Rennen in Berlin

Formel-E-Fahrer Abt: „Siegen macht süchtig“

Viele deutsche Firmen engagieren sich in der Formel E, aber auch die deutschen Piloten gewinnen an Bedeutung.

Audi-Werksfahrer Daniel Abt hat von den vier deutschen Startern in der Formel E wohl die größten Siegchancen

Audi-Werksfahrer Daniel Abt hat von den vier deutschen Startern in der Formel E wohl die größten Siegchancen

Foto: MAX ROSSI / REUTERS

Berlin.  Für Daniel Abt hat das Formel-E-Rennen in Berlin gleich mit einem Unfall begonnen. Allerdings war es nicht sein Rennwagen, den der Audi-Werksfahrer zu Schrott fuhr. Stattdessen hatte Abt bei der Veranstaltung eines Sponsors versucht, im Simulator ein Flugzeug auf dem Flughafen Tempelhof zu landen und dabei prompt eine Bruchlandung hingelegt.

Wenn auf dem ehemaligen Flugfeld am Sonnabend (18 Uhr, ARD und Eurosport) das Rennen mit den bis zu 280 Sachen schnellen Elektroboldiden gestartet wird, soll es für Abt und die anderen deutschen Fahrer besser laufen. In diesem Jahr sind es so viele wie nie zuvor. „Wir haben jetzt vier starke Fahrer“, sagt Maro Engel vom Venturi-Team, „außerdem sind alle großen deutschen Hersteller entweder schon jetzt in der Serie vertreten oder werden es bald sein. Eigentlich sind damit alle Zutaten vorhanden, damit die Formel E in Deutschland richtig durchstartet.“

Beim vergangenen Rennen in Paris landeten gleich drei Deutsche unter den besten Sieben. Zuvor war Daniel Abt in Rom der erste Sieg eines deutschen Fahrers gelungen. „Das war ein ganz besonderer Moment für mich“, sagt er. Bereits beim Auftakt in Hongkong war der 25-Jährige als Erster ins Ziel gefahren, doch nachdem die Rennkommissare Unregelmäßigkeiten an seinem Fahrzeug festgestellt hatten, wurde er nachträglich disqualifiziert. Dafür will er nun in Berlin wieder gewinnen. „Das Problem ist: Siegen macht süchtig. Wenn man einmal erlebt hat, wie es sich anfühlt, wird man danach schon ein wenig nervös, wenn man zwei oder drei Rennen nicht vorne liegt.“

Diese Erfahrung musste kürzlich auch Nick Heidfeld machen, der als früherer Formel-1-Pilot das bekannteste Gesicht der Formel E ist. Als einziger deutscher Fahrer schwächelte Heidfeld und verpasste fünf Mal nacheinander die Punkteränge. Das Rennen vor heimischem Publikum kommt ihm daher gerade recht. „Ich sehe es opportunistisch und schaue gar nicht auf die letzten Rennen, sondern auf das letzte Mal, als ich in Berlin gefahren bin. Da lief es besser“, sagt der 41-Jährige, der für das Mahindra-Team fährt und im vergangenen Jahr hier auf Rang drei landete.

Spitzenreiter in der WM-Wertung ist Jean-Éric Vergne (Frankreich/147 Punkte) vom chinesischen Rennstall Techeetah, der seinen Vorsprung auf den Briten Sam Bird (DS Virgin/116) mit einem Sieg in Paris ausbauen konnte. Für Techeetah fährt auch der Deutsche André Lotterer, der nach einem Crash in Paris allerdings in Berlin um zehn Startplätze strafversetzt wird. Noch vor ein paar Jahren hätte sich der dreimalige Sieger des 24-Stunden-Rennens von Le Mans nicht vorstellen können, einmal in einem Formel-E-Cockpit zu sitzen. Damals hatte er die Elektroserie mit den Worten abgelehnt, dass er sie für zu „politisch“ und für eine „Philosophie“ halte. Jetzt sagt er: „Fahrerisch ist die Formel E eine riesige Herausforderung. Es gibt viele Topfahrer und die Autos werden immer schneller. Die Serie hat sich etabliert und ihren Platz im Motorsport gefunden.“

Dass dieser Platz in den Innenstädten ist, wo die Formel E dank ihrer leisen Elektromotoren fahren darf, kommt Lotterer entgegen. Als er mit dem Motorsport anfing, habe er Mädels zum Rennen einladen wollen, doch den meisten wären die Rennstrecken zu weit weg gewesen, erzählt er. „Aber jetzt sind wir mitten in der Stadt und es ist viel einfacher.“

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