesliga. Niko Kovac kann stolz sein. Er verantwortet nun 1/400 dieser Erfolge in der Fremde. Der ­Anfang ist gemacht.

Ein guter Anfang. Viertes Pflichtspiel, vierter Sieg. 12:1 Tore. So die Bilanz des neuen Bayern-Trainers in der ersten Saisonphase, die mit der nun begonnenen Länderspiel-Unterbrechung endet. Der Abo-Meister ist schon wieder Tabellenführer. Was sonst?

Der eklatant unterlegene VfB hatte keinen (!) Torschuss, Bayern nahezu 80 Prozent Ballbesitz und mit Leon ­Goretzka, Robert Lewandowski und Thomas Müller drei zielsichere Vollstrecker. „Ich würde mir wünschen, dass wir schnell davoneilen“, sagt Kovac. Um Kräfte zu schonen für den einzig wahren Wettbewerb, in dem die Bayern Konkurrenz haben: die Champions League. Die ersten zwei Monate, die Kovac nun im Amt ist, haben gezeigt, dass der Ex-Frankfurter seine ersten Prüfungen bestanden hat. Mit Note sehr gut.

Der Berliner hat auch Lewandowski hingekriegt

Erstens hat er die Transferzeit überstanden: Am 2. Juli trat der Kroate seinen Job an. Erst am Freitag hatte er Ruhe. Das Transferfenster ist zu und Jerome Boateng weiter Bayern-Profi. Ein Erfolg für Kovac, der seine Innenverteidiger Mats Hummels, Niklas Süle und eben Boateng als „Weltklasse“ preist. Er sei „froh“, sie zu haben. Boateng dann vor seiner Nase nach Paris zu verkaufen, wäre ein Affront der Bosse gewesen. Künftig werden Boateng, Hummels, Süle rotieren. Zwei spielen, einer pausiert.

Auch Robert Lewandowski ist noch da. Ein klares Verdienst von Kovac, der den wechselwilligen, im Mai beleidigten und mangels Unterstützung im Verein gekränkten Mittelstürmer in Vieraugengesprächen von einer gemeinsamen Zukunft überzeugte. Der 30-Jährige hat wieder Bock auf Bayern, auf Tore sowieso. Seine Bilanz: Vier Pflichtspiele, sechs Treffer. Das Wechsel-Theater inklusive Beraterwechsel, die Sehnsucht nach Real Madrid – alles vergessen. Da kann man schon mal, wie Kovac am Wochenende, einen fitten Ersatzmittelstürmer Sandro Wagner in München lassen. Drittens scheint er seine Flügel­diven Arjen Robben (34) und Franck Ribéry (35) gebändigt zu haben.

Härtefälle sind unvermeidbar

Beide spielen in ihrer wohl letzten Saison mit Feuereifer als wären sie Debütanten, sind aber durch Kingsley Comans schwere Verletzung bis zur Rückrunde ohne echte Konkurrenz, doch wehe, sie werden ausgewechselt wie in Stuttgart. Robben schaute böse, marschierte schnurstracks in die Kabine. Ribéry diskutierte vor der Bank mit Kovac und Sportdirektor Hasan Salihamidzic, sagte später: „Alles ok. Das war nur Spaß.“

21 Profis hat Bayern nach den Abgängen von Juan Bernat und Sebastian Rudy im Kader. Härtefälle sind unvermeidbar. Bisher muckt keiner auf. Weil Kovac seine Entscheidungen erklärt, mit viel Empathie auf die Profis zugeht. Er habe nur „Weltklasse-Spieler“, sagte er, „aber als Trainer muss ich Entscheidungen treffen.“ Er verspricht Rotation, Einsatzzeiten für alle. Was akzeptiert wird. Weil’s läuft.