Moderner Fünfkampf

Schleu will in Berlin aus Schöneborns Schatten treten

Fünfkämpferin Schleu hat bei deutschen Meisterschaften in Berlin ein Heimspiel. Das will die 28 Jahre alte Spandauerin nutzen.

Treffsicher: Die für Spandau startende Annika Schleu

Treffsicher: Die für Spandau startende Annika Schleu

Foto: imago sport / imago/Sven Simon

Berlin.  Als Annika Schleu vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro am Abend nach dem Wettkampf ins Deutsche Haus kam, war die Stimmung eher mies. Im Modernen Fünfkampf hatte es für Lena Schöneborn, die Olympiasiegerin von 2008, dieses Mal nicht für eine Medaille gereicht. Dass Annika Schleu ihre Teamkollegin allerdings hervorragend vertreten hatte und Fünfte geworden war – nach der Disqualifikation der Chinesin Chen Qian ist sie mittlerweile sogar auf Rang vier vorgerückt –, ging dabei fast völlig unter.

Neues deutsches Aushängeschild

Es gibt wohl kaum einen Sport, der in Deutschland so sehr mit einer Person assoziiert wurde wie der Moderne Fünfkampf mit Lena Schöneborn. Mit 34 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften ist die Berlinerin die erfolgreichste Sportlerin in der Geschichte dieser Sportart. Zumindest war das so, bis sie im April ihren Rücktritt erklärte. Seitdem stehen andere Athleten im Fokus – allen voran Annika Schleu. „Jetzt müssen wir die Leistung bringen“, sagt die 28-Jährige vom TSV Spandau 1880.

Einerseits freut sie sich über die gestiegene Aufmerksamkeit. Auf der anderen Seite ist sie sich bewusst, dass sie sich nach einem schwächeren Auftritt auch nicht länger hinter Lena Schöneborn verstecken kann. „Dafür müssen wir jetzt schon selbst geradestehen“, sagt sie. Vier Mal ist Schleu mit Schöneborn Weltmeisterin in der Staffel oder im Team geworden, zudem holten beide zusammen dreimal EM-Gold. „Ich bin mit Lena zusammen gelaufen, seit ich 2010 das erste Mal im Weltcup gestartet bin. Es fühlt sich komisch an, dass sie jetzt nicht mehr dabei ist“, sagt sie.

Offizieller Abschied für Olympiasiegerin Schöneborn

An diesem Sonnabend wird Schöneborn im Rahmen der deutschen Meisterschaften im Olympiapark (ab 8 Uhr) offiziell verabschiedet. Neben der nationalen Elite haben sich für die Titelkämpfe auch einige Gaststarter angekündigt, darunter mit Samantha Murray (Großbritannien) die Olympia-Zweite von London 2012. Annika Schleu nutzt die Titelkämpfe als Formtest für die EM Mitte Juli in Ungarn.

„Organisch bin ich eigentlich in guter Verfassung, aber im Wettkampf habe ich das in dieser Saison bislang nicht zu hundert Prozent abrufen können“, sagt sie. Vor allem im Fechten war sie oft zu inkonstant. „Da bin ich zu lieb, zu zaghaft“, sagt sie. Leider bringt gerade diese Disziplin besonders viele Punkte und ist außerdem wegen der direkten Duelle die einzige Disziplin, bei der man den Gegnern Punkte aktiv wegnehmen kann. Schöneborn zählte stets zu den besten Fechterinnen. Ob Annika Schleu wirklich in ihre Fußstapfen treten kann, entscheidet sich auf der Planche.