Rad

Aus Berlin in die Welt - Schachmann fährt ins Rampenlicht

Maximilian Schachmann ist die große deutsche Entdeckung des Giro d'Italia. Der Berliner ist ein Versprechen für die Zukunft.

Maximilian Schachmann steht oben auf dem Podest

Maximilian Schachmann steht oben auf dem Podest

Foto: pa

In der Jugend hetzte Maximilian Schachmann auf seinem Rad über Feldwege am Berliner Stadtrand und träumte von sportlichen Großtaten. Wenn der mitunter trödelnde Junge auf dem Schulweg wegen der drohenden Verspätung hart in die Pedale treten musste, keimten Gedanken an eine Zukunft als Profi-Rennfahrer.

"Er hat sich schon damals als Ziel gesetzt, die großen Rundfahrten zu bestreiten", sagte Michael Lemke, der Schachmann als Trainer beim Marzahner Radsport Club in frühen Jahren betreute, dem SID: "Seine Willensstärke war herausragend."

Jahre später haben sich die frühmorgendlichen Trainingseinheiten im Speckgürtel der Hauptstadt längst bezahlt gemacht, sein Traum vom Profisport hat sich dank Talent und harter Arbeit erfüllt. Mehr noch: Schachmann nimmt beim Giro d'Italia an seiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt teil - und ist mit dem Etappensieg bei der Bergankunft in Prato Nevoso am Donnerstag endgültig auf der ganz großen Bühne des Radsports angekommen.

"Einfach großartig", sagte Schachmann, sei der Triumph, der verdient und doch so unwirklich war. Im Alleingang hatte sich der 24-Jährige gegen die restlichen Fahrer einer Ausreißergruppe durchgesetzt und auch für den ersten deutschen Tageserfolg bei der 101. Italien-Rundfahrt gesorgt.

Schachmann, der in der Anfangsphase der Rundfahrt das Trikot des besten Jungprofis trug, ist in seiner zweiten Profisaison beim Quick-Step-Floors-Team der Durchbruch gelungen. Bereits im Frühjahr hatte er überzeugt: Schachmann fuhr bei der Katalonien-Rundfahrt im März zum ersten Tagessieg, anschließend wurde er beim Ardennenklassiker Fleche Wallonne guter Achter.

Schachmanns große Qualität ist das Zeitfahren

Zweimal wurde er Vizeweltmeister in der U23-Klasse. "Es freut mich unheimlich. Ich denke, der Sieg wird ihm sehr viel Auftrieb geben für die kommende Saison und die kommenden Jahre", sagte Tony Martin, selbst viermaliger Weltmeister im Kampf gegen die Uhr, bei Eurosport.

Die einzige Qualität Schachmanns, der für die Profikarriere auf ein Studium in Wirtschaftsingenieurwesen verzichtete, ist das Zeitfahren dabei nicht. Nicht zuletzt beim Giro lässt er zunehmend auch die Qualitäten eines guten Bergfahrers erkennen.

"Er ist ein sehr guter Rundfahrer. Das beweist er gerade", sagte auch sein früherer Coach Lemke, der stolz, aber auch wehmütig auf die gemeinsame Zeit mit dem Giro-Etappensieger zurückblickte. Er habe lustige Tage mit Schachmann erlebt. "Es war immer eine Freude, ihn vor dem Auto zu haben. Max war ein sehr gelehriger Sportler und hat nicht vergessen, wo seine Wurzeln sind", sagte er.

Diese liegen im äußersten Nordosten Berlins. Dort, wo Maximilian Schachmann auf dem Schulweg von Etappensiegen träumte.