Basketball

König ohne Krone

LeBron James bleibt im NBA-Finale gegen Golden State erneut chancenlos und wird Cleveland wohl verlassen. Der Liga droht Langeweile

Der Dominanz der Golden State Warriors muss sich selbst Superstar LeBron James (kniend) beugen

Der Dominanz der Golden State Warriors muss sich selbst Superstar LeBron James (kniend) beugen

Foto: Kyle Terada / USA TODAY Sports

Cleveland.  LeBron James verabschiedete sich schnell, sehr schnell, dabei war es wahrscheinlich das letzte Mal, dass er das Trikot der Cleveland Cavaliers getragen hatte. Nur wenige Augenblicke nach der vierten und entscheidenden Niederlage in der Finalserie gegen die Golden State Warriors tauchte der „King“ der NBA in die Katakomben seiner Heim-Arena ab, ohne großes Goodbye vor den eigenen Fans, ohne sichtbare Emotionen, ernüchtert von der Chancenlosigkeit beim finalen 85:108, dem Schlusspunkt der 0:4-Serie. Und: Genauso schnell wie James in der Halle verschwand, tauchte er im Internet wieder auf – in etlichen Fotomontagen, die ihn in der Jerseys der Konkurrenz zeigten. Das Werben um den dominantesten Basketball-Profi seiner Generation, es hat bereits begonnen.

Die Konkurrenz umgarnt den „King“ bereits

Kaum ein Beobachter der nordamerikanischen Profi-Liga geht davon aus, dass James in Cleveland bleibt. Stattdessen werden Houston oder die Los Angeles Lakers als Ziel gehandelt, genauso wie die jungen Philadelphia 76ers. Deren Star-Center Joel Embiid lockte James bereits via Twitter. „Glaube an unsere Entwicklung!“, schrieb er, „finde eine neue Perspektive!“

James selbst hält sich hingegen bedeckt. „Ich habe noch keine Ahnung“, sagte er, „ich werde mich mit meiner Familie beraten.“ Was immer dabei herauskommt: Die Frage um James’ Zukunft wird die NBA den gesamten Sommer in Atem halten, dabei gäbe es noch eine größere, noch wichtigere zu klären. Die um die Zukunft einer Liga, die von der Dominanz seines besten Teams erdrückt zu werden droht.

Problemstifter Durant bleibt ein Warrior

Die Warriors feierten in Cleveland den dritten Titel in vier Jahren. 2017 gewannen sie 4:1, diesmal blieb die Finalbilanz sogar makellos – ein Kunststück, das in der NBA zuletzt vor elf Jahren glückte. Und ein Ende der Erfolgsserie ist nicht in Sicht. Der eine Superstar, Stephen Curry (30), wird wohl bis zu seinem Karriereende ein Warrior bleiben; der andere, Finals-MVP Kevin Durant (29), verkündete kurzerhand, dass er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern will.

Für Kritiker ist Durant gewissermaßen der große Problemstifter der NBA. Vor seiner Ankunft in Golden State galten die Warriors als organisch gewachsener Klub, der bei der Talentwahl ein bemerkenswertes Händchen gezeigt hatte und sich den Erfolg mit Kompetenz und Kontinuität erarbeitete. Ihr Titelgewinn 2015 verzückte die gesamte Basketball-Welt, doch seit Ausnahmekönner Durant vor zwei Jahren in Kalifornien andockte, verfügen sie über derart große Offensiv-Power, dass es fast weh tut.

Keine Einladung von Donald Trump

Die Warriors brauchen keine bissige Verteidigung, sie brauchen kein Angriffssystem – im Zweifel reicht die individuelle Klasse von Curry, Durant oder Klay Thompson, dem dritten Scharfschützen. Wer dieses Trio stoppen kann? Wohl nicht mal Dauer-Rivale James und dessen zukünftiges Team, obwohl der 33-Jährige im Finale selbst mit gebrochener Hand noch brillierte. Immerhin: Ein eklatanter Zuschauerschwund ist der NBA bislang erspart geblieben. Die Frage ist jedoch, wie lange das so bleibt.

Einen Fan hat die Liga übrigens schon vor längerer Zeit verprellt. US-Präsident Donald Trump wird den Meister erneut nicht ins Weiße Haus einladen. Allerdings nicht wegen der drohenden Langeweile in der NBA, sondern wegen politischer Statements von Curry, James und anderen Stars.