Tennis

Federer krönt sich in Stuttgart zur Nummer eins

Nach seiner Pause ist er zurück, schafft gleich den Sprung auf Platz eins. Sonntag erwartet er ein spannendes Finale.

Roger Federer ist wieder in Form

Roger Federer ist wieder in Form

Foto: pa

Stuttgart.  Mit goldenen Luftballons in Form von Einsen feierte Tennis-Phänomen Roger Federer strahlend die Rückkehr an die Spitze der Weltrangliste. Sein Status als Nummer eins ist für ihn wichtiger als das Finale von Stuttgart. «Das ist das Nonplusultra auf der Tour. Wenn du der Beste bist, ist das ganz speziell», sagte der Rekord-Grand-Slam-Sieger. «Ich bin überglücklich, dass ich es erreicht habe. Vor allem nach so einem Super-Match.»

Dank des spannenden 6:7 (2:7), 6:2, 7:6 (7:5) am Samstag gegen den exzentrischen Australier Nick Kyrgios zog der Schweizer erstmals ins Endspiel des Rasen-Turniers von Stuttgart ein. Am Sonntag (13.00 Uhr/Sky) spielt er gegen den ehemaligen kanadischen Wimbledon-Finalisten Milos Raonic um seinen 98. ATP-Titel. Den spanischen French-Open-Sieger Rafael Nadal löst er ganz oben im Ranking ab. «Das ist unglaublich», befand Federer.

Nach dem verlorenen ersten Satz und in der dramatischen Schlussphase hatte es schon so ausgesehen, als würde der achtmalige Wimbledonsieger sein Ziel verpassen. Im Tiebreak des dritten Satzes geriet Federer nach einem grandiosen Passierball von Kyrgios schnell in Rückstand. Selbst der Topgesetzte dachte daran, im Tiebreak wieder das Nachsehen zu haben. Doch unter dem Jubel der rund 6000 Zuschauer nutzte der Publikumsliebling nach 1:51 Stunden seinen ersten Matchball, lächelte befreit und ballte die Faust.

Es war ein besonderes Duell auf dem schon abgewetzten Rasen des Center Courts. Nicht nur, weil es um die Nummer eins ging. Auf der einen Seite stand der 36 Jahre alte Publikumsliebling, der nach seiner Wettkampfpause noch nicht in Bestform ist. Auf der anderen Seite der 23-jährige Kyrgios, bei dem sich Genie und Wahnsinn, Weltklasse und Eskapaden abwechseln. «Ich bin glücklich, dass ich da irgendwie durchgekommen in. Es fühlt sich großartig an.»

Dementsprechend locker und gelöst sprach Federer anschließend über den in dieser Saison so spannenden Zweikampf mit Nadal um die Spitze der Weltrangliste. Mitte Februar hatte sich die Tennis-Ikone beim Turnier in Rotterdam erstmals seit fünf Jahren und 106 Tagen den Platz ganz vorn gesichert. Mitte Mai - mitten in seiner selbst gewählten Auszeit - spülte ihn die Weltranglisten-Arithmetik für eine Woche nach vorn. Noch immer prägen die beiden zwischenzeitlich bereits abgeschriebenen Tennis-Größen Nadal und Federer ihren Sport.

Wann Federer einmal seine Karriere beenden will, weiß er noch immer nicht. Klar ist aber, dass das Ende näher rückt, am 8. August wird der 20-fache Grand-Slam-Sieger und zweifache Zwillingsvater 37. Er werde die Entscheidung immer für seine Familie und gegen das Tennis treffen, erklärte er noch auf dem Center Court.

Am Sonntag aber will der Schweizer im dritten Anlauf erstmals das Turnier auf dem Killesberg gewinnen. Sein Final-Gegner Raonic stoppte im Halbfinale mit dem 6:4, 7:6 (7:3) den französischen Titelverteidiger Lucas Pouille. Im direkten Vergleich gegen den ehemaligen Top-Ten-Spieler Raonic führt Federer mit 10:3-Siegen. Auf Rasen musste er aber vor zwei Jahren im Halbfinale von Wimbledon eine bittere Niederlage einstecken. «Es wird sehr ähnlich zu heute. Er kann unglaublich hart servieren, er ist einer der konstantesten Aufschläger auf der Tour überhaupt», sagte Federer.