Hamburg

Lehrstunden für die Jugend

Mit dem Berliner Rudolf Molleker und Qualifikant Daniel Masur scheiden am Rothenbaum die letzten beiden deutschen Tennisspieler aus

Hamburg. Niemand mag Gäste, die ungebeten erscheinen, sich im Wohnzimmer breit machen und mit ebenso endlosen wie langweiligen Anekdoten jegliche Stimmung killen. Jozef Kovalik allerdings konnte nur wenig dafür, dass die rund 3000 Besucher auf dem Center-Court am Rothenbaum verstummten. Rudolf Molleker, der 17 Jahre alte Berliner, der am Montag mit seinem Dreisatzsieg über Spaniens Altmeister David Ferrer (36) alle entzückt und anschließend Hamburg als sein Wohnzimmer bezeichnet hatte, hatte seinem slowakischen Achtelfinalgegner nicht nur die Tür geöffnet. Er hatte ihm auch den Sessel untergeschoben, die Hausschuhe an die Füße gesteckt und ihm artig all das serviert, was er brauchte.

4:6, 0:6 hieß es nach ernüchternden 52 Minuten, an deren Ende eins deutlich wurde: Dass die Weltkarriere, die Mol-leker von sich selbst erwartet, noch ein wenig auf sich warten lassen wird. Grundschläge, Angriffsbälle, Aufschlag – alles misslang. Immerhin machte Mut, dass der Weltranglisten-272., der mit einer Wildcard ins Hauptfeld gelangt war, seine Leistung schonungslos ana-lysierte. „Alle haben gesehen, dass es eine schlechte Performance war. Ich bin nicht ins Match reingekommen, so kann man nicht gewinnen“, sagte er.

Sein ehemaliger Cheftrainer Jan Ve-lthuis, von dem sich Molleker vor einem Monat getrennt hatte, hatte vor allem die Leistungsschwankungen des deutschen Toptalents angeprangert. Innerhalb von zwei Tagen führte der einstige U-14-Weltmeister, der in seiner Altersklasse zu den zwei besten Spielern der Welt zählt, in Hamburg nun seine Schwankungsbreite vor. „Zwischen dem Sieg gegen Ferrer und der Niederlage heute lagen Welten. Ich muss lernen, konstanter zu spielen“, gestand er. Die Suche nach einem Trainer, der ihm dies beibringt, und der vor allem dauerhaft mit den Launen des vor 14 Jahren aus der Ukraine gekommenen Spätaussiedlers umzugehen versteht, will er nun forcieren. „Es muss aber nicht schnell gehen, wichtig ist, dass es der Richtige ist. Ich hoffe, dass ich meinen Weg trotzdem gehen werde“, sagte er.

Der Weg der sieben gestarteten deutschen Profis beim wichtigsten nationalen Männertennisevent ist, da am Mittag auch der Münchner Daniel Masur (23/Nr. 349) mit 2:6, 2:6 gegen den argentinischen Weltranglistenzwölften Diego Schwartzman (25) ausschied, im Achtelfinale beendet. Letztmals stand vor drei Jahren kein Einheimischer im Viertelfinale. Damals holte Spaniens Superstar Rafael Nadal den Titel. Nun liegen die Hoffnungen von Turnierdirektor Michael Stich auf dem Österreicher Dominic Thiem (24). Der topgesetzte Weltranglistenachte muss sich heute (15 Uhr/Sky Sport News HD) gegen den Australier John Millman (29/Nr. 50) behaupten.

Wohnzimmer-Eroberer Kovalik hat es im Viertelfinale dagegen mit Thiago Monteiro (24/Nr. 146) zu tun. Den Brasi-lianer hatte er bereits in der Quali-fikation besiegt, dann rutschte Monteiro als Lucky Loser ins Hauptfeld. Glückliche Verlierer suchte man bei den Deutschen am Mittwoch vergebens