Tennis

Mental-Tipps von Becker helfen Molleker zum Sieg

Der gebürtige Oranienburger Rudi Molleker gewann mit 17 sein erstes Challenger-Turnier - auch dank der Tennis-Legende.

Rudi Molleker gilt als riesiges Talent und gewann nun sein erstes Challenger-Turnier

Rudi Molleker gilt als riesiges Talent und gewann nun sein erstes Challenger-Turnier

Foto: Juergen Hasenkopf / imago/Hasenkopf

Heilbronn. Beim Münchner ATP-Turnier hatte Rudi Molleker jüngst zwei aufregende Erlebnisse. Zu Beginn der Tennisfestivitäten hatte Alexander Zverev den jungen Oranienburger zu einem Sparringsprogramm eingeladen, eine Stunde ging es „hart und anstrengend zur Sache“, sagt Molleker. Doch ein weiterer Höhepunkt folgte noch: Zum Lehrgang der besten deutschen Junioren stieß auch ein gewisser Boris Becker hinzu. Becker habe ihm den ein oder anderen technischen Kniff verraten, so Molleker, aber das Wichtigste sei der Austausch über die „mentale Seite“ gewesen: „Es war eine großartige Erfahrung“, sagt Molleker, „wenn er spricht, vergisst du alles um dich herum.“

Molleker ist 17 Jahre und sechs Monate alt, also nur etwas jünger als Becker, als der in Wimbledon zu seinem historischen Triumph stürmte vor fast 33 Jahren. Aber die Zeiten dieser jugendlichen Himmelsstürmer sind vorbei im Welttennis, Karrieren haben heute einen ganz anderen Zeithorizont. Molleker, der draufgängerische Teenager, hat also noch gebührend Zeit, um seine Talente zur Entfaltung zu bringen.

Molleker ist ehrgeizig

Er will nicht übermäßig lange warten, und dass er schon in seinem Alter und in diesem Stadium seiner Karriere zu Außergewöhnlichem in der Lage ist, zeigte er am Wochenende beim Neckar Cup, einem Challenger-Turnier in Heilbronn: Die Organisatoren gaben ihm eine Wild Card, um erstmals bei einem Wettbewerb dieser Kategorie mitzumischen. Und was tat Molleker? Er reihte Sieg an Sieg, und im Finale schlug er schließlich mit dem Tschechen Jiri Vesely einen ausgebufften Top-100-Crack. „Unwirklich“ sei das alles, sagte Molleker, „das ist bisher der beste Moment meiner Karriere.“ Und dann schickte Molleker noch einen Dank an Protege Boris Becker: „Es hat mir unheimlich geholfen, mit ihm zu reden. Ich war bei diesem Sieg so stark wie nie zuvor in den kritischen Momenten.“

Dem Talent fehlt noch Kontinuität

Das war in der Tat Mollekers bisheriger Malus: Er brachte sein Potenzial bislang launisch auf den Platz, schwankte zwischen erstklassigen und dann wieder mittelmäßigen Leistungen. Vieles davon hatte auch mit dem Erwartungsdruck von außen, aber auch von Molleker selbst zu tun, immerhin gilt der junge Kerl aus Brandenburg schon seit vielen Jahren als das „next big thing“. Ein Film, den der RBB vor einiger Zeit über Molleker anfertigte, trug den Titel „Von Oranienburg nach Wimbledon“, Molleker konnte natürlich nichts für den Titel, litt aber ein wenig unter dem Hintergrundgeräusch, das sich darin ausdrückte: Als Erbe Beckers zu gelten.

Gemeinsam mit Nicola Kuhn gewann Molleker 2014 die U14-Weltmeisterschaft, auch Kuhn wird sehr hoch gehandelt, er spielt aber mittlerweile für Spanien. Molleker ist nun der Spieler, auf dem die deutschen Hoffnungen für die Generation nach Alexander Zverev ruhen, ein verrückter Gedanke irgendwie, da Zverev auch gerade erst so richtig loslegt. Aber die Branche, schnelllebig, wie sie ist, braucht ständig neue neue Projektionen für die Zukunft. Störungsfrei ging Mollekers Entwicklung keineswegs voran in den Juniorenjahren, er war oft, zu oft verletzt. Er kam auch nicht mit jedem Trainer zurecht, auch mit Daviscup-Chef Michael Kohlmann, der ihn vorübergehend betreute, stimmte die Chemie nicht. Deswegen verließ Molleker auch rasch wieder den DTB-Stützpunkt in Oberhaching. Nun trainiert er mit dem Verbandscoach Jan Velthuis im Leistungszentrum Hannover, es scheint wesentlich besser zu funktionieren.

Molleker spielte zuletzt oft Future-Turniere, um sich auf diesem dritten Level ans Erwachsenen-Tennis zu gewöhnen. Nun gewann er sogar einen Wettbewerb der Challenger-Ebene, bei dem einem schon großes Durchsetzungsvermögen abverlangt wird. In Paris, bei den French Open, tritt der 17-jährige aber bei den Junioren an, durchaus mit Titelchancen.