Berliner Champions

Rollkunstläuferin Luisa Scherf träumt von den World Games

Die 13-jährige Luisa Scherf ist deutsche Meisterin im Rollkunstlauf. Ihr Vorbild ist ihre Trainerin Monika Lis.

Die Berlinerin Luisa Scherf ist eine besonders begabte Tänzerin auf Rollschuhen. In ihrer Altersklasse ist sie auch schon deutsche Meisterin

Die Berlinerin Luisa Scherf ist eine besonders begabte Tänzerin auf Rollschuhen. In ihrer Altersklasse ist sie auch schon deutsche Meisterin

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin.  Bis vor ein paar Jahren musste Luisa Scherf immer erst umständlich erklären, was genau sie da macht. Die 13-Jährige betreibt Rollkunstlauf, worunter sich nur die wenigsten ihrer Klassenkameraden etwas vorstellen konnten. Dass sich die Sportart bei den Jugendlichen mittlerweile herumgesprochen hat, liegt an der argentinischen Telenovela „Soy Luna“ im Disney Channel, bei der die Hauptperson ebenfalls auf Rollschuhen unterwegs ist. „Seitdem diese Serie im Fernsehen läuft, haben wir im Verein enorm viel Zulauf bekommen“, erzählt Luisa Scherf.

Früher war Rollkunstlauf noch viel populärer, 1955 war mit Helene Kienzle sogar eine Rollkunstläuferin zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt worden. Lange konnte man Eiskunstlauf nur im Winter ausüben, so dass sich in der Vergangenheit viele Eiskunstläufer in den Sommermonaten Rollschuhe anzogen, um zu trainieren.

Scherf ist auch noch Eiskunstläuferin

Inzwischen stehen die Eishallen oft ganzjährig zur Verfügung, so dass nur noch wenige Eiskunstläufer beim Rollkunstlauf mitmischen. Andersherum kommt es häufiger zu Überschneidungen. Auch Luisa Scherf ist in beiden Sportarten aktiv. „Ich möchte beweisen, dass man beides auf hohem Niveau betreiben kann“, sagt die junge Wilmersdorferin. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn Roll- und Eiskunstlauf sind sich nur auf den ersten Blick sehr ähnlich.

Andere Technik als beim Eiskunstlauf

Die Sprünge tragen zwar dieselben Namen – Rittberger, Lutz und Axel gibt es auch auf Rollen. „Die Technik ist insgesamt aber eine ganz andere“, erklärt Scherf. So bewirken auf dem Eis die Sprungzacken am vorderen Ende der Kufe einen perfekten Abstoß, während sich dort beim Rollkunstlauf Stopper befinden. Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen beiden Sportarten bei den Pirouetten, die im Rollkunstlauf deutlich artistischer ausfallen. Es sind auch zusätzliche Varianten möglich, bei denen zum Beispiel nur auf den hinteren zwei Rollen oder nur auf den beiden Innenrollen rotiert wird. Der Fuß ist dabei stark eingeknickt, woher wohl auch der Name dieser Übung herrührt: „Broken Ankle“, also Knöchelbruch.

Ihre Trainerin Monika Lis ist zugleich ihr großes Vorbild

Mit dem Rollkunstlauf hat Luisa Scherf im Alter von vier Jahren begonnen. Drei Mal pro Woche trainiert sie inzwischen bei den Neuköllner Sportfreunden. Ihre Trainerin ist ihr großes Vorbild: Monika Lis, die 2009 bei den World Games die Bronzemedaille gewann. „Es gibt Menschen, die sind für Rollkunstlauf geboren, Luisa zählt definitiv dazu. Sie bringt alles mit, was es braucht, um in dieser Sportart erfolgreich zu sein“, sagt Monika Lis. Im vergangenen Jahr gewann Scherf in der Disziplin Solotanz den deutschen Meistertitel; zudem siegte sie in der Kür beim Interland-Cup, einem der wichtigsten europäischen Wettkämpfe in ihrer Altersklasse.

In diesem Jahr erreichte sie beim „Crystal Tulip“-Wettbewerb in den Niederlanden bei ihrem ersten internationalen Start im Solotanzen auf Anhieb Platz zwei. In Zukunft will sie sich für die Welt- und Europameisterschaften qualifizieren und irgendwann so wie einst ihre Trainerin bei den World Games an den Start gehen – den Olympischen Spielen der nicht-olympischen Sportarten.

Italiener dominieren im Rollkunstlaufen

Dort würde sie dann auch auf die Italiener treffen, die das Rollkunstlaufen international dominieren. In Deutschland stellt Berlin bei den Meisterschaften zwar immer nur wenige Teilnehmer, aber diese landen regelmäßig ganz weit vorn. Drei Disziplinen gibt es im Einzel: Beim Pflichtlaufen werden vorgegebene Figuren vorgetragen, wobei es auf eine saubere Ausführung ankommt. Dagegen können bei der Kür Sprünge, Pirouetten und Schrittfolgen beliebig kombiniert werden.

Der Solotanz ist eine besondere Variante der Kür, bei der Sprungelemente verboten und auch Pirouetten nur eingeschränkt gestattet sind. „Das ist Tanzen auf Rollschuhen und entspricht ein wenig dem Eistanz beim Eiskunstlauf“, erklärt Luisa Scherf. Sieger ist, wer die Musik am besten interpretiert. Scherf mag diese Disziplin, weil sie eine sehr ausdrucksstarke Athletin ist. „Ich liebe es, auf Rollschuhen eine Geschichte zu erzählen“, sagt sie. Den Solotanz trainiert sie allerdings nicht in Neukölln, sondern beim Weddinger Eislauf- und Rollsport-Club.

Für jede Disziplin spezielle Rollschuhe

Neben den drei Einzeldisziplinen werden auch Wettbewerbe für Paare sowie größere Formationen angeboten. Dort sind auch Hebungen erlaubt, die häufig länger und spektakulärer ausfallen als beim Eiskunstlauf, weil es durch die Rollen möglich ist, den eigenen Schwung länger zu halten oder während einer Hebung erneut Fahrt aufzunehmen.

Für jede Disziplin gibt es spezielle Rollschuhe mit jeweils unterschiedlichen Stiefeln, Gestellen, Stoppern und Rollen. Luisa Scherf hat etwa zehn verschiedene Konfigurationen parat, wobei ein gutes Paar Rollschuhe locker 1000 Euro kosten kann. Ein Schuh wiegt knapp 1,5 Kilogramm, ist also deutlich schwerer als ein Schlittschuh. Deshalb sind die besten Rollkunstläuferinnen auch nicht ganz so filigran wie ihre Kolleginnen auf dem Eis.

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