Interview

Radosavljevic diskutiert mit Trimmel über Schiedsrichter

Alba-Center Radosavljevic und Union-Innenverteidiger Trimmel sprechen darüber, was der Fußball vom Basketball lernen kann.

Bogdan Radosavljevic (l.) spielt seit 2016 für Alba. Christopher Trimmel dribbelt seit 2014 für Union Berlin

Bogdan Radosavljevic (l.) spielt seit 2016 für Alba. Christopher Trimmel dribbelt seit 2014 für Union Berlin

Foto: pa

Berlin.  Treffen sich ein Fußballer und ein Basketballer. Nein, das wird kein schlechter Witz. Denn in Vorbereitung auf das Auswärtsspiel bei Greuther Fürth am Sonntag (13.30 Uhr, Sky) trainierte der 1. FC Union in dieser Woche in Alba Berlins Trainingszentrum mit dem Basketball – unter der Leitung von Carlos Frade, Individualcoach des Basketball-Bundesligisten. Mit von der Partie: Albas Bogdan Radosavljevic (24) als aufmerksamer Beobachter. Nach der für Fußballer ungewöhnlichen Trainingseinheit hatte der Basketballer auch sofort mal eine Frage an seine kickenden Kollegen. Unions Innenverteidiger Christopher Trimmel (31) hat sich den Fragen gestellt und selbst nachgehakt, wie es dem 2,14 Meter gr0ßen Alba-Center geht. Ein Gespräch zweier Profisportler über harte Hallenböden, konsequente Schiedsrichter und die fußballerischen Talente des Alba-Spielers.

Bogdan Radosavljevic: Ich hab da auch mal direkt ‘ne Frage. Mich hat schon immer interessiert, warum ihr Fußballer so schnell und so oft am Boden liegt und so tut, als ob ihr fast tot wärt. Wenn ihr gefoult werdet und euch dann noch Meter weit rollt, aber plötzlich der Ball kommt und dann wird zum nächsten Sprint angesetzt. Wieso macht man das im Fußball?

Christopher Trimmel: Da fragst du genau den Falschen. Ich bin da nämlich genau deiner Meinung, ich bin auch nicht der Typ, der das macht. Wenn ich liegen bleibe, das wissen auch meine Frau und der Trainer, dann ist wirklich was.

Radosavljevic: Dann bist du wirklich verletzt, das verstehe ich. Aber es gibt so oft solche Spieler, die da ein bisschen Theater spielen.

Trimmel: Die wollen dann meist den Vorteil vom Schiedsrichter rausholen, was ich absolut unfair finde. Das gehört genauso bestraft wie ein Foul. Im Basketball ist es wahrscheinlich besser geregelt, oder?

Radosavljevic: Im Basketball sind die Schiedsrichter auf jeden Fall strenger. Man darf mit seinen Gegenspielern nicht so umgehen wie im Fußball. Du darfst nicht so draufgehen oder den Gegner umhauen, dann wirst du sofort bestraft.

Trimmel: Siehst du, und genau das ist im Fußball das Problem. Teilweise werden die Schiedsrichter dann von Spielern beschimpft, weil nicht gepfiffen wurde. Aber ich bin absoluter Fan davon, dass Schiedsrichter da hart durchgreifen.

Radosavljevic: Bei uns gibt’s ja auch das Flopping (Schwalbe, Anm. d. Red.). Aber dafür wirst du eben verwarnt. Sobald der Schiedsrichter sieht, dass das nicht echt war, wirst du erst verwarnt und beim nächsten Mal wird das als Technisches Foul gewertet. Und bei zwei Technischen Fouls bist du eben raus. Da bleibt also wenig Spielraum, um sich auf dem Boden zu wälzen, wenn du nicht runterfliegen willst.

Trimmel: Tut dem Sport sicher gut. Aber meine Frage wäre: Wie geht’s dir? Du bist ja verletzt?

Radosavljevic: Joa, ganz okay. Das Band ist durch (Außenband im rechten Sprunggelenk, Anm. d. Red.), das kenne ich ja schon. Aber es wird immer besser. Es sind jetzt zehn Tage vergangen, und es wird auch wohl noch zehn Tage dauern. Gehört eben dazu. Der Sport ist hart. Hast du beim Training wahrscheinlich selbst mitbekommen?

Trimmel: Ja, absolut. Der Boden ist hart. Ich beneide euch echt nicht, auf so einem harten Boden rumzuspringen. Ich spür das jetzt noch, nach nur 60 Minuten. Das ist der Wahnsinn.

