Fussball

Nur fünf gute Minuten

Der 1. FC Union verpasst mit einem Remis gegen Heidenheim einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt.

Kenny Prince Redondo (r.) sichert Union einen Punkt

Kenny Prince Redondo (r.) sichert Union einen Punkt

Foto: Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Berlin.  Sie konnten es noch so laut brüllen, die Fans des 1. FC Union: „Gib’ niemals auf und glaub’ an dich!“ Bei den Spielern auf dem Platz kam die Botschaft nicht an. Dabei war sie am Sonnabend im Stadion An der Alten Försterei überall zu lesen. Auf 20.000 roten T-Shirts, die der Klub vor dem Spiel gegen den 1. FC Heidenheim an die Zuschauer verteilt hatte. Zusammenhalt demonstrieren, Kampfgeist ausstrahlen und einen Sieg im Kampf gegen den Abstieg einfahren – am Ende stand es 1:1 (0:0). Wenig Kampf, wenig geistreich und vor allem der Offensive fehlte überwiegend der Glaube an die eigenen Fähigkeiten.

Der eine Punkt gegen Heidenheim ist ein kleiner Schritt in Richtung Klassenerhalt. Aber eben nur ein kleiner und deshalb auch nicht der erhoffte Befreiungsschlag, den dieses von Trainer André Hofschneider „prognostizierte Endspiel“ bringen sollte. Und so gehen die Rechenspiele in Köpenick weiter.

Zwar sind die Berliner immer noch Tabellenneunter und konnten den Abstand auf den Relegationsrang sogar um einen Punkt auf vier Zähler vergrößern. Doch in Anbetracht der übrigen drei Unentschieden, die von Teams aus dem großen Mittelfeld der Tabelle erspielt wurden, hätten die Berliner mit einem Sieg einen weitaus größeren Hüpfer Richtung Klassenerhalt machen können. Hätte, hätte Fahrradkette. Am Ende konnte Union froh sein, dass fünf offensive Glanzminuten reichten, um diesen einen Punkt zu holen.

Trainer Hofschneider wechselt den Ausgleich ein

„Die Offensivspieler hatten heute am Anfang viele Probleme, sind viel gelaufen und waren am Ende ein bisschen platt“, erklärte Kenny Prince Redondo, der erst vor wenigen Wochen nach acht Monaten Verletzungspause zurückgekehrt war. „Dafür sind wir da, dass wir dann rein kommen und ein bisschen frischen Wind bringen.“ Mit wir meinte der 23-Jährige seinen Stürmerkollegen Philipp Hosiner und sich selbst. 70 mühsame Mitnuten waren vergangen, als Hofschneider das Offensiv-Duo als Wiederbelebungsmaßnahme seiner Sturm-Abteilung auf den Platz schickte. Und nur vier weitere Minuten dauerte es, bis Redondo aus einem kleinen Offensivspektakel Profit schlagen konnte. Hosiner brachte den Ball in den Strafraum, Redondo verlängerte per Kopf ins linke Eck (74.). Ein doppeltes Jokertor.

Bis zu Hofschneiders Doppelwechsel hatte sich Unions Angriff schläfrig präsentiert. „Wir haben offensiv eigentlich die Qualität, immer zwei oder drei Tore zu schießen“, sagte Peter Kurzweg, der für den gesperrten Marvin Friedrich in die Startelf rutschte und dem die fehlende Spielpraxis nach 16 Spielen ohne nennenswerte Einsatzzeit anzumerken war. Erst in der 24. Minute gelang Simon Hedlund der erste Torschuss, der annähernd das Attribut gefährlich verdiente. Auf Heidenheimer Seite musste sogar bis zur 49. Minute auf den ersten Torschuss gewartet werden. Was allerdings auch damit zusammenhing, dass Heidenheims Topmann Marc Schnatterer schon in der zwölften Minute ausgewechselt werden musste. Der 32-Jährige war nach einem Zweikampf mit Kristian Pedersen unglücklich gelandet und hatte sich am Oberschenkel verletzt. Trainer Frank Schmidt sprach nach Abpfiff von einem möglichen Muskelfaserriss.

Wer die wenigen Offensivaktionen auf der einen und die überschaubaren Angriffsbemühungen auf der anderen Seite zusammen zählt, erkennt schnell, dass das Spiel kein furioser Schlagabtausch war. Von Taktik geprägt, der Fokus auf die Defensive, wenige bespielbare Räume. „Momentan herrscht der Gedanke, eher etwas nicht zu verlieren, als vorne etwas zu gewinnen“, sagte Hofschneider. „Beide Mannschaften wollten nicht in Rückstand geraten.“

Und doch waren es die Köpenicker, die sich in der 58. Minute auf der linken Seite ausspielen und Heidenheims Nikola Dovedan zum erfolgreichen Abschluss kommen ließen. Das kurze aber hoffnungsvolle Aufflackern der Union-Offensive in Minute 74 sorgte aber dennoch für das gerechte Unentschieden. Ein Remis, das aber kein Team wirklich voranbringt. „Die anderen Ergebnisse sprechen aber für uns“, erkannte Torschütze Redondo. In Darmstadt am nächsten Sonnabend wollen sie dafür sorgen, dass auch die eigenen Ergebnisse wieder für Union sprechen.