München

Herthas Chance liegt in den Egos des FC Bayern

Rekordmeister hat viel mit sich selbst zu tun und ist verwundbar

München.  In der Hinrunde hatte es Hertha BSC gut erwischt mit den Bayern. Die Münchner reisten frisch demontiert durch das 0:3 in Paris in der Champions League und dementsprechend irritiert an. Im Trainer-Vakuum mit Interimscoach Willy Sagnol. So schaffte Hertha in der Bundesliga am 1. Oktober ein 2:2. Jupp Heynckes übernahm dann eine Woche später.

Und diesmal? Von der Papierform her sind die Gäste am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) krasser Außenseiter. Bayern hat 14 (!) Pflichtspiele hintereinander gewonnen, zuletzt Besiktas Istanbul in der Champions League abgefertigt. Keine Chance für Hertha? Doch. Denn: Vor einer Woche gewann man erst durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit mit 2:1 in Wolfsburg. Die Bayern sind dieser Tage (zu) sehr mit sich selbst beschäftigt, mit der Rotation und den Unzufriedenen im Kader. Franck Ribéry schmollte nach seiner Verbannung ins zweite Glied, Bankdrücker-Nachbar Arjen Robben motzte über eine für ihn „schmerzhafte Geschichte“. Auch für das Betriebsklima? Ein Störfaktor, der Ziele gefährden kann? „Ich finde nicht“, sagte Heynckes, „im Gegenteil. Das ist motivierend für die Truppe. Gesunder Konkurrenzkampf ist immer gut.“

Für den 72-jährigen Trainer ist es ein Spagat und der Schlüssel zum möglicherweise großen Triumph, der Wiederholung des Triples von 2013. Kann Heynckes die Egos seiner Stars in den nächsten Wochen so moderieren, dass der Kessel dem Druck standhält? „Ich muss das managen und mache das, was ich für richtig halte“, umschreibt Heynckes seine Rolle: „Das muss jeder akzeptieren. Punkt.“ Ende der Ansage. Und: Recht hat er. Bei 23 Erfolgen in 24 Pflichtspielen seit Anfang Oktober sowieso. Die „Probleme“ der Liga-Dominatoren: Mittelfristig stehen keine echten Prüfungen an, das Achtelfinal-Rückspiel bei Besiktas (14.3.) ist ja nun auch keine mehr. Zweitens waren zuletzt 21 Profis fit – bis auf Torhüter Manuel Neuer, der in der Reha um die WM-Teilnahme kämpft.

Linderung der Aufstellungsproblematik brachten für Heynckes die letzten Tage. Neben James Rodríguez fällt am Sonnabend Ex-Herthaner Jerome Boateng aus. Auch Mats Hummels und Joshua Kimmich sind fraglich. Der Mega-Kader der Bayern kann es auffangen. Doch wie steht es gegen Hertha, die Heyn­ckes „eine sehr kampfstarke, disziplinierte Mannschaft mit einem guten Trainer, der auch ein sehr guter Spieler war“ nennt, um die Motivation? Die wird das Spiel entscheiden.