Basketball

Alba ist Meister der Herzen

Alba verliert das entscheidende Finalspiel in München 85:106. Trotzdem dürfen sich die Berliner als Gewinner dieser Saison fühlen.

Harter Kampf unter dem Korb - Albatros Niels Giffey kommt nicht an den Ball

Harter Kampf unter dem Korb - Albatros Niels Giffey kommt nicht an den Ball

Foto: pa

München.  Luke Sikma standen die Tränen in den Augen. Während die Spieler des FC Bayern zur Weißbierdusche ansetzten, setzte sich Albas Alleskönner am Rand des Spielfelds auf den Boden, atmete aus tiefster Seele aus und rang um Fassung. So nah war er mit den Berliner Basketballern an der Meisterschaft gewesen, und doch so weit weg. Denn im fünften und entscheidenden Spiel war Alba chancenlos. Mit 85:106 (39:58) verloren die Gäste am Sonnabend gegen den Favoriten aus München, doch Sikma sollte sich bald wieder berappeln. „Ich bin wirklich, wirklich stolz auf dieses Team“, sagte er, „wir hatten ein neues, junges Team mit einem neuen Trainer. Wir haben Fantastisches erreicht, müssen aber auch anerkennen: Die Bayern sind ein großes Team.“

Der Traum von Albas neunter Meisterschaft, er ist also geplatzt. Eine gewaltige Sensation wäre der Titelgewinn gegen die finanziell deutlich besser gestellten Bayern ohnehin gewesen, aber nach dem beeindruckenden Sieg der Berliner in Spiel vier schien zumindest in der Theorie alles möglich. In der Praxis ging am Sonnabend hingegen gar nichts für die Gäste. Die Bayern wirkten zum Ende der kräfteraubenden Finalserie nicht nur fitter, sondern auch konzentrierter und bissiger, nutzen ihre starke Physis und verteidigten dazu noch exzellent. Kurz: Sie zeigten ihre ganze Klasse. Und Alba? Hielt zwar nach Kräften dagegen, fand aber nie zu seinem Spiel. Einzig Spencer Butterfield gelang ein herausragender Auftritt. Der Scharfschütze war mit 29 Punkten bester Werfer der Partie, traf sieben seiner 13 Dreier. Zum wertvollsten Spieler der Finalserie wurde aber selbstverständlich ein Münchner gewählt. Der mit zwölf Punkten und fünf Rebounds erneut bärenstarke Danilo Barthel.

„Heute war es ganz klar eine Energiefrage“, sagte Alba-Spielmacher Joshiko Saibou, und auch ihm war die Enttäuschung deutlich anzusehen. „In ein paar Tagen denkt man vielleicht anders darüber, aber jetzt gerade ist man einfach nur leer.“

Trainer Aito Reneses hatte vor der Partie versucht, den Stressaktor zu minimieren. „So oder so ist unsere Saison sehr erfolgreich verlaufen“, hatte Spanier gesagt, „das kann in diesem Spiel, wo der Druck sehr hoch ist, ein Vorteil für uns sein.“ Nun, das war es nicht. Falls der Favorit aus München besagten Druck gespürt haben sollte, schüttelte er ihn einfach ab. Jared Cunningham versenkte selbstbewusst den ersten Wurf, die Big Men Devin Booker und Barthel zogen nach. Auf Alba-Seite trafen Marius Grigonis und Butterfield zwar ebenfalls ihre ersten Versuche, doch die Temperatur des Spiels bestimmten die Bayern. Nichts war zu sehen vom flexiblen, schnellen Passspiel der Berliner, die Angriffsbemühungen wurden von der aggressiven Verteidigung der Münchner regelrecht erstickt. Die Zahlen sprachen Bände: Nicht einen Zweipunktewurf (!) sollte Alba im ersten Viertel verwandeln – Punkte fielen nur durch mehr oder weniger waghalsige Dreier (vier) oder Freiwürfe (sieben). Das ernüchternde Resultat nach den ersten zehn Minuten: 19:32. Schon da schien das Duell nach menschlichem Ermessen entschieden.

Sogar die Bayern-Fans feiern die Gäste mit Ovationen

Und es wurde nicht besser. Die Bayern spielten sich nun fast in einen Rausch, brachten die 6.500 Zuschauer mit spektakulären Aktionen mächtig in Wallung. Den Münchnern gelang streckenweise das, was Alba in dieser Saison so oft ausgezeichnet hatte. Sie ließen das komplexe Spiel simpel aussehen, glänzten mehrfach mit spektakulären Alley-Oop-Dunkings, sodass Bayern-Präsident Uli Hoeneß seinen massigen Körper vor Begeisterung mehrfach in die Höhe stemmte. „In Hälfte eins waren sie einfach megastark“, musste Albas Kapitän Niels Giffey (13 Punkte) eingestehen. Tatsächlich wirkte der Halbzeit-Rückstand mit „nur“ 19 Punkten (39:58) fast noch schmeichelhaft.

Dass Butterfield nach dem Kabinengang mit zehn Punkten in Folge zur großen Aufholjagd blies, säte nur kurz Hoffnung. Mitte des dritten Viertels hatten die Bayern die Kontrolle über das Spiel zurückerlangt, und spätestens als es mit 25 Punkten Differenz in den Schlussabschnitt ging, war der Glaube an ein letztes Comeback pulverisiert.

Viel Anerkennung bekamen die Berliner trotzdem. Die 700 mitgereisten Fans jubelten ihren Helden dieser denkwürdigen Saison lauter zu als die Münchner Anhänger ihren Meistern. Am Ende würdigte auch der Bayern-Anhang die Gäste mit Ovationen. Trotz der bitteren Finalpleite – die Berliner durften sich als Gewinner fühlen.

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