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Hoppegarten in Jeans

Im Jahr des 150-jähriges Bestehens kämpft Hoppegartens Rennbahn bereits um die nächste Besucher-Generation.

Rasanter Pferdesport kann die Zuschauermassen begeistern, so wie hier beim Saisonhöhepunkt von Hoppegarten, dem Preis der Deutschen Einheit

Rasanter Pferdesport kann die Zuschauermassen begeistern, so wie hier beim Saisonhöhepunkt von Hoppegarten, dem Preis der Deutschen Einheit

Foto: galoppfoto.de / BM

Berlin.  Es waren immer dieselben Reaktionen. Wenn Sophie Lafrentz ihren Freunden vom Galopprennen erzählte und die jungen Leute von einem Besuch auf der Rennbahn überzeugen wollte, lautete die Antwort meistens: Was soll ich da? Viele ihrer Bekannten hatten eine falsche Vorstellung und glaubten, dass der Pferderennsport nur etwas für besser Betuchte sei. Es schmerzte Lafrentz zu sehen, wie ihre Sportart für viele aus der jüngeren Generation offenbar wenig attraktiv war. Sie selbst war als Tochter von Züchtern schon früh mit dem Pferdesport in Berührung gekommen, die Rennbahn in Hoppegarten war sozusagen ihr zweites Zuhause.

Allerdings merkte sie schnell, dass die Jugend in ihrem Sport deutlich unterrepräsentiert war. Nicht nur bei den Besuchern. Auch bei Züchtern, Jockeys und Trainern mangelte es an neuen Gesichtern. „Aber ohne Nachwuchs stirbt der Rennsport eines Tages aus“, sagt Lafrentz. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern gründete sie deshalb 2012 den Verein „German Racing Next Generation“ – den jungen Klub im deutschen Galopprennsport.

„Wir verstehen uns als Stimme der jungen Generation im Sport und möchten aktiv zur Nachwuchsförderung und Zukunftssicherung für den deutschen Turf beitragen“, sagt Lafrentz. Die Berlinerin sitzt im Vorstand des Vereins, eine Zeitlang war sie sogar dessen Vorsitzende gewesen. Mittlerweile hat diesen Posten Mareike Werning-Hagemann inne. Sie sagt: „Der Rennsport muss sich besser präsentieren. Wir brauchen frische Ideen. Nur so kann er wieder sexy werden.“

Am Wochenende finden zwei Renntage statt

Inzwischen hat der Verein rund 200 Mitglieder. An diesem Wochenende treffen sie sich auf dem Gestüt Görlsdorf vor den Toren Berlins zur Mitgliederversammlung. Anschließend geht es gemeinsam nach Hoppegarten. Dort finden am Sonnabend (11 Uhr) und Sonntag (12 Uhr) gleich zwei Renntage statt, nachdem die ursprünglich für Anfang April geplante Saisoneröffnung aufgrund der Witterung verschoben werden musste. Höhepunkt des Wochenendes ist der traditionelle „Preis von Dahlwitz“ am Sonntag als Aufgalopp der Grand-Prix-Pferde über 2000 Meter. Dort startet mit Enjoy Vijay unter anderem der Derby-Zweite des vergangenen Jahres. Das Rennen ist ebenso wie das Listenrennen der Steher am Sonnabend mit 27.000 Euro dotiert.

Dass sich die nächste Generation im deutschen Galopprennsport ausgerechnet in Hoppegarten trifft, ist dabei kein Zufall. „Die Bahn in Hoppegarten ist immer wieder ein Vorreiter gewesen, was neue Ideen angeht“, sagt Sophie Lafrentz. Ein Beispiel sei der Match Race Cup – ein K.o.-Wettbewerb, bei dem sich immer zwei Pferde ein Duell liefern, der Gewinner kommt eine Runde weiter. 2016 erlebte dieses neue Format seine Premiere und kam beim Publikum von Anfang an sehr gut an. Vorstandskollegin Werning-Hagemann nennt Gerhard Schöningh, den Besitzer der Rennbahn in Hoppegarten, einen Vordenker – stets bemüht, die Anlage auch für ein jüngeres Publikum attraktiv zu machen. Zum einen gebe es in Hoppegarten immer ein umfangreiches Angebot für Familien. Zudem würden durch die Ausrichtung von Veranstaltungen wie dem Lollapalooza-Musikfestival im vergangenen Jahr auch solche Leute mit der Bahn in Kontakt kommen, die bislang nichts mit Pferdesport zu tun gehabt haben.

So scheint Hoppegarten für die Zukunft gut aufgestellt. Der Blick geht nach vorn, auch wenn sich in diesem Jahr viel um die ruhmreiche Vergangenheit der Rennbahn dreht, die 2018 ihr 150-jähriges Bestehen feiert. Am 17. Mai 1868 wurden dort die ersten Rennen ausgetragen; bald darauf stieg Hoppegarten zur wichtigsten deutschen Pferderennbahn auf. Oft kamen bis zu 40.000 Zuschauer.

Von solchen Zahlen ist man heute weit entfernt, doch seit Gerhard Schönigh die Bahn vor zehn Jahren gekauft hat und viele Entwicklungen anstieß, gehört man wieder zum Kreis der Top-Bahnen des Landes. Hoppegarten ist deshalb auch die Keimzelle für eines der wichtigsten Projekte des Vereins „German Racing Next Generation“. Die Rede ist von „just4turf“: dem ersten jungen Galopprennstall in Deutschland. „Wir möchten mit unserem Rennstall jungen Leuten einen preiswerten Einstieg in die Faszination des Galopprennsports vermitteln“, erklärt Rennstallleiter Manuel Schiavulli.

Neuer Rennstall will jungen Leuten Einstieg erleichtern

Momentan gehören dem Rennstall zwei Pferde – Hot Like Mexico und Halbmond –, die in Hoppegarten von Roland Dzubasz trainiert werden. „Er ist ein ausgezeichneter Trainer, genau der richtige für unser Projekt“, sagt Schiavulli. An diesem Wochenende wird zwar noch keines der beiden Pferde auf der Bahn zu sehen sein, aber das kann sich schon bei den kommenden Renntagen ändern. Vielleicht werden dann auch einige Freunde von Sophie Lafrentz dabei sein. Mittlerweile hat sie einige von ihnen nämlich doch überzeugen können, dass ein Besuch beim Galopprennen keineswegs nur etwas für die Reichen und Schönen ist. „Natürlich ist es eine gute Gelegenheit, um das schicke Kleid zu präsentieren“, sagt sie. „Aber man kann auch in Jeans auf die Rennbahn kommen.“ Na dann: Nur keine Hemmungen.