Beachvolleyball

Kira Walkenhorst bekommt auch eine Mutterrolle

Während Laura Ludwig aufs Baby wartet, startet Kira Walkenhorst ihr Comeback bei der Beachtour in Münster mit einer jungen Partnerin.

Nach neun Monaten wieder am Ball: Olympiasiegerin Kira Walkenhorst

Nach neun Monaten wieder am Ball: Olympiasiegerin Kira Walkenhorst

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Peter Weber / picture alliance / Beautiful Spo

Allen Temperatur-Rekorden zum Trotz beginnt die Beachvolleyball-Saison hierzulande erst an diesem Wochenende so richtig. Bei der wichtigsten deutschen Beachtour steht beim Auftakt in Münster neben neuem Titelsponsor (eine Krankenkasse), neuem TV-Partner (ProSieben/ran.de) und neuem Vorrundenmodus (gegen den Spieler allerdings massiv mobil machen) ein Novum besonders im Fokus: Olympiasiegerin Kira Walkenhorst (27) ist erstmals in der Abwehr im Einsatz.

Da Stammpartnerin Laura Ludwig (32) wohl noch im Juni Mutter eines Sohnes wird, hat sich Walkenhorst für einen Start mit Nachwuchstalent Leonie Körtzinger entschieden. Die 21-Jährige war vor zwei Jahren noch nachts aufgestanden, um sich das Olympiafinale anschauen zu können. Bald darauf war die Kielerin an den Hamburger Olympiastützpunkt umgezogen und lernte dort ihr Vorbild kennen (und holte sich Tipps). Da ihre vorgesehene Partnerin Julia Großner (29) nach Verlust des Kaderstatus flugs die Karriere beendete, bot sich die gemeinsame Notlösung geradezu an.

Gelenkschonendes Spiel

Körtzinger ist mit 1,89 Meter sogar fünf Zentimeter größer als Walkenhorst, doch nicht nur deswegen überlässt ihr der Champion die Blockposition. Nach Operationen an Hüfte und Schulter sowie neun Monaten Pause soll Walkenhorst („Es ging mir danach so schlecht wie nie zuvor“) dieses Jahr „in erster Linie körperliche Substanz aufbauen“, erklärte Cheftrainer Jürgen Wagner. In der Abwehrposition muss Walkenhorst weniger springen, was ihre Gelenke nach den vielen Eingriffen schonen wird.

Ziel sei eine „perfekte Vorbereitung“ auf die Jahre 2019 und 2020, wenn Ludwig zurückkehrt und das HSV-Duo im Juli 2019 am Hamburger Rothenbaum seinen Weltmeistertitel verteidigen und im August 2020 in Tokio den Olympiasieg von Rio wiederholen will. In dieser Saison sind für Walkenhorst nur ein paar Wettkämpfe auf der deutschen Tour geplant, auch um diese aufzuwerten, wie Wagner sagt, und um neue Reize zu setzen. Körtzinger sei dafür die ideale Partnerin.

„Ich wollte mal neue Eindrücke gewinnen, eine andere Perspektive entwickeln, vielseitiger werden“, sagte Walkenhorst selbst. Sie galt bisher als weltbeste Blockerin. TV-Experte Julius Brink, Olympiasieger 2012, begrüßt dennoch ihren Rollentausch: „Das ist so, als würde man beim Fußball einen Stürmer in die Viererabwehrkette stellen. Dann weiß der zwar immer noch, wie man den Ball schießt und köpft, es ist aber eine ganz andere Sichtweise auf das Spiel, ein ganz anderes Anforderungsprofil.“

Lehren mit gezügeltem Ehrgeiz

Beim Auftakt in Münster, warnt Wagner, „dürfen wir keine Wunderdinge erwarten. Das Teilnehmerfeld ist brutal stark, Leonie und Kira haben vorige Woche das erste Mal zusammen trainiert, und Kira ist noch nicht annähernd in Topverfassung. Wir bauen sie mit viel Geduld ganz behutsam auf.“ Und bei aller bekannten Leidensfähigkeit und Willensstärke wisse Walkenhorst inzwischen ja auch, ihren Ehrgeiz zu zügeln.

Körtzinger, die gerade in den Perspektivkader für Olympia 2024 berufen wurde, erhofft sich trotzdem viel. Die Psychologiestudentin sieht die Chance, „an der Seite von Kira viel zu lernen, sowohl spielerisch als auch menschlich“. Also erhält auch Walkenhorst so etwas wie eine Mutterrolle.