Rocky gegen Abraham

"Er soll nicht weiter die Leute verarschen"

Ex-Weltmeister Abraham hat sich zu einem umstrittenen Punktsieg gegen den Dänen Nielsen gequält - zu wenig für die Experten.

Der Däne Nielsen trifft Abraham hart

Der Däne Nielsen trifft Abraham hart

Foto: pa

Offenburg.  Es war 1.00 Uhr am Sonntagmorgen. Der ziemlich verbeulte Arthur Abraham hatte sich gerade mit einem utopisch erscheinenden WM-Traum in Richtung Bett verabschiedet, da schlenderten sein Trainer Ulli Wegner und Graciano Rocchigiani gemeinsam über den Parkplatz der Offenburger Baden-Arena. Erstaunlich freundschaftlich ging es dabei zu, obwohl "Rocky" kurz zuvor ein vernichtendes Urteil über den Wegner-Schützling gefällt hatte.

"Das mach keinen Spaß mehr. Das hat mit Boxen nichts mehr zu tun. Arthur hat den Kampf klar verloren. Das Urteil ist nicht vertretbar. Das kotzt mich an", kommentierte der frühere Weltmeister Rocchigiani in seiner Rolle als TV-Experte für Sport1 mit markigen Worten den umstrittenen Punktsieg des anderen Ex-Champions gegen den Dänen Patrick Nielsen: "Da ist nichts mehr bei Arthur. Das ist ja auch nicht schlimm. Aber das soll er auch mal sagen und nicht weiter die Leute verarschen."

Auch Regina Halmich will Abraham in Rente schicken

Verschaukelt fühlte sich vor allem Nielsen, der mit 1:2-Punktrichterstimmen den Fight im Supermittelgewicht um den "International Title" des Verbandes WBO gegen Abraham verloren hatte. Tatsächlich waren die beiden deutlichen 116:111-Wertungen für den 38 Jahre alten Berliner mit armenischer Herkunft nicht nachvollziehbar.

Und genau deshalb riet Ex-Weltmeisterin Regina Halmich ihrem Freund Abraham, endlich in Rente zu gehen. "Soll er sich das wirklich antun und gegen einen der starken Weltmeister antreten? Ich würde es an seiner Stelle nicht tun", sagte Halmich: "Ich glaube nicht, dass er da mithalten kann."

Dass der einst als "König Arthur" gefeierte Abraham (47 Siege, 6 Niederlagen) mittlerweile weit über seinem Zenit ist, wurde am Samstag in der bei weitem nicht ausverkauften Halle in der badischen Provinz erneut deutlich. Doch Abraham, der seinen WBO-Gürtel im Jahr 2016 verloren hat und seitdem nicht mehr überzeugen konnte, will dennoch nicht aufhören.

"Ich möchte so schnell wie möglich um eine WM boxen - egal gegen wen. Dann den Titel zwei- oder dreimal verteidigen und mich anschließend ganz entspannt verabschieden", schilderte der in die Jahre gekommene Fighter seine Pläne: "Für eine WM war es diesmal noch nicht das, was es braucht. Da muss es besser werden."

Auch sein Trainer hegt Zweifel

Doch selbst Wegner hegt Zweifel daran, dass es nochmal besser wird. "Der Kampf war ein enges Ding. Ob das Niveau so spannend war, lasse ich mal dahingestellt. Arthur hat nach wie vor Qualität. Aber er zeigt sie nicht", äußerte der Kult-Trainer, der am Donnerstag 76 Jahre alt wurde: "Wenn er noch einmal um eine WM boxen will, muss er sehr hart arbeiten. Ich denke, er ist klug genug, dies zu erkennen."

Klug agierte in jedem Fall Nisse Sauerland. Der Promoter hielt sich alle Optionen offen - auch den von Nielsen geforderten und von Abraham zugesagten Rückkampf in Kopenhagen. "Wenn es Druck in Richtung eines Rückkampfs gibt, werden wir das machen", sagte Sauerland, der auch den deutschen Weltmeister Tyron Zeuge als Gegner ins Gespräch brachte: "Die ersten fünf, sechs Runden waren nicht so gut. Aber das Ende des Kampfes war okay für eine WM."

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