Serie Berliner Champions

Hunderennen ohne Schlitten – und deshalb viel anstrengender

Karla Boß läuft beim Canicross mit ihrer Hündin Hexe rasend schnell durchs Gelände.

Canicross Atlehtin Karla Boß mit Hündin Hexe

Canicross Atlehtin Karla Boß mit Hündin Hexe

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin.  Wenn Karla Boß mit ihrer Mischlingshündin Hexe durch den Wald saust, erinnert das auf den ersten Blick an Schlittenhunderennen. Bloß eben ohne Schlitten. Doch die 18-Jährige hat ihr Gefährt nicht etwa vergessen. Sie betreibt Canicross – eine Sportart, bei dem ein Läufer mit seinem Hund durch eine flexible Leine verbunden ist und von seinem Vierbeiner in rasantem Tempo durchs Gelände gezogen wird. Auf sechs Beinen sind die Athleten dabei bis zu einem Drittel schneller als ohne tierische Unterstützung. Bei eingespielten Gespannen beträgt der Unterschied pro Kilometer sogar bis zu einer Minute.

Die Schlittenhundeführer würden die Canicrosser manchmal belächeln, erzählt Karla Boß. Dabei ist ihre Disziplin für den Menschen sogar anstrengender, weil man eben nicht nur auf dem Schlitten sitzt oder steht. Das Tempo, das der Hund anschlägt, muss man als Läufer erst einmal mitgehen können. Die Schritte sind dabei deutlich länger als beim normalen Laufen, „es fühlt sich fast so an, als würde man fliegen“, sagt Boß. Durch die größeren Schritte wird die Muskulatur zudem ganz anders beansprucht, weshalb selbst gut trainierte Sportler nach dem ersten Mal meistens ordentlich Muskelkater haben.

Bundesweit 1500 aktive Sportler

„Beim Canicross kann man sich nicht einfach ziehen lassen, sondern muss mit dem Tier als Team zusammenarbeiten“, sagt Karla Boß. Eine spezielle Leine dämpft den Zug des Hundes etwas ab. Die Läufer tragen am Gurt zudem den sogenannten Paniksnap, mit dem sie die Verbindung blitzschnell lösen können, falls sie einmal stolpern – so verhindern sie, dass sie hinterhergezogen werden. Mit bestimmten Kommandos gibt der Musher, wie die Hundeführer bezeichnet werden, vor, wohin sein Vierbeiner laufen soll. Sie stammen aus dem Schlittenhundesport und sind weltweit identisch: „Gee“ für rechts und „Haw“ für links, „Easy“ für langsamer und „Ahead“ für weiter geradeaus.

Der Hund könne nur so gut sein, wie er trainiert wurde, sagt Boß. Seit 2014 betreibt die junge Frau aus Moabit diese Sportart – in der Hundeschule hatte sie erstmals davon erfahren und es gleich einmal ausprobiert. „Ich hatte ursprünglich etwas für meinen Hund gesucht. Da ich selbst schon Läuferin war, war es die perfekte Kombination.“ Boß trainiert beim Verein Hauptstadt-Canicross, momentan noch der einzige Verein in der Stadt, der Canicross anbietet. Bundesweit gibt es schon über 1500 aktive Sportler, die im Verband Deutscher Schlittenhundesportvereine (VDSV) organisiert sind.

Dreimal deutsche Vizemeisterin

Auffällig viele Frauen sind unter den Mushern. „Frauen sind gegenüber dem Hund durchsetzungsfähiger. Das ist wie mit den Kindern“, erzählt Boß. Schon dreimal wurde sie mit Hexe deutsche Vizemeisterin. 2016 nahm sie an der EM teil, im vergangenen Jahr dann auch an den Weltmeisterschaften. Sie startet hauptsächlich im Canicross, gelegentlich aber auch im Bikejöring – bei dieser Variante wird der Hund vor ein Fahrrad gespannt. Auch am Iron-Dog, einem Triathlon mit Vierbeiner über bergiges Gelände, hat Boß bereits teilgenommen. „Ich mag es, wenn die Strecke anspruchsvoll ist“, sagt sie.

Die Wettbewerbe im Canicross werden meist über eine Streckenlänge zwischen fünf und sieben Kilometern ausgetragen, wobei ein Wettkampf immer aus zwei Renntagen besteht. Seltener sind Mittel- und Langdistanzrennen. Dabei sind es nicht bloß Huskys als die typischen Schlittenhunde, die für Canicross geeignet sind. Als ideal gelten vor allem Skandinavische Hounds, auch als Europäische Schlittenhunde bekannt – eine extrem lauffreudige Rasse. „Ich habe aber auch schon Läufer gesehen, die mit einem Mops oder einem Pinscher angetreten sind“, sagt Karla Boß. „Wichtig ist, dass die Beziehung zwischen Hund und Halter stimmt.“ Man könne sich deshalb für diesen Sport nicht einfach einen neuen Hund anschaffen, so wie man sich ein neues Paar Schuhe besorgt.

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