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Lewandowski will weg: Bayern weiß Bescheid

Über seinen Berater lässt er seinen Wechselwunsch lancieren, obwohl der FC Bayern seit Wochen öffentlich klare Barrieren setzt.

Robert Lewandowski spielt seit 2014 für Bayern

Robert Lewandowski spielt seit 2014 für Bayern

Foto: pa

München.  Robert Lewandowski legt es darauf an - man hätte die Uhr danach stellen können. Nun entbrennt beim FC Bayern das Muskelspiel um einen erneuten Transferwunsch des polnischen Torjägers. "Robert fühlt, dass er eine Veränderung und eine neue Herausforderung in seiner Karriere braucht. Die Verantwortlichen des FC Bayern wissen darüber Bescheid", sagte Pini Zahavi, Lewandowskis Agent, der Sport Bild.

Den noch bis 2021 laufenden Vertrag mit den Münchnern sieht der Pole keineswegs als verbindliche Verpflichtung, was im Fußballgeschäft generell keine Überraschung mehr ist. Lewandowski äußerte sich im WM-Trainingslager seiner Nationalmannschaft ausweichend. "Das sind Dinge, um die sich mein Agent kümmert. Ich konzentriere mich auf die Vorbereitung für die WM, das ist am Wichtigsten. Ich denke an nichts anderes", sagte er.

Ob aber der Rekordmeister die Tür zu einem Wechsel öffnet, ist nun die spannende Frage. Eine Reaktion von der Säbener Straße blieb zunächst aus. "Wir werden der Fußballwelt beweisen, dass der Verein noch immer der Stärkere ist", hatte Präsident Uli Hoeneß zuletzt im kicker gesagt.

Ob dies nur eine taktische Äußerung war, um den Marktwert Lewandowskis nicht zu gefährden, oder ernst gemeint, darum wird es jetzt gehen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic waren im Übrigen im Frühjahr schon bereit, Wetten darauf anzunehmen, dass der Mittelstürmer beim FC Bayern bleibt.

Die Münchner müssen sich aber auch fragen, welchen reellen Wert die "kickende Ich-AG", wie Lewandowski medial schon betitelt wurde, für die künftige Mannschaft noch hat. Nationalspieler Niklas Süle erklärte im DFB-Trainingslager, dass Lewandowskis Standing unverändert hoch sei. "Er hat kühlen Kopf bewahrt, als es Gerüchte gab. Man kann nicht sagen, dass er mit dem Kopf woanders war. Er ist hoch angesehen und ein super Typ", betonte der Bayern-Verteidiger.

Das Schema der Vorgehensweise im Lager des 29-Jährigen ist immer das Gleiche - auch mit dem Israeli Zahavi. Erst wird sich über den ungerechten Umgang mit Lewandowski beschwert. Letztes Jahr waren es die Mitspieler, die ihm nicht genügend Tore auflegten, diesmal ist es die Kritik an seinen unzureichenden Auftritten im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid, über die lamentiert wird. Als zweiter Schritt kommt regelmäßig der Wechselwunsch trotz einer noch langfristig bestehenden Bindung, die in dem Fall erst im Dezember 2016 eingegangen worden war.

Zahavi, den Lewandowski Ende Februar anstelle seines langjährigen Beraters Cezary Kucharski engagiert hatte, ist ein Mann der großen Deals. Er wickelte schon den 222-Millionen-Transfer von Neymar zu Paris St. Germain ab. Lewandowski kooperiert mit ihm vorerst bis zum 31. August, dem Ende der Transferperiode. An einen Zufall glaubt da wohl niemand.

"Roberts Beweggründe sind nicht Geld oder ein bestimmter Klub, denn fast alle Top-Klubs hätten gerne den besten Stürmer der Welt in ihren Reihen", sagte Zahavi. Der 74-Jährige hofft bei seinem Vorstoß auf das Verständnis von Hoeneß und Rummenigge: "Jeder in der Klubführung des FC Bayern hat selbst eine große Karriere vorzuweisen. Sie sollten seine Situation verstehen."

Lewandowski wird seit geraumer Zeit immer wieder mit dem Champions-League-Sieger Real Madrid in Verbindung gebracht. Laut Sport Bild haben die Königlichen aber kein Interesse mehr, bei PSG, dem FC Chelsea und Manchester United soll es dagegen anders sein. Es könnte zu einem Tauschgeschäft kommen: Zahavi will sich um einen neuen Torjäger für die Bayern kümmern, sollten diese sich gesprächsbereit zeigen.

Aber dass der künftig von Niko Kovac trainierte deutsche Abonnementmeister am 31-jährigen Edinson Cavani aus Paris Gefallen findet, darf bezweifelt werden. Da passt ein Alvaro Morata (25/Chelsea) schon eher ins Raster. Zunächst geht es aber um die Halbwertszeit von Aussagen zu Lewandowski wie jener von Rummenigge am 9. Mai: "Es braucht sich keiner Gedanken zu machen. Er wird auch in der nächsten Saison bei Bayern München spielen."