Köln

Die Leiche klopft an den Sarg – Köln ist nicht mehr Letzter

Der FC gewinnt das Rheinderby gegen Favorit Leverkusen 2:0

Köln.  Ihre Selbstironie haben sich die Fans des 1. FC Köln trotz des Dauerdaseins im Ligakeller bewahrt, beim rheinischen Derby gegen Leverkusen kam der Spaß aber eher als Galgenhumor daher. „Die Nummer eins am Rhein sind wir“, schmetterten die Anhänger in der Südkurve unter völliger Missachtung der Tabelle. Eine absurde Momentaufnahme, die in den 90 Minuten danach aber noch getoppt werden sollte. Denn: Die Kölner Fans behielten recht – zumindest für den Moment, in dem der FC ein 2:0 (1:0) über den Nachbarn genoss und erstmals seit dem dritten Spieltag den letzten Platz verließ.

Die Hoffnung, dass es doch noch etwas werden könnte mit dem Klassenverbleib, erhielt tatsächlich neues Leben. „Die Leiche klopft an den Sarg“, kommentierte Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt gewitzt, „jetzt hoffen wir, dass wir beim nächsten Mal das Türchen öffnen und dann noch aus der Kiste klettern.“ Die Laterne des Liga-Schlusslichts hat der Geißbockklub schon mal an den Hamburger SV weitergereicht, und die Dauerverlierer aus Wolfsburg und Mainz sind mit fünf Punkten Vorsprung plötzlich wieder in Sichtweite.

500 Fans treffen zur vor der Partie zur Massenschlägerei

„Wir leben weiter, jetzt wollen wir uns den Nächsten greifen“, sagte Bittencourt, „und vielleicht erreichen wir ja noch das ganz Große.“ Etwas vorsichtiger äußerte sich FC-Trainer Stefan Ruthenbeck, doch auch er räumte ein: „Es gibt eine leichte Berechtigung, an unser Wunder zu glauben.“

Während des Spiels blieb es bis auf vereinzelte Pyro-Einlagen im Leverkusener Block ruhig – anders als im Vorfeld: Am Sonnabend hatten sich rund 500 Chaoten aus beiden Lagern zu einer Schlägerei am Stadion verabredet. Einige von ihnen erschienen maskiert am Treffpunkt, prügelten mit Latten und Verkehrsschildern aufeinander ein. Es kam zu einem Großeinsatz der Polizei.

Ähnlich fassungslos wie über derartige Gewalt-Exzesse war Bayer-Coach Heiko Herrlich über die Leistung seines Teams. „Ich weiß nicht, was mit meiner Mannschaft los war. In der ersten Halbzeit, vor allem in den ersten 20 Minuten haben wir fast körperlos gespielt. Das ist einfach schade, gerade in einem Derby.“

Die Werkself agierte von Beginn an fahrig und nachlässig, leistete mit ihrer Haltung unerwartete Nachbarschaftshilfe. Speziell in der neunten Minute, als zunächst Sven Bender eine Hereingabe von Bittencourt verpasste – und Torwart Bernd Leno den Schuss des Japaners Yuya Osako unter seinem Oberkörper hindurch gleiten ließ. Als er den Ball schließlich erwischte, hatte der die Torlinie bereits passiert.

Vor allem die rechte Abwehrseite der Leverkusener war löchrig wie von Motten zerfressene Socken. Herrlichs Gesten in der Coaching Zone wurden zunehmend herrisch – bis der dahin völlig blasse Lucas Alario ihm nach einer halben Stunde den nächsten Tiefschlag verpasste: Im Rücken von Schiedsrichter Harm Osmers rammte der Argentinier seinen Ellenbogen gegen den Hals von FC-Verteidiger Dominic Maroh. Daraufhin bemühte der Referee den Video-Assistenten und zeigte Rot.

Gleich nach Wiederbeginn vereitelte Kölns Torwart Timo Horn gegen Julian Brandt den Ausgleich. Ein weiterer Bayer-Fauxpas verschaffte den Domstädtern in der 69. Minute aber wieder Rückenwind: Charles Aranguiz fabrizierte im Mittelfeld einen fatalen Kopfball Richtung eigenes Tor. Simon Zoller nahm dankend an, hob den Ball über den herbeigeeilten Leno und schob zum 2:0 ein. Die Entscheidung.