Hamburg

Ganz unten angekommen

Nicht nur die Kritik von Papadopoulos am neuen Trainer offenbart den Zerfall des Hamburger SV

Hamburg. Es gibt sie noch, die Erfolgsmeldungen vom Hamburger SV. Und was für welche. Durch ein 1:1 gegen den FC St. Pauli bleibt der große HSV Spitzenreiter. Dass es sich dabei nur um die zweiten Mannschaften in der Regionalliga Nord handelt, sollte dabei geflissentlich übersehen werden.

Das Profiteam des HSV, das wurde nach dem 1:2 gegen Hertha BSC deutlicher denn je, zerfällt in seine Einzelteile. Keiner dokumentierte dies deutlicher als Kyriakos Papadopoulos. Der Grieche polterte wegen seiner erstmaligen Verbannung auf die Bank während seiner HSV-Zeit gegen Hoffnungsträger Christian Titz. „Dass man die Erfahrenen, die letzte Saison den Klassenerhalt geschafft haben, nicht in die Mannschaft nimmt, kann ich nicht verstehen“, grollte Papadopoulos und legte nach: „Diese Aktion, immer etwas Neues zu versuchen, ist nicht das Beste.“

Bei der Nominierung des 18er-Kaders hatte Titz die etablierten Profis Walace, André Hahn, Dennis Diekmeier und Mergim Mavraj komplett aus dem Kader gestrichen. Für den Abwehrchef war es eine Ungeheuerlichkeit. Er deutete an, dass mit ihm die Partie nicht verloren gegangen, man also nicht Tabellenletzter wäre. „Es hat die Erfahrung gefehlt, das 1:0 über die Runden zu bringen“, meinte „Papa“. In den 13 Spielen zuvor war der Grieche immer dabei. Gewonnen wurde auch da nicht eines.

Trotz Polizeieinsatz spricht Titz von guter Stimmung

Zu Papadopoulos’ Vorwürfen sagte der Trainer: „Ich will erst mit dem Spieler sprechen.“ Das dürfte schwierig werden – der Grieche ist zum Nationalteam gereist. Titz: „Wir versuchen, ihn zu erreichen. Wenn wir mit ihm gesprochen haben, werden wir verkünden, was wir machen.“ Vorstandschef Frank Wettstein zürnte: „Er hat sich und uns keinen Gefallen getan. Er hat nicht das Recht, die sportliche Situation zu ignorieren. Wir werden das nicht tolerieren.“

Ein ähnliches Gespräch erwartet Walace. Der Brasilianer war nicht ins Stadion gekommen, weil er nicht zum Spieltagskader gehörte. Unter Titz-Vorgänger Bernd Hollerbach besaß der Mittelfeldakteur einen Stammplatz. Während seine Teamkollegen spielten, postete Walace Privatfotos. „Das Verhalten akzeptieren wir nicht“, betonte Titz.

Offen zutage traten die Risse zwischen dem Team und einem Teil der HSV-Ultras. Während der Spiels kam es bereits zu Auseinandersetzungen zwischen den Fans, danach dann auch zwischen Sicherheitskräften und Randalierern. Ein Platzsturm und ein Eindringen in die Stadionkatakomben wurde verhindert. Die Polizei musste Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen. Sechs Ordner, zwei HSV-Fans und eine Polizistin wurden verletzt, es gab sechs vorläufige Festnahmen und insgesamt 95 festgesetzte Personen. Der Spuk dauerte eine Stunde. Es ist schon realitätsfern, wenn Titz da „grundsätzlich eine positive Stimmung“ ausmacht, „weil wir sehr viele Dinge gutgemacht haben. Wir haben es geschafft, eine Mannschaft aufs Feld zu schicken, die anders aufgetreten ist“. Der Einbruch nach der Pause sei erfolgt, weil dem Team der Mut verlassen habe nach einer guten ersten Halbzeit. Torwart Julian Pollersbeck, Außenspieler Tatsuya Ito und Sechser Matti Steinmann – alle neu in der Startelf – waren gleich die Besten.

Der Rest sind Durchhalteparolen wie die Wettsteins: „Es ist nicht der Moment zu sagen, dass es nicht mehr möglich ist. Es wird aber immer schwerer.“ Das Bundesliga-Gründungsmitglied ist ganz unten angekommen, in jeder Hinsicht.