European Championships

Glasgow ist Geschichte - wie geht es 2022 weiter?

Der Erfolg der European Championships sorgt auch bei anderen Sportarten für Interesse. In vier Jahren könnten Wettbewerbe dazukommen.

Die European Championships haben vor allem Randsportarten in den Fokus gerückt.

Die European Championships haben vor allem Randsportarten in den Fokus gerückt.

Foto: getty

Glasgow. Sein Fazit hatte der Chef des deutschen Sports bereits zwei Tage vor dem Ende der ersten European Championships gefällt. „Glasgow und Berlin zeigen, dass dieses Format mit zeitgleichen Europameisterschaften in verschiedenen Sportarten ein erfolgreicher Ansatz ist. Es gab in den vergangenen zehn Tagen im Fernsehen so viel olympischen Sommersport zu sehen wie lange nicht. Nach dieser Premiere wäre es nur logisch, dass sich weitere Verbände und Sportarten für die Zukunft dem Konzept anschließen“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Tatsächlich ist aus den Sportarten, die an der Premiere der Multisport-EM mit Leichtathletik in Berlin sowie Schwimmen, Turnen, Radsport, Triathlon, Rudern und Golf in Glasgow beteiligt waren, nur Positives zu hören. Sollte es 2022 eine Neuauflage geben, woran angesichts starker Fernsehquoten und deutlich gestiegener Aufmerksamkeit für Athleten und Sponsoren niemand zweifelt, wollen die Verbände nicht nur erneut dabei sein, sondern auch ihre Besten entsenden, was in diesem Jahr aufgrund terminlicher Überschneidungen beispielsweise im Rudern nicht möglich war.

Präsident des Boxverbandes ist begeistert

Der Erfolg des Formats, insbesondere die hohe Resonanz beim Fernsehpublikum, hat selbstverständlich auch diejenigen beeindruckt, die diesmal nur Zuschauer waren. „Ich bin höchst erfreut darüber, dass die Idee so positiv aufgenommen wurde. Ich saß selbst fasziniert vor dem Fernseher und kann deshalb versprechen, dass ich alles tun werde, um unseren Sport bei einer Neuauflage einbinden zu können“, sagt Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbands (DBV). „Vor allem die deutliche Erhöhung der TV-Präsenz ist etwas, was für das Boxen wichtig wäre.“

Im September kommenden Jahres, wenn das Format in Berlin auf deutsche Meisterschaften in zehn verschiedenen Sportarten übertragen wird, werden die Boxer schon dabei sein. „Momentan ist der Turnus für Europameisterschaften zweijährlich in ungeraden Jahren. Aber das kann man schnell ändern, wenn uns das ermöglicht, mehr Aufmerksamkeit für unseren Sport zu generieren“, sagt Kyas, der das Thema in der übernächsten Woche, wenn sich Vertreter der europäischen Verbände am Rande der Junioren-WM in Budapest (Ungarn) treffen, einbringen will.

Mannschaftssportarten wären eine denkbare Option

Eine Erweiterung des Wettkampfprogramms wünschen sich die TV-Anstalten vor allem im Bereich des klassischen Teamsports, der bei der Premiere gar nicht vertreten war. „Eine Mannschaftssportart würde das Ganze zusätzlich aufwerten und sicherlich das Interesse noch einmal steigern“, sagt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Die Erfinder der Multi-EM, der Schweizer Marc Jörg und der Brite Paul Bristow, hatten schon vor der Premiere Teamsportarten angesprochen. „Aber da war es unter anderem wegen des Ligabetriebs und bestehender Medienverträge schwierig“, so Jörg.

Terminprobleme sind für den Deutschen Hockey-Bund (DHB) die vorrangige Begründung dafür, 2022 nicht Teil der Neuauflage werden zu können. „Ich be-obachte den Erfolg des Formats mit großem Interesse und glaube, dass die TV-Präsenz auch für uns eine tolle Weiterentwicklung wäre“, sagt DHB-Präsident Wolfgang Hillmann. Allerdings ließe der sehr eng getaktete internationale Wettkampfkalender eine Terminverschiebung für die kontinentalen Titelkämpfe, die alle zwei Jahre in ungeraden Jahren stattfinden, nicht zu. „Wir haben immer zwei Jahre nach Olympia unsere WM, eine Änderung dieses Turnus wäre unheimlich schwer umzusetzen, für 2022 auf keinen Fall.“

Kleinere Sportarten sollen weiter profitieren

Es habe Gespräche gegeben, Hockey im kommenden Jahr in die European Games einzubinden, die Europaspiele, die 2015 als neu geschaffener Wettbewerb in Baku (Aserbaidschan) ihre Premiere feierten und 2019 in Minsk (Weißrussland) stattfinden sollen. „Aber das wurde aus strategischen Gründen verworfen“, sagt Hillmann, der dem Format gemeinsamer Europameisterschaften deutlich mehr abgewinnen kann. „Wir hatten schon den Ansatz, uns zum Beispiel mit Rugby zusammenzutun. Ich glaube, dass das besser funktioniert als zusätzliche Wettbewerbe. Man darf das Rad nicht überdrehen“, sagt er.

Diese Befürchtung teilt auch Bob Hanning. Der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) freut sich sehr über den Erfolg des neuen Formats, eine Teilnahme seines Sports schließt er jedoch aus zwei Gründen aus. „Zum einen spielen wir unsere EM alle zwei Jahre im Winter, eine Verschiebung in den Sommer ist nicht umsetzbar. Zum anderen haben wir so viel Resonanz im Fernsehen und den Hallen, dass wir von dem Konzept der Multisport-EM nicht profitieren würden“, sagt er.

Genau darin liege auch die Gefahr einer Ausweitung des Programms. „Wenn noch mehr und vor allem die publikumsträchtigeren Sportarten hinzukämen, würde das wieder denen die Aufmerksamkeit nehmen, die jetzt davon profitieren“, sagt Hanning. „Man sollte deshalb nicht nach dem Motto ‚Gier frisst Hirn‘ alles noch größer machen, sondern das Format so lassen, wie es ist, denn so hat es Erfolg.“ Die Diskussionen, sie sind eröffnet. In vier Jahren wird man spätestens wissen, zu welchen Ergebnissen sie geführt haben.