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Das wichtigste Poloturnier des Jahres

Auf dem Maifeld steigt am Wochenende wieder die Deutsche Meisterschaft.

11.08.2012, Berlin, Poloturnier auf dem Maifeld: TV-Star Heino Ferch. Foto © nph / Schulz | Verwendung weltweit

11.08.2012, Berlin, Poloturnier auf dem Maifeld: TV-Star Heino Ferch. Foto © nph / Schulz | Verwendung weltweit

Foto: nph / Schulz / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Ein Abstecher zum Polo ist normalerweise nicht das Erste, das einem auf der Suche nach einem gemeinsamen Familienausflug in den Sinn kommt. Die Sportart gilt als elitär, als Treffpunkt der Reichen und Schönen, wo in Vip-Zelten Austern geschlürft werden und der Champagner in Strömen fließt. Austragungsorte wie Sylt tun ihr Übriges. Auch Moritz Gädeke, Organisator des Polo-Cups auf dem Maifeld, weiß natürlich um das Image seiner Sportart. Doch er lässt nichts unversucht, dieses rasante Spiel einer breiteren Masse schmackhaft zu machen.

„Bei Turnieren in Deutschland wird häufig nicht der Sport in den Vordergrund gestellt, sondern eher die Veranstaltung an sich. Wir versuchen, das anders zu machen“, betont Gädeke. Zwar darf auch beim Berliner Turnier der obligatorische Vip-Bereich nicht fehlen. Für alle anderen Besucher ist der Eintritt jedoch frei. „Wir ziehen das Ganze als Familienfest auf“, sagt Gädeke.

In diesem Jahr wird das Turnier erneut als Deutsche Meisterschaft im High Goal ausgetragen, der höchsten Spielklasse im Polo. Es ist die wichtigste Veranstaltung des Jahres. Sämtliche Topspieler sind am Start, darunter etliche Gastspieler aus Argentinien, wo Polo sogar Volkssport ist. Moritz Gädeke ist selbst auch als Spieler im Einsatz. Mit seinem „Team Carfactory“ vom ausrichtenden Preußischen Polo & Country Club Berlin-Brandenburg gilt er als Mitfavorit. Auf der Klubanlage in Phöben in der Nähe von Potsdam werden am Freitag noch die letzten Vorrundenspiele absolviert. Erst die Finalpartien finden dann am Wochenende (Sonnabend/Sonntag jeweils ab 12 Uhr) auf dem Maifeld neben dem Olympiastadion statt.

Für eine WM müsste Berlin 200 Pferde anschaffen

Moritz Gädeke war neun Jahre alt, als er durch Zufall zum Polo kam. Eigentlich hatte sein Vater das Spiel erlernen wollen und sich sogar schon ein entsprechendes Pferd gekauft. Doch dann verletzte er sich am Fuß. Also fragte er seinen Sohn, ob er es stattdessen nicht einmal ausprobieren wolle. „Die Kombination aus Pferdesportart, Ballsportart und Teamsportart ist für mich einzigartig“, sagt Gädeke.

Hierzulande stammen die meisten Spieler zwar aus dem Hamburger Raum, so auch Deutschlands bester Polospieler Thomas Winter, der mit seiner Mannschaft ebenfalls in Berlin antritt. Er ist der einzige deutsche Spieler, der jemals ein Handicap von +5 erreichte. Doch auch die Hauptstadt hat einen festen Platz in der Pologeschichte. Auf dem Maifeld war der Sport zum letzten Mal olympisch – Zehntausende Zuschauer waren damals bei den Spielen zugegen. 2016 fand auf dem Areal zudem die Europameisterschaft statt, die derart erfolgreich war, dass der Weltverband Berlin anschließend ermunterte, sich auch für die Austragung der WM zu bewerben. Allerdings müssten dafür rund 200 Pferde angeschafft werden, was momentan finanziell einfach nicht zu leisten sei, wie Moritz Gädeke erklärt. „Dafür müsste Polo zunächst noch viel populärer werden“, sagt er. Mit dem besonderen Konzept seines Turniers hat er zumindest schon einmal damit angefangen.

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