Chicago

Götzes Neustart

Der Dortmunder hat den Frust über die verpasste WM verdaut und trifft gegen Manchester City

Chicago. Mario Götze wirkte selbst ein wenig überrascht, als er zum letzten Mal vor eine Fernseh-Kamera gebeten wurde. Borussia Dortmund hatte seine erste Partie im Rahmen des Testspiel-Turniers International Champions Cup gegen Manchester City mit 1:0 gewonnen, und weil die Organisatoren ihrer Veranstaltung möglichst viel Grandezza geben wollen, küren sie nach jeder Partie einen Spieler des Spiels. Und der hieß in diesem Fall Mario Götze.

Die entscheidende Szene dafür spielte sich im Soldier-Field-Stadion in der 28. Minute ab: Nach einem Foul an Christian Pulisic schnappte sich Götze den Ball und schoss den fälligen Elfmeter wuchtig ins Tor – der einzige und damit entscheidende Treffer des Tages.

Dass der Mittelfeldspieler dennoch keinen überglücklichen Eindruck machte, als er das Stadion verließ, dürfte zwei Gründe gehabt haben: Erstens war er abgesehen von seinem Treffer eher unauffällig geblieben gegen eine C-Elf des englischen Meisters. Und außerdem wird Götze in Zukunft wohl ohne seinen besten Kumpel im Team auskommen müssen: André Schürrle war freigestellt für Vertragsgespräche mit einem anderen Klub. „Wir haben auf seinen Positionen sehr viele Optionen und die Planungen gehen in eine andere Richtung“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc.

Seine Meinung zu all dem behielt Götze für sich. Er hatte ja tags zuvor schon gesprochen über sich und seine Situation: „Ich fühle mich sehr gut, ich hatte endlich mal eine längere Pause, die ich intensiv genutzt habe, um abzuschalten und mich auf diese Saison vorzubereiten.“

Das allerdings war maximal die halbe Wahrheit. Wären Götzes Pläne für den Sommer aufgegangen, wäre er jetzt nicht mit dem BVB auf achttägiger Marketingreise, sondern im Urlaub, um sich von der Titelverteidigung bei der WM zu erholen. Für den 18. Juli war zudem die kirchliche Trauung mit seiner Frau Ann-Kathrin angesetzt. Stattdessen ging’s nach Chicago. Bundestrainer Joachim Löw hatte den Finaltorschützen von 2014 nicht nominiert.

Der 26-Jährige sei aus allen Wolken gefallen, berichten Vertraute. Bis zuletzt hatte er auf ein WM-Ticket gehofft – trotz zwei schwieriger Spielzeiten in Dortmund, in denen er wegen gesundheitlicher Probleme zu selten sein großes Potenzial abrufen konnte. „Jeder, der schon mal für die Nationalmannschaft ­gespielt hat, möchte bei einer WM ­dabei sein“, sagt Götze.

Es folgten das WM-Aus und ein langes Schweigen – das Götze in Chicago gebrochen hat. Tiefe Einblicke in sein Seelenleben erlaubt er allerdings nicht. Götze agiert öffentlich zurückhaltend, will sich schützen. Vor oft unfairen Kritikern, aber auch vor den überbordenden Erwartungen. „Damit sollte endlich mal Schluss sein“, sagt Sportdirektor Zorc, „spätestens jetzt, da er nicht für die WM nominiert wurde. Er soll Fußball spielen, das tun, was er am besten kann. Und dann sehen wir mal, was dabei ­herauskommt.“

Ganz so einfach wird es nicht gehen: Nach zwei für seine Verhältnisse mäßigen Spielzeiten gilt es für Götze, die Karriere wieder in die richtige Richtung zu drehen. Dafür will er sich beim neuen BVB-Trainer Lucien Favre empfehlen. Er will ein entscheidender Faktor im Dortmunder Spiel sein. Und das nicht nur in Testspielen.