Formel 1

Sogar die Piloten lästern über die große Langeweile

Es gibt viel Kritik am Saisonhöhepunkt der Formel 1 in Monte Carlo.

Lewis Hamilton schenkt Daniel Ricciardo ein

Lewis Hamilton schenkt Daniel Ricciardo ein

Foto: pa

Monte Carlo. RTL freute sich über 5,21 Millionen deutsche Zuschauer im Schnitt, das größte Ereignis der Formel 1 war dennoch ein ziemlich zähes Stück Motorsport. Lewis Hamilton raunte bei der Zieldurchfahrt ernüchtert in den Boxenfunk: „Gott sei Dank ist das vorbei“, sagte der Weltmeister im Mercedes: „Das war das langweiligste Rennen meines Lebens.“

78 Runden blieben ohne Höhepunkte, die ersten Sechs am Start waren die ersten Sechs im Ziel, und Daniel Ricciardo gewann, obwohl seinem Red Bull schon früh zwei Gänge fehlten, aber selbst langsame Autos sind in Monaco nicht zu überholen.

Ex-Champion Fernando Alonso sprach gar vom langweiligsten Rennen in der Geschichte: „Der Sport muss ein wenig über die Show nachdenken, denn so ist es einfach nur enttäuschend.“ Die britische Zeitung „Daily Mail“ sah gar die Zeit gekommen, „eine Lüge zu entlarven. Wenn Monaco Heimat des größten Rennens der Welt ist“, schrieb das Boulevardblatt, „dann sollten wir uns vors nächste Auto werfen. Für zwei betäubende Stunden wurde die romantische Vorstellung von Monaco wieder von der Realität verdrängt: Die moderne Formel 1 ist dem Fürstentum entwachsen.“

Und tatsächlich ist es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, auf den engen Straßen rund um das Hafenbecken um Positionen zu kämpfen. Wenn die aktuell sehr breiten Formel-1-Boliden mit ihrer ausgefeilten Aerodynamik das Überholen schon auf „normalen“ Rennstrecken erschweren, dann droht Monaco eben erst recht zur Prozession zu werden.

Nun zieht der legendärste Formel-1-Standort seine Faszination seit jeher aus anderen Dingen. Aus seiner Geschichte, aus dem Glamour, und vor allem daraus, dass das scheinbar Unmögliche möglich wird: Wie die Piloten mit Ausnahme von Max Verstappen millimetergenau durch das Leitplankengewirr rasen, ohne Auslaufzonen, das war, ist und bleibt atemberaubend. Auch Hamilton liebt das Ereignis Monaco, und deshalb machte der Engländer noch am Abend einen ungewöhnlichen Vorschlag. Vielleicht könne man „das Streckenlayout ändern“, sagte der Wahlmonegasse: „Ich habe zuletzt mit Fürst Albert gesprochen und ihm gesagt, dass wir die Runde vielleicht verlängern sollten. Es gibt hier noch mehr Straßen.“ Die Umsetzung ist vor 2015 leider unwahrscheinlich.

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