Beachvolleyball

Zwei Berlinerinnen auf der Überholspur nach Tokio

Die Beachvolleyballerinnen Sandra Ittlinger und Kim Behrens versuchen, außerhalb der Verbandsstrukturen an die Spitze zu gelangen.

Foto: Learn2beach / BM

Berlin.  Vorige Woche schlitterte Sandra Ittlinger noch auf vereisten Wegen zur Beachvolleyball-Halle am Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen, heute braucht die 23-Jährige eher eine Eistonne. Bei 26 Grad startete sie mit Partnerin Kim Behrens (25) beim Fünf-Sterne-Turnier in Fort Lauderdale/Florida und zog mit zwei Siegen direkt ins Viertelfinale ein . Das mit 600.000 Dollar dotierte Event markiert den Saisonbeginn der World Tour und ist gleichzeitig das erste Turnier der höchsten Kategorie, das die beiden gemeinsam bestreiten.

Erst im Oktober hatten sich Ittlinger und Behrens zusammengetan. Während andere Teams die Wintermonate für die athletische Vorbereitung in die Saison nutzten, reisten sie zu Turnieren nach Australien, China und Holland, überraschten dort mit guten Platzierungen und sammelten über 1000 Weltranglistenpunkte, die ihnen nun den Platz im 32er Hauptfeld von Fort Lauderdale sicherten. „Dass es nach der kurzen Zeit schon so gut klappt bei uns, motiviert mich und macht Lust auf mehr“, sagt Behrens. „Wir wollen nun auch in Florida etwas erreichen. Dabei sein ist auf jeden Fall nicht alles.“

Das Berliner Duo profitiert vom Ausfall von Ludwig/Walkenhorst

Die gebürtige Bremerin Behrens lebt erst seit Kurzem in Berlin. „Ich bin Sandras Untermieterin, das klappt bislang ganz gut“, sagt sie. Vorher trainierte die ausgebildete Polizistin in Stuttgart. Da sie als Profisportlerin vom täglichen Polizeidienst freigestellt ist, konnte sie den Stadtwechsel auf sich nehmen, was für Ittlinger, die in Berlin Psychologie studiert, schwieriger gewesen wäre. Beide hätten auch die Chance gehabt, an den Stützpunkt in Hamburg zu gehen, an dem die Top-Teams im Beachvolleyball zentralisiert trainieren, doch sie ziehen Berlin vor. „Weil wir hier unser sportlich bestes Umfeld sehen“, sagt Ittlinger. Die Infrastruktur mit der Beachvolleyball-Halle, Physiotherapie und den Krafträumen des Olympiastützpunkts gefällt ihnen. Ein Grund für die Entscheidung war auch ihr Berliner Balltrainer Kay Matysik. Der WM-Dritte von 2013 hat seine aktive Karriere im Vorjahr beendet und will nun seine Erfahrung weitergeben. „Wer ihn vom Volleyball kennt, der weiß, wie akribisch er arbeitet und dass er auch mit Motivation dabei bleibt, wenn es mal schwer wird“, sagt Ittlinger.

Leicht wird es das aufstrebende Berliner Team nämlich nicht haben. Mit den drei Nationalteams Chantal Laboureur/Julia Sude, Karla Borger/Margareta Kozuch und Victoria Bieneck/Isabel Schneider konkurrieren sie derzeit um die Startplätze bei großen Turnieren. An Bieneck/Schneider sind sie gerade in der Weltrangliste vorbeigezogen, das Nationalteam musste in Fort Lauderdale die Qualifikation spielen, da nur drei Duos eines Landes direkt im Hauptfeld antreten dürfen. Momentan profitieren Ittlinger/Behrens aber auch davon, dass die Olympiasiegerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst pausieren. Maximal sind vier Teams einer Nation bei international zugelassen, und wenn alle Nationalteams antreten, bekommen sie in der Regel auch den Vortritt. „Noch ist unklar, wie sich das im Saisonverlauf entwickelt“, sagt Ittlinger. Da der Weltverband in dieser Saison aber 13 Turniere der Kategorie fünf und vier Sterne, statt wie im vergangenen Jahr lediglich fünf anbietet, stehen die Chancen für die beiden Außenseiterinnen nicht ganz so schlecht.

Keine finanzielle Unterstützung vom Deutschen Volleyball-Verband

Ein gutes Ergebnis in Fort Lauderdale würde helfen, ihren individuellen Weg zu untermauern, und etwas von den 300.000 Dollar Preisgeld, die pro Geschlecht unter den 32 Teams aufgeteilt werden, können sie auch gut gebrauchen. Finanzielle Unterstützung bekommen Ittlinger/Behrens vom Deutschen Volleyball-Verband (DVV) nicht. Den Etat von etwa 80.000 Euro für die Saison stemmen sie allein. Dass der Verband Potenzial bei ihnen sieht, zeigte aber die Einladung nach Hamburg, und auch die Tatsache, dass die Spielerinnen trotz ihrer Absage den Status als „Perspektivteam“ erhalten haben. Der DVV hat das Duo für die Olympischen Spiele 2024 auf dem Zettel. „Das ist aber so weit weg. Da bin ich ja schon 30“, sagt Ittlinger. Ihr Ziel sind die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Behrens sieht das genauso: „Ich mache den Sport ja nicht, seit ich 14 Jahre alt bin, um mich auf die Ersatzbank zu setzen.“ Außerhalb der Verbandsstrukturen wollen sie sich nun mit harter Arbeit an den Nationalteams vorbeischieben.