Wasserball

Waspo-Mäzen Seehafer will Rekordmeister Spandau stürzen

Der Millionär Karsten Seehafer erklärt im Interview, warum er viel Geld in den Sport steckt.

Spandau, hier Marko Stamm (9), hat in dieser Saison eine Rechnung offen mit  Waspo Hannover und  Aleksander Radovic

Spandau, hier Marko Stamm (9), hat in dieser Saison eine Rechnung offen mit Waspo Hannover und Aleksander Radovic

Foto: Tilo Wiedensohler / imago/Camera 4

Berlin. An diesem Mittwoch (19.30 Uhr/Schwimmsporthalle Schöneberg) beginnt die Finalserie um die deutsche Meisterschaft im Wasserball nach dem Modus „Best of five“. Rekordmeister Wasserfreunde Spandau empfängt dabei den Herausforderer Waspo Hannover. Der hat in dieser Saison schon den Pokal gewonnen durch ein 12:8 gegen Spandau und den Berlinern obendrein Platz eins in der Bundesliga abgeluchst. Möglich macht das Trainer und Mäzen – welch eine Konstellation – Karsten Seehafer (48), der als Spieler 1993 beim letzten Meistertitel von Waspo dabei war. Ein Gespräch mit dem Chef der Hanomag Lohnhärterei in Hannover.

Herr Seehafer, sind Sie verrückt?

Karsten Seehafer: Wie kommen Sie darauf? Im positiven Sinne vielleicht.

Hagen Stamm, der Präsident der Wasserfreunde Spandau, sagt, der Wasserball brauche mehr solche Verrückte wie Sie.

Sagen wir doch lieber, wir sind verliebt in den Sport. Wasserball ist eine so schöne Sportart, da darf man gern ein bisschen verrückt sein.

Macht es Ihnen Spaß, so viel Geld für den Wasserball auszugeben?

Mir macht Gestalten Spaß, beruflich wie im Sport. Das kostet auch Geld. Da folge ich gern Hagen Stamm, es bräuchte ein paar Verrückte mehr.

Was haben Sie vor? Sie haben den Berlinern den Pokalsieg weggeschnappt, veranstalten 2019 und 2021 das Final 8 der Champions League – das klingt, als wollten Sie die Spandauer auf allen Ebenen verdrängen.

Berlin ist zwar die deutsche Hauptstadt, aber zu wichtig müssen sich die Spandauer auch nicht nehmen. Wenn wir sportlich erfolgreich sein wollen, geht das im Wasserball nur, wenn man Spandau schlägt. Wir wollen nicht immer Zweiter werden.

Wie viel Geld braucht man, um deutscher Meister zu werden?

Man kann eine deutsche Meisterschaft nicht zusammenkaufen. Ich glaube, Spandau und Hannover haben sehr ähnliche Etats. Das, was Hagen von uns behauptet, den Etat hätten wir gern...

...er spricht von einer Million Euro, Sie von einer halben ...

Es liegt irgendwo dazwischen. So viel braucht man auch, um Champions League spielen zu können. Das ist aber nur die Basis, es bleibt immer noch viel harte Arbeit. Dem deutschen Wasserball täte es gut, wenn ein paar Vereine nachziehen würden.

Und was hat es Sie gekostet, vom europäischen Dachverband LEN das Final 8 zu bekommen?

500.000 Euro kostet so ein Turnier. Man muss dann eben versuchen, über Werbung und andere Einnahmen möglichst viel davon wieder hereinzubekommen.

Wasserball in Deutschland ist durch Sie interessanter geworden. Aber wie lange halten Sie das durch?

Die gleiche Frage ist doch, wie lange hält Hagen Stamm das durch. Oder wie lange beim Fußball Uli Hoeneß. Wie lange hat man Lust daran, die Familie muss ja mitziehen. Bei uns ist das so: Meine Kinder kommen jetzt in ein Alter, wo sie schwimmen. Von daher dreht sich vieles bei uns um diesen Sport. Andere gehen in die Kirche oder in Museen. Wir gehen in Schwimmhallen.

In der Hauptstadt wirft man Ihnen gern mal vor, Sie würden vor allem auf Akteure aus dem Ostblock setzen. Vor dieser Saison kamen die deutschen Nationalspieler Julian Real und Moritz Schenkel aus Duisburg. Eine veränderte Philosophie? Wie haben Sie die überzeugt?

Wir haben unsere Philosophie nicht verändert. Wir suchen Spieler, die zu uns passen. Es dauert, bis man eine gute Mannschaft hat. Grundsätzlich mussten wir ja erst mal schauen, welche Spieler zu uns kommen wollten. Da gab es schon vorher welche wie die Berliner Roger Kong, Andreas Schlotterbeck oder Eric Bukowski, die wir geködert haben mit der Möglichkeit, Sport und Beruf zu verbinden. Aber viele deutsche Spieler haben nicht geglaubt, dass wir das durchhalten und Ernst machen. Dann sind ausländische Spieler gekommen – wenn man Champions League spielen will, braucht man die. Aber schauen Sie sich den Spandauer Kader an: Da sind nicht mehr viele gebürtige Berliner dabei. Auch das ist eine multikulturelle Mannschaft. Wir spielen international und haben ein europäisches Team. Wie viele deutsche Spieler stehen denn noch bei Bayern München oder Borussia Dortmund in der Anfangsformation? Darum geht es auf Vereinsebene nicht mehr. Julian Real ist eben gekommen, weil er bei uns den Sport mit dem Studium verbinden kann. Moritz Schenkel will einfach guten Wasserball spielen.

Die Berliner werfen Ihnen außerdem vor, Sie würden versuchen, deren Spieler abzuwerben wie zuletzt Lucas Gielen. Wahr oder gelogen?

Das ist so, klar. Lucas ist ein toller Spieler. Wir haben ihm ein Angebot gemacht, aber das Spandauer Angebot war einfach größer. Hagen hat mehr Geld als ich (lacht).

Wer wird deutscher Meister?

Das ist wirklich schwer zu beantworten. Wir wollen das natürlich. Aber wir sehen uns nicht in der Favoritenrolle. Spandau hat in Europa tolle Spiele geliefert und ist verdient im Final 8. Wir haben Supercup und deutschen Pokal gewonnen. Beide hatten ihre Sternstunden bisher und ihre Schwächen. Es kommt also darauf an, wer in den nächsten zehn Tagen den Kopf auf dem Hals trägt. Das ist eine Kopf- und Emotionssache. Wer am Ende dreimal gewonnen hat, ist verdient deutscher Meister.