WM-Aus

Kapitän Neuer attackiert Mitspieler: "Das war erbärmlich"

Deutschland ist bei der WM 2018 rausgeflogen - durch eine 0:2-Niederlage gegen Südkorea. Manuel Neuer kritisiert die Mannschaft.

Manuel Neuer.

Manuel Neuer.

Foto: firo

Kasan. DFB-Kapitän Manuel Neuer hat nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft seine Mitspieler heftig kritisiert. "Das war erbärmlich", meinte der Torhüter, "ich denke, dass von uns allen die Bereitschaft nicht groß genug war und dieser unbedingte Wille". Und weiter: "Spätestens in der K.o.-Phase wäre mit Sicherheit Halt für uns gewesen. Wir haben in keinem Spiel so richtig überzeugt, so dass man sagen konnte: Das ist die deutsche Mannschaft."

Deutschland hat das letzte Gruppenspiel gegen Südkorea 0:2 verloren - und fliegt nun als Gruppenletzter zurück. Noch nie schied eine deutsche Mannschaft in der Vorrunde aus. "Jeder ist traurig, dass wir diese große Chance verpasst haben", erklärte Neuer. (fs)

Die weiteren Stimmen nach dem historischen Aus:

Mats Hummels: "Das ist ganz schwierig in Worte zu fassen. Wir haben bis zum Schluss dran geglaubt. Wir haben selbst beim 0:1 daran geglaubt, das Ding zu drehen. Dass wir unsere Torchancen nicht genutzt haben, hat uns das Genick gebrochen. Wir haben uns mit dem Mexiko-Spiel in eine schwierige Situation gebracht. Wir haben einige Punkte gesehen, an denen wir ansetzen müssen. Das letzte überzeugende Spiel, das wir abgeliefert haben, war im Herbst 2017. Das ist ein bisschen lange her. Wir sind heute ab der 65. Minute wild und hektisch geworden. Da haben wir unsere Struktur verloren. Ich muss das Ding in der 86. Minute machen."

Oliver Bierhoff (zum Spiel): "In der Kabine spricht keiner mehr. Es herrscht einfach nur großer Frust und eine Riesenenttäuschung. Wir wollten mit der Zeit Südkorea müde spielen. Es hat nicht sollen sein, am Ende ist es einfach zu wenig. Dass es alle Mannschaften schwer haben, sehen wir auch bei anderen Spielen. Ich habe die Statistik gesehen: Wir haben viele Torchancen kreiert.

Bierhoff (zur Zukunft von Löw): "Jogi hat seinen Vertrag vor kurzem verlängert. Er wird sich das gut überlegt haben. Ich gehe fest davon aus, dass er weiter machen wird."

Joachim Löw (zum Spiel): "Es herrscht natürlich eine riesige Enttäuschung, eine Totenstille. Wir müssen jetzt schauen, dass wir das annehmen. Wir haben es auch nicht verdient weiterzukommen, wobei der Mannschaft heute im kämpferischen Bereich kein Vorwurf zu machen ist. Die Leichtigkeit hat gefehlt. Unser Kombinationsfluss und unsere Sicherheit waren einfach nicht vorhanden. Die letzte Konsequenz im Abschluss war nicht da. Es ist schwer, so einen großen Erfolg noch mal zu gewinnen. Das Spiel gegen Mexiko war nicht gut. Gegen Schweden und Mexiko kann man der Mannschaft keinen Vorwurf machen.

Löw (zu seiner Zukunft): "Wir alle haben verloren. Wir waren seit 2006 immer unter den besten Vier. Wir können uns dafür nur entschuldigen. Ich bin der Erste, der mich hinterfragen muss. Da muss ich mal eine Nacht drüber schlafen. Ich habe eine Verantwortung für die Mannschaft. Das ist aber zu früh für mich, um die Frage zu beantworten. Die Enttäuschung ist tief in mir drin. Da müssen wir morgen Gespräche führen.

Reinhard Grindel (über die Personalie Joachim Löw): "Ich erwarte, dass wir eine saubere Analyse bekommen. Darüber will ich nicht spekulieren. Uns war klar, dass es nach dem Turnier einen Umbruch geben. Da hat der Confed Cup schon eine Rolle gespielt. Wir haben im Präsidium gesagt, den trauen wir ihm Hinblick auf die EM 2020 und die WM 2022 zu. An dieser Meinung hat sich nichts geändert."

Sami Khedira: "Das ist einer der schwersten Momente für die Mannschaft und auch für mich persönlich. Ich bin der Erste, der Verantwortung übernimmt. Wir müssen nun auch mit den Konsequenzen leben. Es wird nun auch schlecht über uns gesprochen werden. Dafür waren die zehn Jahre vorher sensationell. Wir haben diesmal nicht die Kurve bekommen. Die Führungsspieler müssen sich an die eigene Nase packen. Das werden wir analysieren, aber mit Sicherheit nicht heute."