Kanu

Bereit für den Kampf gegen Olympiasieger

Die Konkurrenz des 18-jährigen Berliner Kanuten Jacob Schopf ist groß. Doch sein Selbstvertrauen ist es auch.

Jacob Schopf darf beim Weltcup in Duisburg an diesem Wochenende und bei der EM in Belgrad zeigen, was er schon kann

Jacob Schopf darf beim Weltcup in Duisburg an diesem Wochenende und bei der EM in Belgrad zeigen, was er schon kann

Foto: imago sport / imago/Camera 4

Ein bisschen mehr hätte sich herausholen lassen, dieses Gefühl begleitet Jacob Schopf in diesen Tagen. Nur ein bisschen mehr Konzentration wäre dafür nötig gewesen, mehr Zeit mit Büchern und Aufzeichnungen hätte er dazu verbringen müssen. Doch die fehlte dem 18-Jährigen einfach in den vergangenen Wochen. So ist es halt, wenn gleich zwei grundlegende Dinge das Leben bestimmen. Wenn neben den Abiturprüfungen auch der Sport alle Kraft beansprucht.

Schopf befindet sich gerade in einer Phase des Übergangs, auf zwei Ebenen. Er ist im Begriff, die Schule hinter sich zu lassen, endgültig erwachsen zu werden. Und er sucht den Anschluss an die Elite der Rennkanuten. „Teilweise habe ich die Doppelbelastung schon gemerkt, aber ich habe das ganz gut hinbekommen“, erzählt er. Mit den Klausuren ist er soweit zufrieden, obwohl vielleicht mehr drin gewesen wäre. Sportlich liegt er dafür sogar über den Erwartungen. In seiner ersten Saison an der Seite der Stars der Szene eroberte er sich sofort einen Startplatz im Weltcup und darf am Freitag in Duisburg seine Premiere erleben.

Bemerkenswert, wie der Neuling auftritt unter all den Arrivierten. „Anfang des Jahres habe ich mir da keine wirklichen Ziele gesteckt“, sagt Schopf. Zu schwer vorhersehbar ist es, wie der Wechsel von den Junioren zu den Großen verläuft. Vorher tritt man nur gegen Gleichaltrige an, plötzlich muss man mit Olympiasiegern mithalten. „Viele schaffen das nicht. Es ist eher selten, dass man direkt in die A-Mannschaft kommt“, so der Kanute vom Köpenicker Kanusportclub. Mit seinen Leistungen bei den nationalen Ranglistenrennen machte er den Trainern die Entscheidung nicht schwer, ihn sofort für höhere Aufgaben zu berücksichtigen. Auf der Mittelstrecke wurde er Zweiter, ließ etwa die hoch dekorierten Max Hoff (Essen) und Marcus Groß (Berlin) hinter sich.

Mit Groß trainiert er öfter zusammen. „Marcus ist ein guter Kumpel, ich war schon zum Grillen bei ihm zu Hause“, sagt Schopf. Auf dem Wasser sind die beiden aber auch Konkurrenten. Hoff und Groß paddeln gemeinsam im Zweierkajak über 1000 Meter in Duisburg. Über dieselbe Distanz tritt Schopf mit dem Potsdamer Tamas Gecsö an. „Das ist ein kleines Stechen“, sagt Schopf. Aus vorher sechs Leuten waren diese vier ausgewählt worden, um beim Weltcup zu fahren. Sogar sein Einsatz bei der EM in Belgrad in zwei Wochen ist schon sicher. Nur in welchem Boot, das weiß er noch nicht, darüber entscheidet das Ergebnis von Duisburg mit.

Dreimal wurde er schon Weltmeister bei den Junioren

Wichtig ist für den jungen Berliner bei diesen ersten Wettkämpfen bei den Erwachsenen vor allem, sich in die Mannschaft zu integrieren und „mich gut zu verkaufen“. Das Selbstvertrauen, das mit drei Weltmeistertiteln bei den Junioren eine gute Basis aufweist, ist in den vergangenen Wochen gewachsen. „Die WM dürfte auch drin sein“, sagt Jacob Schopf, der als großes Talent gilt und diesem Ruf bislang gerecht wird. Wenn ohne die Doppelbelastung mit der Schule noch mehr Zeit für das Training bleibt, erscheinen seine Ziele ohne Zweifel realistisch.