Berlin

Ein Sieg für die Geschichtsbücher

Beim 8:1 gegen Wolfsburg feiern die Eisbären ihren höchsten Play-off-Sieg überhaupt. Blenden lassen will sich davon aber keiner

Berlin. Der Fachkräftemangel ist jetzt auch in der Mercedes-Benz Arena angekommen. Ob Facharbeiter oder Ingenieur, in allen Unternehmensbereichen wird gesucht. Nicht bei der Arena, sondern bei einem Sponsor des EHC Eisbären. Der nutzte die noch neue Partnerschaft gleich mal, um seine Suche nach Personal im Spieltagsheft des Klubs zu publizieren. Und dachte sich obendrein eine Aktion aus, die viel Aufmerksamkeit generieren kann. Über 10.000 Tücher ließ die Firma verteilen, zum Wedeln bei Toren hauptsächlich, ähnlich wie in Nordamerika.

Da die Eisbären derzeit glücklicherweise über genügend Fachkräfte verfügen, durfte das Publikum in der mit 14.200 Besuchern ausverkauften Arena regen Gebrauch von den Tüchern machen. Es war ein einseitiges Spiel, dieses dritte Duell im Play-off-Viertelfinale zwischen den Berlinern und den Grizzlys Wolfsburg, das 8:1 (3:0, 2:0, 3:1) endete. In der „Best of seven“-Serie, die am Mittwoch in Niedersachsen weitergeht, steht es damit 2:1 für die Berliner, denen noch zwei Erfolge zum Einzug in das Halbfinale fehlen.

Es war der höchste Saisonsieg der Berliner, der höchste Sieg in der Play-off-Geschichte des Rekordmeisters der Deutschen Eishockey Liga (DEL), der dem Team vor den Augen von Aufsichtsratschef Luc Robitaille gelang. „Das Ergebnis ist relativ unwichtig“, erzählte Trainer Uwe Krupp trotzdem. Es sagt in der Tat nicht all zu viel über die Stärke der Eisbären. „Wolfsburg hatte eine sehr, sehr kleine Bank, nach dem 5:0 haben sie dann einen Gang rausgenommen“, konstatierte Verteidiger Jens Baxmann, der den Berliner Torreigen mit einem Nachschuss eröffnete (7.). Ähnlich wie der Eisbären-Sponsor bräuchten die Niedersachsen dringend mehr Personal. Fehlten am Mittwoch zum Auftakt der Serie (4:1) noch fünf Profis bei den Grizzlys, waren es am Sonntag zu Spielbeginn sieben, am Ende schließlich sogar acht.

Wolfsburg ist ohne Chance, weil acht Spieler ausfallen

Dieses Missverhältnis bestimmte die Partie. Allerdings hatten sich die Eisbären auch vorgenommen, einiges anders zu machen als zwei Tage zuvor in Wolfsburg, wo man 2:5 verlor. „Ich glaube, wir haben die richtige Antwort gegeben und das ganze Spiel diszipliniert gespielt“, sagte Baxmann. In einer emotional geladenen Partie hatten sich die Berliner zuvor zu vielen Strafzeiten hinreißen lassen, diesmal blieben sie gelassen. Die drei Tore im ersten Drittel, nach Baxmann trafen noch James Sheppard (11.) und Daniel Richmond (14.), halfen dabei. „Dann spielt es sich leichter“, sagte Krupp.

So leicht in diesem Fall, dass die knisternde Atmosphäre eines Play-off-Spiels nur phasenweise aufkam. Wolfsburg mühte sich. „Diejenigen, die dabei sind, hauen sich voll rein“, fand auch Baxmann. Doch die fast volle Besetzung der Berliner, die ohne ihre drei Ausfälle sonst Spieler auf die Tribüne schicken müssten, ließ den Wolfsburgern keine Chance. „Wir probieren, es als unseren Vorteil auszunutzen, mit vier Reihen durchzuziehen. Das hinterlässt irgendwann Spuren, es ist zermürbend, wenn wir immer wieder mit hohem Tempo ankommen“, so Baxmann. So erzeugt man spielerische Überlegenheit. Marcel Noebels (30.) und André Rankel (34.) erhöhten im zweiten Drittel auf 5:0. Die Zuschauer wedelten fröhlich mit ihren Tüchern.

Weil die Gegenwehr der Wolfsburger irgendwann keine richtige mehr war, ließ Trainer Krupp später auch den Neuerwerb Rihards Bukarts, der als 13. Stürmer zunächst mehr auf der Bank gesessen hatte, öfter spielen. Nach dem Ehrentreffer von Conor Allen (44.) erzielte der Lette sein erstes Tor für den EHC im fünften Einsatz (45.). Sheppard (49.) und Nicholas Petersen (57.) sorgten dann für den höchsten Play-off-Sieg des EHC. „Da kann man sich auch nicht mehr für kaufen als für ein 1:0“, sagte Baxmann und stellte in Aussicht, dass seine Mannschaft sich nicht blenden lasse von dem Resultat. Dazu wirkte sich der Fachkräftemangel der Niedersachsen zu stark auf das Spiel aus. Ändert sich das nicht bald, dürfte das die Serie nachhaltig beeinflussen.