Keine Sperre

Babelsberg 03 und Fußballverband legen Streit bei

Nach dem Skandalspiel gegen Energie Cottbus schlichtet Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs erfolgreich.

Babelsberg 03 hat seinen Streit beigelegt, muss aber eine Strafe zahlen

Babelsberg 03 hat seinen Streit beigelegt, muss aber eine Strafe zahlen

Foto: imago sport / imago/Matthias Koch

Potsdam.  Nach monatelangem Streit, der auch den Deutschen Fußballbund in Frankfurt am Main beschäftigte und ein weltweites Echo hervorrief, haben sich der Fußball-Regionalligist Babelsberg 03 und der(NOFV) geeinigt. Nach einem Krisengespräch im Amtszimmer des Potsdamer Oberbürgermeisters Jann Jakobs (SPD) bleibt es zwar bei einer Strafzahlung für Babelsberg, nicht aber wegen der „Nazischweine-Raus-Rufe“ eines Fans.

Der Streit war nach dem Spiel der Babelsberger gegen Energie Cottbus im April vergangenen Jahres entbrannt. Cottbuser Fans hatten rechtsextreme Parolen skandiert und den Hitlergruß gezeigt, daraufhin hatte ein Babelsberger Fan mit dem Nazischeine-Raus-Ruf geantwortet. Das Sportgericht verurteilte Cottbus zunächst zu einer Geldstrafe, die es aber in einer weiteren Verhandlung erließ. Den Widerspruch der Babelsberger verwarf das Gericht dagegen.

Nun erfolgte eine Einigung. Babelsberg muss zwar 7000 Euro Strafe zahlen, kann den Betrag aber um 3500 reduzieren, wenn das Geld für Projekte gegen Rassismus und Rechtsextremismus verwendet wird. Gleiches gilt für Energie Cottbus. Zudem wird die Urteilsbegründung berichtigt, die gegenseitigen verbalen Attacken sind demnach kein Gegenstand des Urteils mehr. Gleichzeitig nimmt der NOFV seine Drohung zurück, Babelsberg vom Spielbetrieb auszuschließen.

„Obwohl es weiterhin unterschiedliche Beurteilungen bezüglich einzelner rechtlicher Aspekte gibt, haben wir dieser Vereinbarung zugestimmt“, erklärte Archibald Horlitz, Vorstandsvorsitzender des SV Babelsberg. „Dies geschah vor dem Hintergrund eines höheren Guts, nämlich dem immer wichtiger werdenden Engagement gegen Rassismus und dem deutlichen Eintreten für Toleranz.“

Oberbürgermeister Jakobs sieht das Ergebnis des Gesprächs zwischen NOFV und dem SV Babelsberg als Gewinn für alle: „Wenn es gelingt, jetzt gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus im Fußball vorzugehen, haben wir einen großen Schritt nach vorn gemacht.“

Auch der Fußballverband zeigte sich erleichtert. Er war wegen der vermeintlichen Ungleichbehandlung der beiden Vereine stark in die Kritik geraten. „Wir sind erleichtert und freuen uns, dass beide Konfliktparteien konstruktiv aufeinander zugegangen sind“, sagte NOFV-Präsident Rainer Milkoreit. „Unstimmigkeiten wurden ausgeräumt und die Basis für eine künftige faire Zusammenarbeit geschaffen.“

Der Streit hatte zu einer bundesweiten Solidarisierungswelle mit Babelberg geführt, weil der Club vermeintlich für sein Eintreten gegen Rassismus bestraft werden sollte, während Cottbus straffrei davon kam. Bundesligisten wie Freiburg, Eintracht Frankfurt und Werder Bremen sagten Babelsberg Unterstützung zu, überregionale Medien bis hin zur Washington Post und New York Times berichteten über den Fall.