Basketball

"Dirk hat mir sehr geholfen"

NBA-Novize Maxi Kleber über sein erstes Jahr in Dallas, Druck und Tipps von Teamkollege Nowitzki

20.03.2018, USA, New Orleans: Basketball, NBA, New Orleans Pelicans - Dallas Mavericks, Forward Anthony Davis (23) von den New Orleans Pelicans foult Maximilian Kleber von den Dallas Mavericks. Foto: Gerald Herbert/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

20.03.2018, USA, New Orleans: Basketball, NBA, New Orleans Pelicans - Dallas Mavericks, Forward Anthony Davis (23) von den New Orleans Pelicans foult Maximilian Kleber von den Dallas Mavericks. Foto: Gerald Herbert/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Gerald Herbert / dpa

Dallas.  Das letzte Saisonspiel der Dallas Mavericks vor heimischem Publikum wurde zur großen Dirk-Nowitzki-Würdigung. Rund 20.000 Zuschauer huldigten ihrem Helden in der Nacht zum Mittwoch mit T-Shirts für "20 großartige Jahre in Dallas", dabei konnte die Klub-Ikone wegen einer Verletzung gar nicht mitwirken. Während sich für Nowitzki das Karriereende nähert, steht der zweite Deutsche im Team erst am Anfang seiner NBA-Laufbahn. Maxi Kleber (26) spricht im Interview über sein erstes Jahr in der besten Basketball-Liga, psychischen Druck und Nowitzkis Einfluss.

Herr Kleber, Dallas und die Basketball-Welt diskutieren über die Zukunft von Dirk Nowitzki. Klären Sie uns auf: Macht er weiter?

Maxi Kleber: Im Herzen wird er wahrscheinlich niemals aufhören wollen – auch nicht in zehn Jahren. Aber irgendwann muss auch er mal den Schlussstrich ziehen. Er spielt eine tolle Saison, seine Offensivqualitäten sind unangefochten gut, er ist immer noch eine Waffe. Ob er weitermacht, weiß nur er. Aber selbst, wenn er es mir verraten würde, sollte doch ihm die Ehre gebühren, darüber zu sprechen.

Nerven Sie eigentlich die ständigen Fragen nach Nowitzki?

(Atmet durch) Nein, ich weiß ja, dass es für alle interessant ist.

Wie war es für Sie, zum ersten Mal mit einem der besten Basketballer der Geschichte zusammenzuspielen?

Sehr hilfreich! Schon als ich im August 2017 rübergekommen bin, um mein Aufbautraining zu machen, haben wir viel miteinander gesprochen, er hat mich darauf vorbereitet, was mich erwartet. Auch mental hat er mir sehr geholfen, mich auf das vorzubereiten, was alles auf mich einprasselt. Jeder Spieler würde davon träumen, sein Idol an seiner Seite zu haben, von ihm zu lernen und zuzugucken, wie er arbeitet.

Woran mussten Sie sich am meisten gewöhnen?

Das Wichtigste war, sich an diese Liga, den engen Spielplan und die Abläufe zu gewöhnen. Bei den vielen Spielen, die wir absolvieren, kann man einfach nicht in jeder Partie seine beste Leistung abrufen. Insgesamt war es extrem spannend, auch wenn es bitter ist, dass wir das Play-off verpasst haben.

Sie haben mehr Einsatzzeit bekommen als Experten Ihnen zugetraut haben.

Von Spielen komplett ohne Einsatz, über nur wenige Minuten auf dem Court bis hin zu Partien, in denen ich als Starter auf dem Parkett stand, war alles dabei. Heute spielst du, morgen nicht – damit musste ich auch mental umzugehen lernen.

Und wie geht man damit um, Spiele ausschließlich von der Bank zu verfolgen?

Das macht in erster Linie einfach keinen Spaß (lacht). Noch schlimmer ist es aber, wenn man verletzt ist, so wie aktuell Daniel Theis (Deutscher Nationalspieler in Diensten der Boston Celtics, Anm. d. Red.). Man muss versuchen, positiv zu bleiben, das Beste daraus zu machen. Einfach ist das aber nicht.

Das Thema Druck und psychische Probleme macht in der NBA momentan die Runde. Eine Diskussion, die in Deutschland vor allem im Fußball geführt wird.

Man darf es einfach nicht unterschätzen, wie wichtig die Psyche eines Sportlers, eines Menschen ist. Wir haben einen top Mentaltrainer, mit dem wir über alles sprechen können. Die Belastung, der Druck und die Erwartungen sind enorm.

Ihr Coach ist Rick Carlisle, der Meistertrainer der Mavs. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Ich glaube, er kannte mich nicht, als ich im vergangenen Jahr nach Dallas kam – vielleicht nur von Videos. Deshalb war es für ihn etwas schwierig, mich einzuschätzen. Leider lief es für das Team zu Beginn der Saison nicht so rund, was für mich aber von Vorteil war, weil ich dann recht früh spielen durfte.

Wie hätten Sie sich in einem Bewerbungsgespräch bei Coach Carlisle beschrieben?

Als Spieler, der versucht, dem Team durch die kleinen Sachen auf dem Feld zu helfen. Dinge, die man nicht direkt auf dem Statistikbogen sieht – Blöcke setzen, beim Kampf um den Rebound ausboxen, ein bisschen Extra-Energie auf den Court bringen. Das war der Grund, warum ich dann plötzlich in der Startformation stand.

Dallas hat keine gute Saison gespielt. Mavs-Besitzer Mark Cuban gab sogar aus, das Team solle absichtlich verlieren, um im Sommer die größte Chance auf das beste Nachwuchstalent zu haben.

Du kannst den Spielern sagen, was du willst, aber keiner wird aufs Feld gehen und absichtlich verlieren. Jeder Spieler wird alles geben. Für uns geht es immer auch um die eigene Karriere, um den nächsten Vertrag.

Sie haben immerhin Top-Teams wie Toronto und Oklahoma besiegt ...

Wir war oft extremer Außenseiter und haben die Gegner dann geärgert. Es fühlt sich okay an, wenn man diese Spiele nur knapp verliert, weil wir wissen, dass wir weniger talentiert sind.

Im Sommer gibt es in der NBA eine Art Trainingsliga, die "Summer League". Werden Sie dort spielen?

Wir haben noch nicht über die Sommer-Pläne gesprochen. Es steht ja auch die WM-Qualifikation mit der Nationalmannschaft an, da möchte ich auf jeden Fall dabei sein. Mein Land zu vertreten, ist mir wichtig, deshalb werde ich noch mit dem Klub diskutieren. Wir werden eine Lösung finden.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.