Dortmund

Ein Traumtor sorgt für Ruhe

Dortmund gewinnt dank Batshuayi gegen 96, überzeugt nach Aus im Europacup aber nicht

Dortmund. Es war eine durchaus ungewöhnliche Bewegung, die Michy Batshuayi da vollführt hatte. Und der Stürmer von Borussia Dortmund fand auch ein ungewöhnliches Wort, um zu erklären, wie sie zustande gekommen war. „Kung-Fu-Style“ nannte der nahkampferprobte Belgier seine Flugeinlage, die aus diesem Tag einen guten gemacht hatte für Menschen aus dem schwarz-gelben Fußball-Kosmos. Denn sie führte zum irgendwie verdienten, aber doch auch leidvoll erzitterten 1:0 (1:0) des BVB gegen Hannover 96. Batshuayi war mal wieder der Spieler, der das entscheidende Tor beisteuerte. Und das auch noch auf jene besondere, hübsch anzusehende Weise.

Denn eigentlich war der Eckstoß von André Schürrle etwas kurz geraten. Batshuayi aber lief dem Ball entgegen, sprang ab und verlängerte ihn mit der Hacke in die lange Ecke des Tores (24.). Acht Treffer in elf Pflichtspielen hat die Leihgabe des FC Chelsea nun seit Ende Januar erzielt. Und immer war es das entscheidende Tor. „Ich bin mir bewusst, dass es wichtig ist, entscheidende Tore zu machen“, ließ der Stürmer nicht gerade überraschend wissen.

Überraschender war, dass sich trotz des wichtigen Sieges die große Glückseligkeit nicht einstellen wollte. „Gefühlsmäßig sind wir auch ein bisschen traurig“, sagte der 24-Jährige, weil das das Gefühl ist, das vom vergangenen Donnerstag übrig ist, als der BVB schmachvoll beim FC Salzburg aus der Europa League ausschied. „Der Sieg heute tut gut“, sagte Batshuayi immerhin, der aber stellvertretend für das Dortmunder Gefühlschaos steht.

Das bildete sich auch wieder in den 90 Minuten gegen Hannover ab. Die erste Halbzeit geriet sehr ansprechend, in der zweiten bangte der BVB wegen des knappen Ergebnisses ganz erheblich um den Sieg. „Es war nach der Enttäuschung des Europapokalspiels und dem damit verbundenen Ausscheiden eine gute Reaktion“, urteilte Trainer Peter Stöger, der seine Spieler wie zum Beispiel Mario Götze zuletzt sehr deutlich kritisiert hatte. „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie das Spiel gewinnen will. Ich war mit vielen Dingen sehr einverstanden“, sagte der Österreicher und nannte Parameter wie „Zug zum Tor“, „Laufwege in die Tiefe“ und – etwas allgemeiner – „den Willen, die Situation anzunehmen“.

Eine Situation, die noch immer ungewöhnlich ist, weil die Mannschaft in der Bundesliga auf Tabellenplatz drei steht, aber so selten wirklich Anlass zu unbeschwerter Freude bietet. Aber „endlich“, atmete Sportdirektor Michael Zorc auf, habe die Mannschaft „mal wieder mehr Torchancen herausgespielt. Es wäre schöner gewesen, ein zweites Tor nachzulegen, um Sicherheit und Ruhe zu haben. Nach einem Europapokalspiel sind die drei Punkte das Wichtigste. Jetzt können wir ein paar Tage verschnaufen.“

Ruhe, Sicherheit, verschnaufen - schwer vorstellbar in Dortmund. Die Länderspielpause lässt die Hektik aus dem Alltag weichen, aber die Zukunft muss dennoch bald geplant werden. Wer soll der Trainer sein? Wie sieht die Mannschaft aus? Und welche Kraft zieht sie manchmal so tief hinab? Fragen, auf die Antworten gesucht werden.

Aber Aktionismus ist nicht ratsam, meint Zorc. „Wir müssen jetzt nicht unruhig werden, weil die Situation gerade nicht zufriedenstellend ist. Die Weichenstellung kann auch im nächsten Monat geschehen“, sagte der Sportdirektor vor dem Hannover-Spiel. „Wir müssen sehen, dass wir das Minimalziel Champions-League-Qualifikation erreichen. Dann werden wir die Entscheidungen treffen, in erster Linie natürlich die Trainerentscheidung. Wir wissen aber auch, dass es Veränderungen im Kader geben muss.“ Welche Rolle Batshuayi in diesen Planungen spielt, bleibt abzuwarten. Der Stürmer ist bis Saisonende ausgeliehen. Hält seine Treffsicherheit an, werden die Londoner ihn sicher nur für eine saftige Ablösesumme ziehen lassen. Oder auch gar nicht.