Berlin

„Perfektionistin“ Schöneborn beendet ihre Karriere

Berlin.  2017 war noch einmal ein aufregendes Jahr in der Laufbahn von Fünfkampf-Olympiasiegerin Lena Schöneborn. Erst wurde die in Berlin lebende und trainierende 31-Jährige im Juli Staffel-Europameisterin in Minsk. Dann gewann sie einen Monat später wieder in der Staffel den Weltmeistertitel in Kairo. Im September heiratete Schöneborn ihren Freund Alexander Nobis, ebenfalls Fünfkämpfer. Auf sportlichen Erfolg folgte privater.

So soll es nun auch sein. Am Dienstag gab Schöneborn bekannt, dass sie ihre aktive Karriere beendet: „Der Moderne Fünfkampf hat mich über eine lange Zeit geprägt. Ich bin unendlich dankbar für die tollen Erfahrungen, Begegnungen und Erfolge, die mir der Sport gegeben hat“, sagte die Olympiasiegerin von Peking 2008. „Dennoch habe ich nach längerer Bedenkzeit entschieden, dass nun der Zeitpunkt für den nächsten Lebensabschnitt gekommen ist. Jetzt freue ich mich auf neue Herausforderungen außerhalb des Leistungssports“, so Schöneborn, die bereits bei den ersten beiden Weltcups in dieser Saison nicht mehr an den Start gegangen war.

Damit verliert der Moderne Fünfkampf seinen einzigen echten Star. Mit 34 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften ist sie die erfolgreichste Athletin in der Geschichte dieser Sportart. Sieben Mal wurde sie Welt- und sechs Mal Europameisterin. Viele Jahre lang war die in Troisdorf geborene und für Bonn startende Sportlerin Weltranglistenerste. Erst mit 14 war sie in den Vielseitigkeitssport eingestiegen. Ihr überraschender Olympiasieg acht Jahre später verschaffte ihrer Sportart die erste deutsche Medaille seit 72 Jahren und mehr Beachtung. „Lena Schöneborn ist über viele Jahre das Gesicht unserer Sportart gewesen und ist ein Vorbild“, sagte Michael Scharf, Präsident des Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf. „Sie ist eine Perfektionistin im positiven Sinn“, würdigte Chef-Bundestrainerin Kim Raisner, die sie zwölf Jahre begleitet hat. Bei der Abstimmung über den Fahnenträger der Olympiamannschaft in Rio de Janeiro 2016 unterlag Schöneborn nur knapp Timo Boll. Die Spiele selbst aber verliefen enttäuschend: Schöneborn belegte Platz 32.

Schon während ihrer Karriere studierte Schöneborn Marketing und Management. Sie arbeitet in einer Agentur in der Hauptstadt. Nun beginnt für die Berliner Sportlerin der Jahre 2014 und 2015 ein neuer Lebensabschnitt – jenseits des Sports.