Wasserball

Nach Schiri-Kuss sieht der Spandau-Trainer Rot

Spandaus Dedovic genießt das Wasserball-Finale gegen Hannover.

Foto: Tilo Wiedensohler / imago/Camera 4

Berlin.  Dass bei den Finalserien um die deutsche Wasserball-Meisterschaft die Wellen gern mal etwas höher schlagen, ist ja nichts Neues. Doch Szenen wie diesmal sind sogar für Peter Röhle, Urgestein und Manager der Wasserfreunde Spandau, ein Novum: „Fast mein ganzes Leben bin ich beim Wasserball. So etwas habe ich noch nie erlebt!“

Da umarmt sein Trainer Petar Kovacevic im dritten Endspiel nach dem Modus „Best of five“ am vergangenen Sonntag bei Pokalsieger Waspo Hannover wegen einer missliebigen Entscheidung nicht nur den Schiedsrichter, er drückt ihm sogar einen Kuss auf die Wange – und sieht dafür natürlich Rot. Wenig später muss sein Kollege Karsten Seehafer auf die Tribüne. Er hatte auf die Unparteiischen so lange eingeredet, bis er ausgeschlossen wurde. Aber nicht, ohne dass der schwergewichtige Seehafer auf die Knie fiel, die Hände hob und „Warum, warum“ stöhnte. Großes Kino.

Kovacevic und Seehafer sind im vierten Finale gesperrt

Ihr kleiner Filmriss hat zur Folge, dass beide an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) in der Schwimmhalle Schöneberg im vierten Spiel beim Stand von 2:1 für Hannover gesperrt sind. „Im Finale ist eben alles ein bisschen intensiver“, sagt Nikola Dedovic gelassen. Der Rückraumspieler der Wasserfreunde muss selbst eine Menge aushalten, denn er verteidigt gegen den Waspo-Star Darko Brguljan, dem eine gewisse Robustheit auch unter der Wasseroberfläche nachgesagt wird. Im dritten Endspiel jedoch blieb er ohne Torerfolg, während Dedovic vier Mal traf. Ohnehin ist er mit 13 Treffern in dieser Saison gegen Waspo so etwas wie der Schrecken der Niedersachsen.

„Er ist schnell, sehr gut als Manndecker, ehrgeizig, hat einen tollen Schuss“, lobt Röhle den 26-jährigen Serben, „dazu versteht er das Spiel, man muss ihm nicht viel erklären.“ Gute serbische Grundschule eben, eine der besten im Wasserball. Dedovic gewann mit Partizan Belgrad 2011 die Champions League, spielte später für das kroatische Topteam Primorje Rijeka, international häufig gegen Spandau. Seine Verpflichtung 2017 verlief kurios. Röhle und Kovacevic hatten sich gerade darüber unterhalten, dass es eine gute Idee wäre, mal bei Dedovic anzufragen. Doch am Tag darauf rief der Spieler selbst an und bekundete Interesse – er hatte sich gerade mit dem Wasserfreund Marin Restovic über einen möglichen Wechsel unterhalten. So kam es schnell zur Einigung.

Worüber beide Seiten heute sehr froh sind. „Berlin ist eine tolle Stadt“, sagt Dedovic, „ich fühle mich zu Hause, meine Freundin ist inzwischen auch hier. Mir macht es Spaß, dabei zu sein, dieses Wasserball-Projekt weiterzuentwickeln. Alles ist gut.“ Bis auf Hannover? Nein, im Gegenteil. „Wir haben Respekt voreinander, wir wollen gemeinsam an die Spitze Europas. Das ist doch spannend. Unsere Rivalität ist gut für den Wasserball in Deutschland.“

Auch die Härte empfindet er als normal, „jeder erwartet das von diesem Finale. Darauf haben wir die ganze Saison hingearbeitet“. Im Spiel gebe jeder alles, danach verstehe man sich wieder gut. „Wichtig ist nur, dass wir uns auf uns und unser Spiel konzentrieren.“ Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn das die Herren Kovacevic und Seehafer auch beherzigen würden.

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