Traben

Deutsches Derby – „Jedes Mal ein Adrenalinkick“

Trab-Tausendsassa Christoph Pellander über das Deutsche Derby in Mariendorf und die Faszination seines Sports.

Flott unterwegs: Christoph Pellander als Jockey mit Montecore Mo

Flott unterwegs: Christoph Pellander als Jockey mit Montecore Mo

Foto: Jörn Lange / BM

Berlin.  Christoph Pellander (39) ist als Fahrer, Besitzer und Züchter im Trabrennsport aktiv und moderiert die Rennen auf der Trabrennbahn Mariendorf. Dort wird am Freitag das 123. Deutsche Traber-Derby eröffnet.

Herr Pellander, wer ist Ihr Favorit auf den Derby-Sieg?

Christoph Pellander: Ganz klar, Mister F Daag. Der Hengst wird vom Niederländer Paul Hagoort trainiert und hat mit dessen Landsmann Robin Bakker, der das Derby in den vergangenen drei Jahren gewinnen konnte, einen absoluten Spitzenfahrer im Sulky. Bei den Stuten sehe ich Avalon Mists ganz vorn, ebenfalls aus dem Erfolgsquartier von Hagoort. Sie hat bei der Generalprobe im Buddenbrock-Rennen die gesamte Konkurrenz klar distanziert.

Welche Berliner Pferde haben eine Chance? Der letzte Heimsieg durch Gottlieb Jauß ist mittlerweile 30 Jahre her.

Zum einen Chapter One, der Sieger des Adbell-Toddington-Rennens, zum anderen Emilion – beide ganz oder teilweise im Besitz des Mariendorfer Bahnbesitzers Ulrich Mommert. Emilion gehört vom Können her eigentlich in die Top drei, ist aber vielleicht noch zu unreif für das Derby.

Neben den Vorläufen und Finals im Deutschen Derby sowie im Stuten-Derby gibt es in der Derby-Woche noch zahlreiche andere Rennen. Was sind Ihre Höhepunkte?

Am ersten Wochenende sicherlich das Charlie-Mills-Memorial an diesem Freitag. Dort starten mit Orlando Jet und Cash Hanover die beiden vielleicht besten Traber, die wir zurzeit in Deutschland haben. Nächste Woche Donnerstag findet dann die Internationale Derby-Meisterschaft der Amateure statt, bei der ich wahrscheinlich auch selbst antrete.

Was fasziniert Sie am Trabsport?

Ich war drei oder vier, als mich mein Großvater das erste Mal im Sulky mitgenommen hat. Wenn man hinter dem Pferd sitzt und diese Kraft spürt, muss man wirklich sehr stumpf sein, wenn man danach nicht auf den Geschmack gekommen ist. Für mich ist es jedes Mal wieder ein Adrenalinkick. Anders als bei den meisten anderen Pferdesportarten sitzen wir nicht im Sattel, sondern steuern das Pferd ausschließlich mit der Leine und mit unserer Stimme. Das setzt ein unheimliches Vertrauen zwischen Fahrer und Tier voraus.

Trotzdem werden die Traber oft belächelt, weil sie nicht so rasant sind wie Galopper.

Jeder Galopper-Fan, der das behauptet, hat noch nicht hinter einem Traber gesessen. Es müsste viel mehr Kontakt zwischen Galoppern und Trabern geben. Es mag zwar eine andere Gangart sein, aber ansonsten verfolgen wir ähnliche Ziele. Es geht beiden Sportarten zurzeit nicht gut. In meinen Augen müssten sich beide Verbände längst zusammengeschlossen haben, um eine gemeinsame Strategie zu entwickeln.

Worin liegt das Hauptproblem im Trabrennsport?

Die größten Probleme gibt es an der Basis. Die kleineren Besitzer, die früher die Alltags-Rennen bestritten haben, findet man heutzutage immer weniger, genauso wie die kleinen Trainer. Deshalb gibt es deutschlandweit immer weniger Renntage, und bei denen starten die immer gleichen Pferde. Oft gewinnen in den wenigen Rennen dann die großen Besitzer, was es für die Kleinen noch schwieriger macht. Das ist eine Negativspirale. An den Rennpreisen liegt es ganz sicher nicht. Ich würde sogar behaupten, dass es durch die Zusammenarbeit mit dem französischen Wettveranstalter PMU für Besitzer selten so leicht war, Geld zu verdienen.

Was also kann man tun?

Der Dachverband ist nicht für die zentrale Vermarktung zuständig und kann das personell auch gar nicht leisten. Deshalb arbeitet jeder Rennverein für sich und denkt dabei oft nur kurzfristig. Man kann das verstehen: Der Bahn in Mariendorf geht es dank des Engagements von Ulrich Mommert und seiner Frau Karin recht gut, aber andere kämpfen ums Überleben. Wir brauchen ein Team, das die Sache strategisch angeht, am besten für Trab und Galopp gemeinsam. Ein externes Unternehmen, aber eines, das die Pferdesprache spricht und die Aktiven mit einbezieht. Alles andere hatten wir schon. Darüber hinaus brauchen wir mehr Entertainment auf der Bahn.

Als Vorbild wird im Trabrennsport häufig Schweden genannt.

Zu Recht. Der Vermarkter dort liefert fantastische, sendefähige Bilder. Warum wir diese Baustelle nicht hinbekommen, ist mir schleierhaft. Entsprechend sind die Fahrer in Schweden bekannter. In Deutschland kennt sie außerhalb der Szene kaum jemand. Selbst eine lebende Legende wie Heinz Wewering mit über 16.800 Siegen taugt hierzulande zur 500.000-Euro-Frage bei „Wer wird Millionär“.

Sie haben eine bessere Show angemahnt. In diesem Jahr waren Sie als Leiter der deutschen Delegation beim Eurovision Song Contest in Lissabon. Was kann sich der Trabrennsport vom ESC abgucken?

Es geht um die richtige Inszenierung. Und man muss die richtigen Geschichten erzählen, so wie unser deutscher Sänger Michael Schulte über seinen verstorbenen Vater. Das war eine Botschaft, die die Menschen berührt hat. Er wird übrigens auch zum Derby kommen. Sonnabend singt er die Nationalhymne und sein Lied aus Lissabon.