Schwimm-DM in Berlin

Ein Schlag ins Wasser für Marco Koch

Der Brustschwimmer darf trotz Jahresbestzeit bei der DM in Berlin nicht zu den Europameisterschaften, Bundestrainer sieht keine Chance auf Steigerung.

Marco Koch konnte über 200 Meter Brust nicht überzeugen

Marco Koch konnte über 200 Meter Brust nicht überzeugen

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Berlin.  Der Bundestrainer freute sich. Endlich durfte Henning Lambertz über diejenigen sprechen, die dann auch wirklich dabei sind bei den Schwimm-Europameisterschaften in knapp zwei Wochen in Glasgow (3. bis 9. August). Musste der 47-Jährige während der deutschen Titelkämpfe in Berlin doch ständig über einen reden, der noch nicht nominiert war. Über der Schwimmhalle im Europasportpark kreiste seit Donnerstag eine Frage: Darf Marco Koch mit zur EM?

Er darf nicht. Das entschied der Bundestrainer am späten Sonnabend. Und das obwohl Koch (28), Weltmeister von 2015 über 200 Meter Brust, auf seiner Lieblingsstrecke der deutschen Konkurrenz davon geschwommen war. Doch seine persönliche Jahresbestzeit von 2:08,97 Minuten reichte dem Darmstädter nicht, um noch ein nachträgliches EM-Ticket zu ergattern.

Der 28-Jährige erreicht geforderte Zeitmarke nicht

Zwar hatte Lambertz seinen umstrittenen Schützling zunächst dem Nominierungsausschuss des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) zur nachträglichen Berufung in den EM-Kader vorgeschlagen, gemeinsam habe man aber dann die „schwierige Entscheidung“ getroffen, Koch nicht mitzunehmen. „Das war eine sehr gute Einzelleistung, aber eben nicht in Medaillennähe“, erklärte Lambertz. Koch selbst hatte am Sonnabend nach seinem Rennen „gehofft, dass es noch etwas besser geht“ – genau wie Lambertz, der im Vorfeld eine Zeit von 2:08,50 gefordert hatte.

Dafür reichte es nicht. Mit seiner jetzigen Zeit liegt Koch eben nur auf Platz sieben der europäischen Konkurrenz. Zu wenig. Vor allem weil Lambertz davon ausgeht, dass Koch bereits in Berlin in Topform am Start war. Die Chance auf eine erneute Leistungssteigerung sieht der Trainer nicht. In den vergangenen Jahren hatte Koch aufgrund von Gewichtsproblemen immer wieder im Fokus gestanden. Dass sein Lager stets beteuerte, er sei austrainiert, konnte er mit seinen Zeiten nicht untermauern. So ist nun auch sein EM-Traum ausgeträumt. „Er ist sehr enttäuscht, weil er bis zuletzt gehofft hat, dass es reicht“, sagte der DSV-Coach.

Wellbrock unterstreicht Favoritenrolle für die EM

Jetzt hat Marco Koch stattdessen „Zeit für eine Sommerpause“, wie er bei Facebook schrieb. Lambertz hofft, dass Koch dann „die richtige Reaktion zeigt und den Weg, den er eingeschlagen hat, konsequent weitergeht“. Sorgen, dass sein Weltmeister aufhören könnte? Nein. Also genug dazu. Viel lieber widmete sich Lambertz dann nämlich denjenigen, die in Glasgow das ramponierte Image der deutschen Schwimmer wieder ein wenig aufpolieren sollen. Einer, der bei der Medaillenjagd ganz vorne dabei sein dürfte ist Florian Wellbrock. Der Bundestrainer klopfte seinem Schützling nach dessen erfolgreicher Titelverteidigung über die 1500 Meter Freistil stolz auf den Rücken. Den Abdruck, den seine Hand auf Wellbrocks Rücken hinterließ, war mindestens genauso bleibend, wie der Eindruck, den der Langstreckenschwimmer zuletzt gemacht hat.

Nicht erst der deutsche Rekord von 14:40,69 Minuten, den der 20-Jährige Anfang April aufstellte, auch sein recht einsames Rennen im Berliner Becken am Sonntag gab Anlass genug, den Magdeburger zu den Medaillenanwärtern von Glasgow zu zählen. „Er macht das ganz toll, hat uns alle weggehauen, als er deutschen Rekord geschwommen ist“, lobte Lambertz. Und in Berlin? Da hüpfte Wellbrock noch recht fidel aus dem Wasser. „Die Zeit ist okay für den Zeitpunkt, aber bei der EM will ich schneller sein“, sagte Wellbrock.

DSV-Strategie geht auf

Das Ziel hat auch Philip Heintz. Der 27-Jährige verteidigte über 200 Meter Lagen seinen Titel und war nach einem „harten Rennen“ mit seiner Zeit von 2:00,88 Minuten durchaus zufrieden. In Glasgow soll es aber etwas schneller gehen, denn „da will ich dann natürlich eine Medaille“, sagte Heintz.

So wie der Heidelberger steckten einige der EM-Nominierten mitten in der Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt. Und sie alle zeigten, dass die Strategie des DSV, das Aufgebot für die EM schon weit vor den deutschen Meisterschaften festzulegen, aufging. Bei den nationalen Titelkämpfen musste keiner mehr auf die Jagd nach Normzeiten gehen. Die Rennen waren stattdessen ein Formcheck. Die Hoffnung, dass seine Athleten ihre Kräfte bündeln können, wenn es in Glasgow darauf ankommt, hat auch Lambertz: „Unsere Top-Leute haben das ordentlich gemacht. Noch sind zwei Wochen Zeit, da ist noch Zeit zu arbeiten.“