Mönchengladbach

Weltmeister Ginter kritisiert seine Gladbacher Kollegen

Grund für viele Verletzungen sei fehlende Professionalität

Mönchengladbach. Matthias Ginter hätte über viel Positives sprechen können nach dem spektakulären 3:3 (1:1) gegen Europacup-Konkurrent TSG Hoffenheim. Über die starke Moral seines Mönchengladbacher Teams beispielsweise, das sich trotz drei Rückständen nie hängen ließ. Oder über sein spätes Ausgleichstor in der 90. Minute. Stattdessen klagte der Weltmeister über einen verlorenen Sieg – und über grundlegende Fehler der „Fohlen“. Ginter nervt es offenbar, dass bei der Borussia die Muskelblessuren in dieser Saison ausufern. Gleich neun Gladbacher fielen und fallen wegen einer Muskelverletzung über Wochen aus. „Das ist nicht unbedingt Zufall“, betont der Verteidiger, der als einziger im Team keine Saison-Minute verpasst hat.

Seine Kritik – auch an dem einen oder anderen Kollegen – spezifizierte der ehemalige Dortmunder so: „Profis sollten sich auch professionell verhalten. Dazu gehören Regeneration, Ernährung, ein sportgerechtes Verhalten im Alltag, auch die Trainingssteuerung. Ich denke, dass wir nach der Saison jeden Stein umdrehen sollten, um den Grund für die vielen Muskelverletzungen herauszufinden.“

Die Liste der Gladbacher Ausfälle mit Muskelpein ist lang: Reece Oxford, Denis Zakaria, Ibrahima Traoré, Julio Villalba, Mamadou Doucouré und aktuell vom Hoffenheim-Spiel Raúl Bobadilla sind spielunfähig. Torjäger Raffael kehrte gegen Hoffenheim nach einer hartnäckigen Wadenblessur nach acht Spielen Pause inklusive einem verfrühten Comeback in Stuttgart (0:1) als Joker zurück auf den Rasen. Auch Patrick Herrmann und Jonas Hofmann nahmen sich schon Pausen wegen Muskelfaserrissen.

Die Problematik ist bei der Borussia nicht neu. Im vergangenen Sommer verpflichtete Sportdirektor Max Eberl aus diesem Grund mit Andreas Schlumberger ein Bindeglied zwischen Ärzten, Physiotherapeuten und Trainerstab. Der 51-jährige Ulmer war zuvor für Bayern München und Borussia Dortmund im Einsatz, beim BVB als Fitnesstrainer unter Jürgen Klopp, sollte ein Auge auf die Schwachstelle der Fohlen haben. Doch die Muskelverletzungen nahmen im Vergleich mit der Vorsaison sogar zu.

„Wir müssen nach der Saison alles genau analysieren“, sagt Coach Dieter Hecking, der sicher auch seine Trainingssteuerung hinterfragen wird. An zu vielen Partien dürfte es kaum liegen. Ohne Europacup und DFB-Pokal haben die Borussen eine normale Belastung. Im Vorjahr hatten die Gladbacher zu diesem Zeitpunkt 14 Pflichtspiele mehr in den Muskeln.