Radosavljevic: Obwohl der Boden hier im Trainingszentrum gar nicht so hart ist. Das geht noch viel schlimmer. In der Bundesliga jetzt nicht, da wird immer auf Parkettboden gespielt. In der zweiten und dritten Liga geht es los mit Gummibelägen, wie in Schulsporthallen. Das ist richtig hart, steinhart. Der Boden hier ist ja noch ein bisschen flexibel. Aber wenn du auf dem anderen Boden spielst, zwei Wochen lang, dann kriegst du schon Knieprobleme, wie du vielleicht gerade merkst.

Trimmel: Oh ja. Hast du denn auch schon mal Fußball gespielt?

Radosavljevic: Früher. Ich hab mit Fußball angefangen, so wie wahrscheinlich jedes Kind. Und ab und zu spiele ich auch noch. Jetzt in den letzten Jahren nicht mehr so viel, weil das mit dem Profi-Vertrag verboten ist, aber im Training spielen wir auch manchmal. So Amis gegen Deutsche oder so.

Trimmel: Aber du bist nicht Deutscher oder?

Radosavljevic: Nein, ich bin Serbe.

Trimmel: Das höre ich raus. Meine Frau kommt aus Bosnien.

Radosavljevic: Egal, wie lang man hier ist, den Jugo-Akzent kriegst du nicht raus. Aber mal was anderes. Wie sieht’s denn sportlich bei euch aus?

Trimmel: Wir sind im Niemandsland der Tabelle, wie der Präsident vor ein paar Wochen im Interview ganz richtig gesagt hat. Wir sind drei Punkte vom Relegationsplatz nach unten entfernt. Nach oben sind es acht Punkte. Eine gefährliche Situation. Aber das Ziel Aufstieg muss man irgendwann mal gut sein lassen.

Radosavljevic: Ach krass. Euer Ziel war echt der Aufstieg?

Trimmel: Ich bin jetzt das vierte Jahr bei Union. Und das war eigentlich jedes Jahr das Ziel. Aber wir haben auch jedes Mal einen guten Schritt gemacht. Im ersten Jahr Siebter, dann Sechster, vergangenes Jahr Vierter und diese Saison waren wir auch lange oben dabei. Aber es wollte nicht klappen.

Radosavljevic: Bei uns war das auch ein bisschen so. Wir wollten den Pokal holen, waren auch im Finale und haben bis fünf Minuten vor Schluss mit acht Punkten geführt. Und das gegen München. Und dann kam ein Fehler nach dem anderen, und am Ende war der Titel futsch. Aber es gibt da diese ungeschriebene Regel, dass du immer besser sein sollst als im Vorjahr. Und da wir letzte Saison richtig schlecht waren, sind wir dieses Jahr echt gut unterwegs, jetzt Zweiter und haben den Ersten geschlagen. Und dann wollen wir im Play-off richtig angreifen. Aber da kann man im Basketball eh nicht wissen, was kommt. Da kann jeder jeden schlagen.

Trimmel: Da haben wir die Ähnlichkeit zur Zweiten Liga. Bei uns ist es derzeit auch so verrückt. Da gewinnt mal der Vorletzte gegen den Ersten und so geht es die ganze Zeit. Da kannst du dir nie sicher sein. Aber da ist auch die Unterstützung der Fans ganz wichtig und die ist immer da. Und das obwohl wir gerade in keiner guten Phase sind. Aber das puscht richtig und alleine deswegen muss man immer alles geben, oder?

Radosavljevic: Bei uns ist die Unterstützung auch echt gut. Die Halle ist voll, öfter als in der vergangenen Saison, aber wie gesagt, da waren wir auch nicht so gut. Und wenn du gewinnst, sind auch mehr Fans da. Auch bei den Auswärtsspielen – egal, wo wir spielen – immer sind Alba-Fans in der Halle. Und zwar wirklich welche, die mitreisen. Ich nenne mal ein Beispiel, das ist Katja. Sie sitzt im Rollstuhl und die hat wirklich kein Spiel verpasst bisher. Wir haben echt eine riesen Unterstützung.

Trimmel: Ich war auch schon in der Halle bei euch. Das macht schon Spaß, wenn es da so richtig abgeht.

Radosavljevic: Ah, ich war bei euch leider noch nicht im Stadion. Aber ich würde gern mal hingehen.

Trimmel: Die Einladung steht!

Radosavljevic: Ich hoffe, dass wir auch bald mal eine Fußballeinheit bei Union machen. Dass eure Jungs uns zeigen, wie man Fußball spielt. Da wäre ich dabei.

Trimmel: Das kriegen wir hin!

Radosavljevic: (lacht) Du hast ja gar keine Ahnung, wie gut ich eigentlich bin!

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