BUNDESLIGA

Hertha so jung wie nie

Zum Liga-Start setzt Hertha konsequent auf den Nachwuchs. Auch die Alten sind wichtig. Und: Wie legt Hertha den „Hymnen-Streit“ bei?

Aus der Nachwuchsarbeit von Hertha BSC: Trainer-Sohn Palko Dardai (vorn) und Arne Maier beim 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg im Olympiastadion

Aus der Nachwuchsarbeit von Hertha BSC: Trainer-Sohn Palko Dardai (vorn) und Arne Maier beim 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg im Olympiastadion

Foto: imago sport / imago/Camera 4

Berlin.  Erleichterung herrscht bei Hertha BSC nach dem Auftaktsieg gegen den 1. FC Nürnberg. „1:0 ist das perfekte Resultat für den Trainer. Da kann ich bei allen die Spannung hoch halten“, sagte Trainer Pal Dardai nach dem Erfolg gegen den Bundesliga-
Aufsteiger vor 52.710 Zuschauern im Olympiastadion. Die Morgenpost erklärt die sechs wichtigsten Erkenntnisse zum Saisonstart der Berliner.

Die Jungen Beim Abpfiff lag der Schnitt der zehn Hertha-Feldspieler bei 21,6 Jahren. Rechnet man Torwart Rune Jarstein (33) mit, betrug der ­Altersschnitt 22,7 Jahre. Hertha so jung wie nie – ein Beleg für die Vereins-Philosophie, Talente auszubilden und zu Bundesliga-Spielern zu formen. Mit Arne Maier (19), Palko Dardai (19) und Dennis Jastrzembski (18) waren drei Spieler dabei, die im Mai mit Herthas A-Jugend erstmals die deutsche Meisterschaft gewonnen haben. Der Trend zur Jugend hatte sich bereits in der Startelf gezeigt: Trainer Dardai bot sieben Profis auf, die 23 Jahre und jünger waren: Niklas Stark, Karim Rekik, Ondrej Duda (alle 23), Valentino Lazaro (22), Jordan Torunarigha und Maximilian Mittelstädt (beide 21) sowie Maier. „Das war von unserer jungen Mannschaft eine ­Hammerleistung gegen einen Gegner, der mit viel Selbstvertrauen auf­getreten ist“, sagte Dardai.

Die Alten Dafür, dass aus dem hohen Aufwand tatsächlich der ersehnte Auftaktsieg wurde, sorgten zwei Routiniers. Team-Oldie Vedad Ibisevic (34) erzielte mit seinem 111. Bundesliga-Tor den einzigen Treffer des Nachmittags. Lob reichte er weiter: „Das Tor waren nur 50 Prozent des Sieges, die anderen 50 hat Rune beigesteuert.“ Rune Jarstein. Der 33-Jährige Hertha-Torwart ­parierte einen Handelfmeter des Nürnbergers Mikael Ishak (85.) und sicherte damit den ersten Hertha-Heimerfolg seit dem 14. April (2:1 gegen Köln).

Der Spielmacher Obwohl Valentino Lazaro kein Geheimnis daraus macht, eigentlich lieber in der Offensive zu spielen, überzeugte der Österreicher auf der rechten Seite. Da gab er bei Hertha-Ballbesitz eine Art verkappten Spielmacher. War der Gegner am Ball, spielte Lazaro einen Außenverteidiger. Trainer Dardai lobte, dass Lazaro ähnlich spiele wie der nach Leverkusen abgewanderte Mitchell Weiser: offensiv, dynamisch und kreativ.

Die Debütanten Nach seiner Profi-Premiere am Montag im DFB-Pokal in Braunschweig (2:1) gab Herthas Eigengewächs Dennis Jastrzembski am Sonnabend, nach 72 Minuten eingewechselt, seinen Liga-Einstand. Trotz einer raschen Gelbe Karte, die sich der 18-Jährige einhandelte, war sein Vor­gesetzter zufrieden. „Nach zwei Sprints konnte Dennis schon nicht mehr atmen“, sagte Pal Dardai, „aber das war bei meinem ersten Heimspiel auch so. Man will gleichzeitig alles ­machen. Das ist normal, das kommt mit der Zeit.“ Auch Marko Grujic (22) kam zu seinem Bundesliga-Debüt. Die Leihgabe vom FC Liverpool durfte in den letzten fünf Minuten ran. Trainer Dardai stellte dem Mittelfeldspieler aus Serbien weitere Spielzeit in ­Aussicht: „Man sieht sofort, dass ­Marko mutig ist. Er hat seine Ideen nach ­vorne durchgezogen. Den werden wir brauchen.“

Das System Nach intensivem Training spielte Hertha gegen Nürnberg in der neuen 3-4-3-Taktik. Die Umsetzung gelang bedingt. Wie beim bewährten ­4-2-3-1-System stand Hertha defensiv relativ sicher. Aber nach vorne gelang nicht so viel, es wurden relativ wenige Torchancen herausgespielt – ein Manko, das Hertha seit einigen Spielzeiten begleitet. Dardai sagte: „Die Querverschiebung der Fünfer-Kette war nicht mutig genug.“ Wir sind manchmal etwas verrutscht beim Pressing. Dann wird man unsicher und spielt lieber nach hinten als nach vorne. Da müssen wir uns verbessern.“

Die Stimmung Gespannt sein darf man, wie sich der kuriose „Hymnen-Streit“ entwickelt. Wie zu erwarten war, sorgt die Entscheidung von Herthas Geschäftsleitung, den Ablauf unmittelbar vor dem Anstoß zu verändern, für Ärger. Die Hymne „Nur nach Hause“ von Frank Zander, seit Jahren beim Einlaufen der Mannschaften gespielt, rückt neuerdings im Spielvorlauf weiter nach vorn. Stattdessen wird als Einlauflied „Dickes B“ von Seeed gespielt. „Ich war total überrascht“, sagte Zander. Im „RBB“ erklärte der Sänger: „Die Entscheidung tut ein bisschen weh. Die Fans wollen diese Hymne am Anfang haben. Die Fans werden zeigen, dass es eine falsche Entscheidung war.“ Der Protest gegen den Austausch des Einlaufliedes kommt nicht nur aus der Ostkurve, sondern zieht sich durch die gesamte Fanszene. Das Verhältnis zwischen der aktiven Fanszene und Herthas Chefetage ist seit Längerem schwierig. Eigentlich dürften Herthas Macher ein großes Interesse an einem gedeihlichen Miteinander haben. Die vergangene Saison bei Hannover 96 – der harte Kern der Fans hat die eigene Mannschaft mehrheitlich nicht unterstützt – ist ein mahnendes Beispiel ­dafür, wie es nicht laufen sollte.

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