Final Four

Floorball will weg vom Image des Plastik-Hockeys

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Philip Häfner
Krachtochvil behauptet den Ball.

Krachtochvil behauptet den Ball.

Foto: Stephan Janz / BM

Am Wochenende findet das Pokal-Turnier in der Sömmeringhalle statt. Kratochvil ist als Trainer und Spieler aktiv.

Berlin.  Es ist ja nicht so, dass Jan Kratochvil mit der Organisation des Final Fours im Floorball nicht schon genug zu tun hätte. Zum ersten Mal findet das Pokalturnier an diesem Wochenende in der Hauptstadt statt, und der Ausrichter BAT Berlin (Sportgruppe im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg) hat keine Mühe gescheut, ein attraktives Rahmenprogramm auf die Beine zu stellen. Zwischen den Spielen gibt es mehrere Lehrgänge, ein nächtliches Freizeitturnier, Vorträge und sogar ein Pub-Quiz rund um die selbst ernannte schnellste Sportart der Welt.

Bei Kratochvil laufen die Fäden für den Event in der Charlottenburger Sömmeringhalle zusammen. Doch als ob all das noch nicht genug wäre, wird er am Wochenende auch selbst als Trainer und Spieler aktiv sein – wenn alles gut läuft, sogar zweimal. Dann nämlich, wenn BAT am Sonnabend im Halbfinale gegen Wernigerode gewinnt (17 Uhr) – in diesem Fall ginge es tags darauf gegen den Sieger der Partie zwischen Titelverteidiger Weißenfels und Lilienthal (20 Uhr) um den Pokalsieg. „Wir sind lediglich Außenseiter“, sagt Kratochvil zwar, nachdem es im Kader der Berliner im vergangenen Sommer einen Umbruch gegeben hatte. In der Bundesliga konnte BAT in dieser Saison allerdings schon gegen Wernigerode gewinnen. Beim Turnier der Frauen ist derweil das Team aus Grimma der Favorit (ab 11 Uhr).

Sportlich stapelt man bei BAT tief, doch organisatorisch hat man sich einiges vorgenommen. Zum Finale am Sonntag werden über 2000 Zuschauer erwartet – das wäre ein neuer Besucherrekord im deutschen Floorball. Falls die Resonanz stimmt, könnte bald sogar eine noch größere Veranstaltung in Berlin stattfinden: die Weltmeisterschaften 2022. Laut Kratochvil erwägt der deutsche Floorballverband, sich gemeinsam mit der Schweiz für das WM-Turnier in vier Jahren zu bewerben, mit Berlin als einem der möglichen Spielorte.

Das Final Four ist somit auch ein Gradmesser, wie groß Floorball in Deutschland schon geworden ist. Die Sportart mit dem weißen Lochball, hierzulande auch unter dem Namen Unihockey bekannt, erfreut sich wachsender Beliebtheit, doch im Vergleich zu Ländern wie Schweden, Finnland oder Tschechien ist die Szene immer noch klein. „Dort ist die Arena beim Finale mit 17.000 Zuschauern ausverkauft“, erzählt Kratochvil.

Sportart will auch vom Eishockey-Boom profitieren

Floorball erinnert an Eishockey, bloß eben ohne Eis. Auch dort besteht eine Mannschaft aus einem Torhüter und fünf Feldspielern, ist das Spielfeld von einer Bande umrahmt, beträgt die Spielzeit beträgt drei mal 20 Minuten. Jan Kratochvil glaubt deshalb, dass auch die Floorballer von der olympischen Silbermedaille der Eishockeyspieler profitieren können. Er hat es in seiner Heimat Tschechien selbst erlebt, als dort die Eishockeynationalmannschaft 1998 Olympiasieger und von 1999 bis 2001 drei Mal hintereinander Weltmeister wurde: „Damals sind viele Jugendliche zum Eishockey gegangen, aber eben auch viele zum Floorball, weil Eishockey nun einmal ein sehr teurer Sport ist“, sagt er.

Ähnliches soll nun auch in Deutschland passieren. Die Voraussetzungen seien gegeben, so Kratochvil, in jeder zweiten Schulturnhalle sei mittlerweile ein Floorball-Set vorhanden. „Das Problem ist, dass viele es noch nicht als eigene Sportart wahrnehmen, sondern nur als Plastik-Hockey. Wenn dieses Bewusstsein erst einmal durchdringt, hat unsere Sportart ein großes Potenzial.“