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Handball-Wunder der Füchse

Im Rückspiel des Viertelfinales um den EHF-Pokal machen die Berliner einen Acht-Tore-Rückstand wett und erreichen das Final Four

Steffen Fäth im Anflug: Der Spieler von den Füchsen Berlin überspringt die Abwehr der Kroaten von RK Nexe Nasice

Steffen Fäth im Anflug: Der Spieler von den Füchsen Berlin überspringt die Abwehr der Kroaten von RK Nexe Nasice

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin.  Bjarki Elisson hatte seine kleine Tochter auf dem Arm, Drago Vukovic sein Söhnchen. Die Kinder sollten bei der Ehrenrunde in der Schmeling-Halle teilhaben an dem besonderen Moment, an der Dankbarkeit der Fans für die Energieleistung ihrer Väter von den Füchsen Berlin. 25:16 (14:9) hatten sie das Viertelfinal-Rückspiel um den EHF-Pokal gegen RK Nexe Nasice gewonnen und damit ein kleines Handball-Wunder vollbracht. Das Hinspiel in Kroatien ging noch 20:28 verloren. Nun darf die Mannschaft von Trainer Velimir Petkovic am 19. und 20. Mai in Magdeburg am Final Four teilnehmen – das erklärte Ziel der Berliner.

„Wir haben Moral und Charakter gezeigt“, lobte der Coach sein Team und meinte nicht nur das gesamte Spiel, sondern besonders die zweite Hälfte. Anfangs schien vor 5000 Zuschauern mit den Rückkehrern Mattias Zachrisson und (überraschend) Paul Drux nach seiner Knöchelverletzung alles wie am Schnürchen zu laufen. ­Bereits in der 22. Minute stand es 11:4 für die Gastgeber. Nexe wirkte beeindruckt von der lauten Kulisse und der zupackenden Deckung der Füchse, die diesmal hochkonzentriert und mit etwas mehr Personal die Aufgabe angingen.

Fabian Wiede erzielt sieben Tore

„Es war unser Plan, schnell hoch zu führen und dann den Vorsprung zu verteidigen“, sagte Fabian Wiede. Der Linkshänder war nicht nur wegen seiner sieben Tore Dreh- und Angelpunkt bei den Berlinern. „Aber dann sind wir schlecht in die zweite Halbzeit gekommen. Zum Glück haben wir wieder zu unserem Spiel gefunden.“

Die Kroaten legten nach der Pause, begünstigt durch viele Siebenmeter, ihren Respekt ab. „Es war ein bisschen wie im Hinspiel“, sagte Petkovic, „ihr Torhüter Kristian Pilipovic hat uns wieder Probleme bereitet.“ Die Partie wurde hektischer, emotionaler, die Zahl der Zeitstrafen nahm zu. Daraus und aus der Unterstützung der Fans schlugen die Berliner Kapital. Von 14:12 in der 37. Minute wuchs ihr Vorsprung auf 23:14 (54.), damit war das erste Spiel mehr als wettgemacht. Nun lagen die Nerven bei einigen Kroaten blank, die dänischen Schiedsrichter verteilten sogar Zeitstrafen für Schauspielerei, die Füchse hielten weiter Kurs.

Final Four am 19./20. Mai in Magedeburg

Gewiss half es der Mannschaft, dass mit Drux und Zachrisson zwei Stammkräfte wieder dabei waren, natürlich der Heimvorteil. Aber auch die Einstellung war deutlich besser als vor einer Woche. „Wir sind eine starke Mannschaft und haben es schon oft geschafft, in der zweiten Halbzeit ein Spiel noch zu drehen“, sagte Torwart Petr Stochl. „Wir arbeiten immer zusammen, auch wenn man sagen muss: Fabian Wiede hat heute überragend gespielt.“ Einen anderen Grund nannte Abwehrchef Jakov Gojun: „In der Halbzeit haben wir uns gesagt, dass unsere Zeit kommen wird, so um die 50. Minute.“ Genau in dieser Phase wuchs der Vorsprung tatsächlich so, dass die Reise nach Magdeburg gesichert werden konnte.

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