Berlin

Die heimliche Klub-WM

Warum 18 Top-Teams in Singapur, den USA und Europa im International Champions Cup spielen

Berlin.  Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ hat eine Liste jener 50 wertvollsten Sportklubs der Welt veröffentlicht, die mehr als 1,67 Milliarden Euro an Wert besitzen. Das Footballteam der Dallas Cowboys (4,12 Mrd.) führt das Ranking an vor Manchester United (3,52), Real Madrid (3,49) und dem FC Barcelona (3,47). Der erste Eindruck täuscht allerdings. Nur sieben Fußballteams, darunter als einziger deutscher Verein Bayern München (Platz zwölf/2,62 Mrd) , trotzen der monetären Übermacht nordamerikanischer Profi-Unternehmen aus Football (29 der 32 NFL-Teams), Basketball (8 NBA-Teams) und Baseball (6 MLB-Teams).

Potenzial für noch höhere Einnahmen im Fußball gibt es gerade in Nordamerika und in Asien. Die Topteams bemühen sich auch in diesem Sommer intensiv darum. Vor fünf Jahren wurde von der Agentur Relevant Sports, die Stephen Ross gehört, dem Milliardär und Football-Teambesitzer der Miami Dolphins, der International Champions Cup ausgerufen. Die dreiwöchige Turnierserie in der Sommervorbereitung gilt als heimliche Klub-WM, die vor allem außerhalb von Europa für mächtig Reklame und folgerichtig weitere Einnahmen sorgt. Singapur (mit dem FC Arsenal, Atlético Madrid und Paris Saint-Germain) sowie zahlreiche Spielstätten in den USA sind bis zum 11. August fest in Fußballer-Hand. Darunter das 107.601 Plätze fassende Michigan Stadium der College-Footballer mit der Partie Manchester United gegen den FC Liverpool am 28. Juli.

Borussia Dortmund testet in großen NFL-Stadien: An diesem Sonntag gegen den FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp bei den Carolina Panthers in Charlotte (22.05 Uhr, Sport1), nächsten Donnerstag gegen Benfica Lissabon bei den Pittsburgh Penguins. Auch die Partie des FC Bayern in Klagenfurt gegen Paris Saint-Germain (3:1) mit seinem neuen Trainer Thomas Tuchel gehört zur Serie. Am Donnerstag treffen die Münchener im Lincoln Financial Field des NFL-Teams Philadelphia Eagles auf Juventus Turin. Am Sonntag in einer Woche vergleichen sich die Bayern mit dem englischen Meister Manchester City im Hard Rock Stadium in Miami.

Sportlich sind die 18 Topteams, zu denen auch Real Madrid, der FC Barcelona, AC Mailand, Benfica Lissabon, Tottenham Hotspur, der FC Chelsea, Juventus Turin, der AS Rom oder Olympique Lyon gehören, nun auch noch in der Testphase unter sich – nicht nur in der Champions League des europäischen Fußballverbandes Uefa.

Der Modus: Jeder Klub bestreitet drei Spiele – wer am Ende die beste Bilanz aufweist, ist Nachfolger vom 2017er-Turniersieger FC Barcelona.

Für den erhofften PR-Effekt sollen viele Zuschauer in die Stadien pilgern. Die 27 Spiele in diesem Sommer sollen rund 1,1 Millionen Zuschauer verfolgen. Damit würde die Bestmarke des Vorjahres von 903.000 fallen.

Hauptsponsor Heineken und ­Fernsehrechte-Gelder, darunter jene des US-Sportriesen ESPN für Nordamerika sowie DAZN und Sport1 für Deutschland, spülen erhebliche Beträge in die Kassen der teilnehmenden Klubs. So schätzt Carsten Cramer, der Marketing-Chef von Borussia Dortmund, im ­„Kicker“, dass die USA-Tour dem BVB rund fünf Millionen Euro in die ­Klubkasse spülen wird.