French Open

Zverev: Tennis-Krimi über fünf Sätze

Alexander Zverev zieht erstmals ins Achtelfinale der French Open ein, wirkte in dem Vier-Stunden-Duell aber wenig dominant.

Kleinerer Mann, großer Gegner: Damir Dzumhur machte dem Hamburger das Leben schwer

Kleinerer Mann, großer Gegner: Damir Dzumhur machte dem Hamburger das Leben schwer

Foto: Matthew Stockman / Getty Images

Paris.  Es muss schon etwas Besonderes passieren, damit Alexander Zverev senior Gefühle zeigt. Doch am Freitagnachmittag war auch der Vater und Trainer des deutschen Tennisstars kaum noch zu halten, immer wieder schrie er in den letzten Minuten mit hochrotem Kopf Kommandos auf den Pariser Center-Court. Dort kämpfte sein Sohn gegen den trickreichen Damir Dzumhur (Bosnien-Herzegowina) um den Einzug in die vierte Runde der French Open. Und manchmal auch gegen sich selbst, gegen die in den Kopf kriechenden Ängste, womöglich doch schon wieder vor der entscheidenden zweiten Grand-Slam-Woche zum Zuschauen verurteilt zu sein.

Aber nach drei Stunden und 54 Minuten Spielzeit hatte Familie Zverev schließlich Grund zum Jubeln. Der Weltranglisten-Dritte, auf dem Papier aber der erste Herausforderer von Rafael Nadal in Paris, siegte nach Abwehr eines Matchballs doch noch mit 6:2, 3:6, 4:6, 7:6 und 7:5 gegen Dzumhur und zog damit erstmals ins Achtelfinale der Offenen Französischen Meisterschaften ein.

Durchschnaufen íst angesagt

„Es war ein verrücktes Match. Ich bin einfach nur glücklich, durch zu sein“, sagte der restlos erschöpfte Hamburger. Direkt nach dem verwandelten Siegpunkt hatte Zverev nur müde die Hand in den Himmel gereckt. Schon in der zweiten Runde hatte Zverev einen 1:2-Satzrückstand gegen den Serben Dusan Lajovic wettgemacht, nun kam er nach einem 2:4-Defizit im vierten Durchgang zurück. „Ich bin eigentlich ruhig geblieben, habe mich fast immer Punkt für Punkt konzentriert“, sagte Zverev.

Zum Ende der Partie hatte auch der große Impresario Ion Tiriac auf seinem ewigen Stammplatz in der eigenen Loge Platz genommen. Tiriac sah allerdings einen anderen Zverev als zuletzt beim Madrider Masters, das der Hamburger gewann: nicht so souverän und dominant. Es war eher ein schweres Abnutzungsduell, das an die Substanz und Psyche ging. Zum verwandelten Matchball sagte Zverev hinterher in einem TV-Interview: „Es war ein Augenblick mit tiefer Erleichterung. Ich dachte nur: Es ist vorbei.“ Für den Moment. Als nächstes trifft er entweder auf den Lokalmatador Lucas Pouille oder den Russen Karen Khachanov. Die Partie wurde beim Stand von 6:3, 7:5 und 1:1 für Khachanov wegen Regens abgebrochen und auf Sonnabend verschoben.