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„Icke“ Häßler setzt bei Berlin United auf Nachhaltigkeit

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Rene Miller
Die United-Vorsitzenden Giovanni Bruno (l.) und Stefan Teichmann

Die United-Vorsitzenden Giovanni Bruno (l.) und Stefan Teichmann

Foto: René Miller / BM

Der Siebtligist stellt sich neu auf und will künftig höher angreifen. Trainer Häßler soll verlängern.

Berlin.  Am Sonntag spielt der Club Italia in der Landesliga gegen Türkspor (14 Uhr, Spandauer Damm) – zumindest auf dem Papier. Denn die Gastgeber haben sich vor Ostern umbenannt in Berlin United. Mit zwei B’s im Logo statt der italienischen Farben Grün, Weiß und Rot. Sie stehen für Berlin und Brandenburg. „Es gibt in der Hauptstadt so viele Kiez-Klubs, dass wir uns als zentraler Verein für die gesamte Region davon ein bisschen abheben wollen“, erklärt Stefan Teichmann, der erste Vorsitzende.

Wohin dieser Flug führt, da will sich Teichmann nicht festlegen: „Irgendwann werden wir bestimmt mal überregional spielen. Aber das braucht natürlich auch seine Zeit. Bis dahin haben wir noch viele Meilensteine zu erreichen. Heute jetzt hier spielen wir Landesliga und das derzeit sehr erfolgreich.“ Der Ligasiebte Italia führt mit fünf Siegen und einem Remis die Rückrundentabelle an. Vor allem der Zugang Lennart Hartmann erweist sich als Volltreffer.

Für einen freundlichen Händedruck oder Gratis-Pizza, die es in den 1990er-Jahren gab, zieht sich der Ex-Herthaner natürlich auch nicht in der siebten Liga die Fußballschuhe an. Doch Teichmann versichert, „dass wir hier nicht mit dem Geld um uns werfen. Uns ist Nachhaltigkeit wichtig. Wir wollen nicht mehr von nur einem Sponsor abhängig sein – und dann bricht alles zusammen, wenn der aussteigt. Uns sind mehrere kleine Geldgeber lieber, die sich richtig mit dem Verein und der Idee, die dahinter steckt, identifizieren können“.

Trainer Häßler soll bleiben und ist auch nicht abgeneigt

Teichmann will den Verein deshalb mit einem zentraleren Image aufstellen. „Wenn ich beispielsweise ein Autohaus für den Verein begeistern will, habe ich unter dem Namen Italia bei BMW kaum Chancen. Da bleibt eigentlich nur Fiat. Auch bei Gesprächen mit neuen Spielern haben wir gemerkt, dass man als Berlin United mehr erreichen kann“, so der neue Vereinschef, der als Architekt tätig ist. In Rostock hatte er einst für den „FC Förderkader René Schneider“ gearbeitet, welcher im unterem Jugendbereich sehr eng mit Hansa Rostock kooperiert. Weil er danach in Berlin als Jugendtrainer bei Hertha Zehlendorf nicht glücklich wurde, da dort wie dann bei Italia die Strukturen zu eingefahren waren, gründete der 42-Jährige im Herbst mit 40 Kindern in je zwei E- und F-Jugendteams schließlich Berlin United.

Dass der Name Italia im neuen Verein selbst im Logo nicht mehr auftaucht, ist für Giovanni Bruno kein Problem: „In den Annalen des Klubs sind wir ja fest verankert. Und bei künftigen Erfolgen wird man sich immer daran erinnern, dass Italia die Wiege des Vereins war.“ Für den aktuellen Spielbetrieb wäre die Namensänderung mit zu großen Aufwendungen verbunden. „Unter anderem müsste beim Internet-Portal fussball.de alles komplett umgestellt werden“, erklärt Bruno (57), ein echtes Urgestein des 1980 von italienischen Gastarbeitern gegründeten Klubs. Bei United fungiert er künftig als zweiter Vorsitzender.

Um nach dem Sprung in die Landesliga in der neuen Saison dann in der Berlin-Liga durchzustarten, wird der Kader weiter verstärkt. Teichmann: „Mit einigen sehr interessanten Spielern sind wir uns schon einig. Und völlig logisch – auch Thomas Häßler soll bleiben.“ Der Weltmeister von 1990, seit zwei Jahren Italia-Trainer, ist nicht abgeneigt: „Ich fühle mich hier absolut wohl. Und die Idee, die hinter der Umbenennung steckt, finde ich gut. Das klingt alles sehr interessant.“

( René Miller )